Sonntag , 4. Dezember 2022
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Norbert Thiemann und Jan-Ole Brandt.
Links: Norbert Thiemann ist seit nunmehr vier Jahrzehnten als Kommunalpolitiker bei der CDU in vielfältiger Position tätig. Für die anstehende Kommunalwahl kandidiert der 71-Jährige nochmals für den Lüneburger Kreistag. Rechts: Jan-Ole Brandt steht erstmals auf der Liste für ein politisches Amt im Gemeinderat Betzendorf. Ehrenamtliches Engagement und freiwilliger Einsatz für die Allgemeinheit sind für ihn seit Jugendzeiten ein großes Anliegen. (Fotos: bau)

Was bringt Menschen dazu, sich politisch zu engagieren?

Sie treten bei der Kommunalwahl im September für unterschiedliche Gremien und Parteien an.  Der eine ist ein „alter Hase“, der andere ein Newcomer. Ein Besuch bei Norbert Thiemann (CDU) und Dr. Jan-Ole Brandt (Grüne).

Amelinghausen/Betzendorf. Der eine ist ein „alter Hase“, der andere ein Newcomer. Beide – Norbert Thiemann aus Amelinghausen und Dr. Jan-Ole Brandt aus Betzendorf – treten bei der Kommunalwahl im September für unterschiedliche Gremien und Parteien an. Beide eint der Wille und das eigene Bestreben, sich ehrenamtlich politisch zum Wohle der Bürger in und für ihre Heimatgemeinden zu engagieren. Das Warum erläutern der 71-jährige Christdemokrat Norbert Thiemann und der 38-jährige grüne Jan-Ole Brandt – stellvertretend für die vielen Bewerber in Stadt und Landkreis – im Gespräch mit der LZ.

Norbert Thiemann

Norbert Thiemann ist seit nunmehr vier Jahrzehnten als Kommunalpolitiker bei der CDU in vielfältiger Position tätig – ob nun Gemeinderat, Samtgemeinderat, Kreistag, Bürgermeisteramt oder Verwaltungsausschussvorsitzender. Entsprechend gehört er zu den bekanntesten Kommunalpolitikern im Landkreis Lüneburg. Für die anstehende Kommunalwahl kandidiert der 71-Jährige nochmals für den Kreistag. „Es gibt noch so viel zu tun, und Erfahrung schadet in vielen Bereichen auch nicht“, so der gebürtige Westfale.

Als er 1969 eher zufällig als Kind des Ruhrgebiets die norddeutsche Tiefebene betrat, hatte er mit „Politik noch nichts am Hut“. Der gelernte Maschinenschlosser hatte sich als 19-Jähriger freiwillig für den Dienst beim Bundesgrenzschutz beworben und kam nach Lüneburg. „Das war schon eine Umstellung für mich. Erst das Ruhrpott-Leben in meiner Heimatstadt Oberhausen und dann das beschauliche Lüneburg in der Heide-Idylle“, sagt Thiemann. Hier schlug er Wurzeln, weil er 1970 beim Tanzen im Gasthaus Zum Anker in Bardowick seine aus Diersbüttel stammende Renate kennenlernte, heiratete und mit ihr 1971 nach Amelinghausen zog. Von „Politik machen“ war er aber nach wie vor weit entfernt. Er machte sich stattdessen nach einer weiteren Ausbildung und Ernennung zum Deichvogt als technischer Beamter des Landes Niedersachsen schnell einen Namen als gefragter Experte für Hochwasserschutz und Deichbau an der Elbe.

Seit 1981 ist er ununterbrochen dabei

In Amelinghausen schlug sich er sich mit anderen Problemen herum. Nach der Geburt der Kinder Björn und Anika planten die Thiemanns 1978 den Neubau eines Einfamilienhauses – und stießen auf Probleme. Der Landkreis Lüneburg verlangte zum damaligen Zeitpunkt von der Samtgemeinde den Anschluss an eine zentrale Wasserversorgung. Die erfolgte damals in der Gemeinde Amelinghausen aus mehr als 30 dezentralen Versorgungsbrunnen. „Der Landkreis erteilte ohne diese Zentralisierung einfach keine Baugenehmigungen mehr“, erklärt Norbert Thiemann. In seinem Frust darüber wendete er sich direkt an die Spitze der Kreisverwaltung. Der damalige Oberkreisdirektor Klaus Harries lud ihn zu einem Gespräch ein . Er „entließ“ ihn mit dem gut gemeinten Ratschlag: „Wenn sie etwas in ihrer Gemeinde bewegen wollen, dann runter vom Sofa, bewerben sie sich um ein Ratsmandat.“

1981 ließ er sich als sogenannter „Zugereister“ tatsächlich bei den Kommunalwahlen aufstellen – und wurde sogar direkt gewählt. Seitdem ist er ununterbrochen dabei. Von 1998 bis 2016 war er auch Bürgermeister seiner Gemeinde. „In dieser Zeit galt es, für die Weiterentwicklung im Ort die erforderlichen Mehrheiten im Rat zu gewinnen“, sagt Thiemann. „Die Art lag mir, und es machte auch Spaß, die zugehörigen Ratsmitglieder mit unterschiedlichen Parteizugehörigkeiten für die gemeinsame Sache zu begeistern.“ Die Erfolge des Gemeinderates im Bereich Infrastruktur (Kindergarten, Grundschule, Jugendzentrum, ärztliche Versorgung, soziale Einrichtungen, Einkaufszentrum) oder Baulandausweisung („Rote Bünte“, „Bienenzaun“ und „Kleines Feld 1 und 2“) können sich laut Norbert Thiemann bis heute sehen lassen.

