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Das Wohnen im Holzhaus auf dem Campingplatz am Stover Strand ist für viele Menschen eine günstige Alternative zum konventionellen Eigenheim. Nun soll dafür gesorgt werden, dass die Alternative auch legal ist. (Foto: fw)

Campingplatz Stover Strand: Streit ums Dauerwohnen

Anwohner des Campingplatzes am Stover Strand drohen mit neuerlicher Klage gegen das Dauerwohnen auf dem Gelände.

Stove. In Kürze soll der Gemeinderat Drage die Änderung des Bebauungsplans beschließen, mit der das Dauerwohnen am Stover Strand nach etlichen Jahren der Ungewissheit endlich rechtlich abgesichert werden soll. Nicht entsprochen hat die Gemeinde allerdings der Bitte einer Anwohnerinitiative, den Campingplatz verkehrlich anders anzubinden. Deshalb droht nun eine neuerliche Klage.

Baurechtsänderung macht Dauerwohnen möglich

Um das Problem in den Griff zu bekommen hatte die Gemeinde Drage bereits 2015 den Bebauungsplan für einen Teil des Campingplatzes am Stover Strand geändert. Damals lebten einige Hundert Menschen dauerhaft auf dem Areal im Erholungsgebiet. Zwar hatte der Landkreis Harburg den Bau der jeweiligen Häuser genehmigt, doch war nur die Nutzung als Ferienhaus zulässig. 2017 entschied das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, dass die vom Gemeinderat abgesegnete Bebauungsplanänderung unwirksam ist. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte 2018 diese Entscheidung.

Parallel zu den Verhandlungen ist jedoch das Baurecht geändert worden. Mit der Novelle ist nun auch das dauerhafte Wohnen in einem Erholungsgebiet erlaubt. Diese Änderung will die Gemeinde nun nutzen, um das Wohnen am Stover Strand zu legalisieren.

Campingplatz besteht künftig zu rund einem Drittel aus Wohnbebauung

Geplant ist, nicht nur alle 51 Häuser im Holzhauspark als Wohnhäuser festzuschreiben, sondern auch 199 Wohneinheiten im Mobilheimpark, die ohnehin schon zu 93 Prozent bewohnt werden. Im Gegenzug müssen die Bewohner ihre Mobilheime an die Anforderungen des neuen Bebauungsplanes anpassen und die baurechtlichen Anforderungen erfüllen, was noch nicht überall der Fall ist. Für die Bewohner heißt das, dass sie in den kommenden Jahren investieren müssen.

Damit wird der Campingplatz Stover Strand International künftig zu rund einem Drittel aus Wohnbebauung bestehen. 300 Plätze bleiben nach der Änderung des Bebauungsplanes für das Dauercamping, ebenso viele für das touristische Camping. „Wir wollen ein Tourismusbetrieb bleiben“, sagt Norbert Kloodt, der den Platz gemeinsam mit seiner Tochter betreibt und seit vielen Jahren für die SPD im Rat der Gemeinde sitzt.

Alternative Führung des Verkehrs abgelehnt

Ob der Vorstoß der Gemeinde Erfolg hat, ist jedoch nicht sicher. Der Landkreis Harburg als Genehmigungsbehörde verweist darauf, dass die Änderung im Baugesetzbuch noch zu neu ist, als dass es irgendwelche Erfahrungen damit gebe.

Zudem ist es durchaus möglich, dass die Anwohnerinitiative um Dörte Land und Joachim Meyn erneut den Klageweg beschreitet. Bereits 2018 hatte die Initiative eine Meditation und eine alternative Verkehrsführung vorgeschlagen, um auf diesem Wege eine Einigung zu erzielen – ohne bei den Verantwortlichen der Gemeinde und im Rat Gehör zu finden. Mit der Vorlage des der Bebauungsplan-Änderung erneute die Initiative ihr Angebot; erneut ohne Erfolg. Im Sommer wurde die alternative Verkehrsführung dann endgültig abgelehnt.

Ein neuer Rechtsstreit sei nicht auszuschließen

„Wir haben Strukturen in der Gemeinde, die es ermöglichen, dass ein Campingplatzbetreiber seine wirtschaftlichen Interessen über seine Mitgliedschaft im Gemeinderat vorantreiben kann, Anwohnern aber kein Gehör geschenkt wird“, kritisiert Joachiom Meyn. Da die Interessen der Anwohner scheinbar nur auf dem Klageweg durchgesetzt werden könnten, sei ein neuer Rechtsstreit nicht auszuschließen. Ob das der Befriedung der Situation am Stover Strand zuträglich sei, dürfe bezweifelt werden, sagt Meyn.

Norbert Kloodt sieht das anders. „Durch die Bebauungsplanänderungen ergeben sich auch gemäß den vorliegenden Gutachten keine höheren Verkehrsbelastungen. Die Parzellen sind alle bebaut und werden genutzt. Der vorhandene Verkehr ist zulässig“, sagt er. Drages Bürgermeister Uwe Harden ließ eine Anfrage zu dem Thema unbeantwortet.

Von Franzis Waber

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