Im Laufe seiner kommunalpolitischen Erfahrungen zeigte sich für Norbert Thiemann aber auch immer wieder, dass zur Umsetzung von Projekten vor Ort auch an anderer Stelle Befürworter benötigt werden. Daher ließ er sich vor 15 Jahren für den Lüneburger Kreistag aufstellen. Er erhielt auch dazu das Mandat der Bürger. Für den Kreistag kandidiert er jetzt wieder. Die Arbeit im Gemeinderat lässt er ruhen. Er ist froh darüber, dass für die kommenden Kommunalwahlen in Amelinghausen junge Menschen ihre Bereitschaft zeigen und für die Räte kandidieren, um für die Gemeinschaft etwas zu bewegen – so wie er vor 40 Jahren. Mit einem Augenzwinkern fügt er an: „Nach so langer Zeit etwas mehr Zeit für mein Sofa zu haben, freut mich natürlich in meinem Alter auch.“

Jan-Ole Brandt

Jan-Ole Brandt steht erstmals auf der Liste für ein politisches Amt im Gemeinderat Betzendorf. Und das gleich auf Platz 2. Ehrenamtliches Engagement und freiwilliger Einsatz für die Allgemeinheit sind für ihn seit Jugendzeiten ein großes Anliegen. Bereits 1999 legte er die Prüfungen zum Jugendgruppenleiter ab. Warum? „Ich wollte beim Gemeinderat vor allem auf das Anrecht von uns Heranwachsenden auf das ehemals von Jugendlichen erbaute Jugendzentrum pochen“, sagt der heute 38-Jährige. Das gelang ihm.

Sein Elternhaus hat ihn sehr geprägt mit Werten wie Gerechtigkeit und Solidarität. So wuchs er mit zwei von seinen Eltern aufgenommenen Pflegekindern auf. „Die sind für mich bis heute wie echte Geschwister.“ Zum anderen waren auch Vater und Mutter sozial engagiert. „Vermutlich hat mich das dazu bewogen, selbst das Heft in die Hand zu nehmen und für uns einen Gemeinschaftsraum zu organisieren.“ Der heutige Jugendtreff in Betzendorf hat seit 2017 in einer ehemaligen Wohnung über der Grundschule seine Heimat. Den früheren Juze-Raum nutzt die Peter- und Paul-Kirche. Doch mittendrin steht immer noch der damals von Jan-Ole Brandt und seinen Mitstreitern mit im Ort gesammelten Spenden angeschaffte Tischkicker.

Mittlerweile hat Brandt seinen Doktor gemacht

Jan-Ole Brandt hat am Johanneum in Lüneburg sein Abitur gemacht. An der Schule am Knieberg leistete er seinen Zivildienst. Danach rief die große, weite Welt. Er ging für ein halbes Jahr nach Australien. Fünf Jahre lang arbeitete er als Sportjournalist bei der Deutschen Presseagentur. Später sattelte er beruflich um. In Jena studierte er Soziologie, in Uppsala/Schweden Nachhaltige Entwicklung. Mittlerweile hat er seinen Doktor gemacht und arbeitet seit April im Nachhaltigkeitsmanagement der im Landkreis Uelzen ansässigen Bohlsener Mühle.

Seit er denken kann, spielt auch die Natur eine wichtige Rolle – nicht zuletzt dank seiner „urgrünen Eltern“. Ökolandbau, die Nutzung regenerativer Energien oder der Ausbau des ÖPNV sind für ihn daher die logischen Bereiche, die er politisch beackern möchte. „Ein schonender Umgang mit den Ressourcen, die wir haben, ist für uns nachkommende Generation unerlässlich.“ Auch eine Gemeinde wie Betzendorf könne sich dahingehend positiv einbringen. Ein maßgeblicher Schlüssel für (politischen) Erfolg ist für ihn: „Gute, klare Kommunikation“. Genauso wie „Zuhören“ und „auch andere Meinungen zulassen“.

Seit 2019 lebt er wieder in Betzendorf – gemeinsam seiner Frau Joanna. Sie ist als Psychologin in der Psychiatrische Klinik Lüneburg tätig. Trotz seines zeitintensiven Berufes möchte er wieder aktiv in der Dorfgemeinschaft einbringen, diese mit seiner Art und Kenntnissen positiv beeinflussen. „Ob Kommunalpolitik, Kultur- oder Sportverein aber auch Formate wie die Neubürgervorstellung leben von aktiver Teilnahme und einem gemeinschaftlichen Geist“, sagt er. Unvergessen ist für ihn ein besonderes Erlebnis mit „Manfredo“, einem Bewohner im damaligen Betzendorfer Pflege- und Altenheim. „Manfred wollte uns unbedingt beibringen, wie man Elfmeter schießt. Sein skurriler 30 Meter Anlauf hat uns herzhaft zum Lachen brachte“, schmunzelt Jan-Ole Brandt. Anschließend folgten die Kids – ohne Berührungsängste – seiner Einladung zum Kaffee und Kuchen und sahen zum ersten Mal die Pflegeeinrichtung von innen. „Als Kind kam mir das Dorf immer wie eine große Familie vor. Auch wenn das natürlich ein wenig naiv war, möchte ich gerne dazu beitragen, dass sich das aus erwachsener Perspektive auch heute wieder für alle Generationen so anfühlt“, sagt er.

Von Marcel Baukloh

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