Samstag , 3. Dezember 2022
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Lore und Dieter Böther in ihrem Gartenparadies. Hier gibt es rund ums Jahr genug zu tun – zur Freude des Paares, das seit 60 Jahren gemeinsam durchs Leben geht. (Foto: uk)
Lore und Dieter Böther in ihrem Gartenparadies. Hier gibt es rund ums Jahr genug zu tun – zur Freude des Paares, das seit 60 Jahren gemeinsam durchs Leben geht. (Foto: uk)

Diamantene Hochzeit: Die Familie steht über allem

60 Jahre verheiratet – wie schafft man das? Lore und Dieter Böther aus Echem feiern heute ihre diamantene Hochzeit. Beim Besuch der LZ haben sie aus ihrem Leben erzählt und auch Einblicke gegeben, was eine gute Ehe ausmacht.

Echem. Die Sache mit den Gurken war eigentlich anders geplant. 150 Gläser mit Gemüse aus dem eigenen Garten hatte Lore Böther vor zwei Jahren eingekocht. Mehr als genug, um die komplette Großfamilie zu versorgen. Auf Drängen der Kinder hätten sie dann aber voriges Jahr keine Gurken mehr gepflanzt, erzählt die 81-Jährige, die heute mit ihrem Mann auf den Tag genau seit 60 Jahren verheiratet ist. Doch jetzt sind die Gurken wieder da: Alle Fertigsorten im Glas hätten einfach nicht geschmeckt, sagt Lore Böther, zuckt mit den Achseln und fügt wie zur Verteidigung an: „Wir machen dieses Jahr aber nur wenig, also vielleicht 50 Gläser.“

Der Garten ist das Reich von Lore und Dieter Böther. Auf dem großen Grundstück in Echem hat sich das Ehepaar ein Paradies geschaffen, in dem es an allen Ecken grünt, blüht und sprießt. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Er ist für Rasen, Bäume und das Gießen zuständig, sie kümmert sich um Rosen und Stauden. Und beide sind bei der Gartenarbeit ganz in ihrem Element: „Etwas zu tun zu haben, das ist unser Leben“, bestätigt der 82-Jährige. Das war schon immer so.

Schon auf der Schule fiel sie ihm auf

Beide sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, wo sie schon früh mit anpacken mussten, er in Echem, sie in Lüdershausen. Weil er eine Landwirtschaftslehre machte und sie eine Hauswirtschaftslehre, war die Berufsschule der Ort, an dem sie sich erstmals begegneten. „Da war sie mir schon aufgefallen“, erzählt Dieter Böther schmunzelnd. „Danach haben wir uns aber aus den Augen verloren. Erst beim Feuerwehrball 1959 habe ich sie wiedergesehen. Da haben wir dann getanzt. Seitdem sind wir zusammen.“

Von wem die Initiative ausging, wissen sie nicht mehr so genau. Aber das ist auch egal: „Jedenfalls ist es wahre Liebe geworden“, sagt er und streicht seiner Frau sanft über den Arm.

"Ohne Tiere wäre er nix mehr gewesen"

Leicht war der Start ins Eheglück nach der Hochzeit 1961 nicht: Lore zog auf den Hof nach Echem, wo Dieter nach dem frühen Tod des Vaters schon mit 16 Jahren die Verantwortung übernommen hatte. 1962 wurde der erste Sohn geboren. Viereinhalb Jahre später hatten Böthers fünf Kinder, darunter Zwillinge. Dass Väter ein Baby wickeln, sei damals unüblich gewesen. „Es ging gar nicht anders“, sagt Dieter und lacht, „irgendeins hatte ja immer Hunger oder volle Windeln.“

Gemeinsam wuppen Böthers alle Herausforderungen – auch als Dieter wegen eines Bandscheibenleidens nicht mehr Trecker fahren darf und den Hof aufgeben muss. Er findet eine Stelle in der damaligen Mastprüfungsanstalt im Ort, qualifiziert sich bis zum Tierzuchtmeister im heutigen Landwirtschaftlichen Bildungszentrum. „Ohne Tiere wäre er nix mehr gewesen“, weiß Lore, „er hat sofort gesehen, wenn eine von 80 Kühen Fieber oder Durchfall hatte.“

Zu den fünf Kindern kamen zehn Enkel und zwei Urenkel

Nachdem sie 1974 ins eigene Haus gezogen sind, nimmt Lore einen Teilzeitjob bei der Post an, arbeitet erst in Echem, später auf der Scharnebecker Poststelle. Dunkle Zeiten bleiben der Familie nicht erspart, darunter schwere Krankheiten und der Tod der Tochter vor fünf Jahren. Für Lore und Dieter Böther stand dabei immer felsenfest: Sie tragen alles gemeinsam. Im Blick auf die 60 Jahre sind sich beide denn auch einig: „Familie ist alles für uns.“ Schwiegerkinder, zehn Enkel und zwei Urenkel gehören mittlerweile dazu.

Wer das Ehepaar besucht, bekommt rasch den Eindruck, dass Lore die Resolutere im Hause ist. „Sie weiß schon, wie sie etwas erreicht“, sagt ihr Mann und lächelt. Aber Lore weiß auch, wo die Grenze ist. „Bis hierher darf ich und keinen Schritt weiter“, erwidert sie lachend und stellt sich an die Schwelle zum Gewächshaus. Das betritt sie nie, denn die Tomaten sind sein Reich. Grenzen und Unterschiede akzeptieren, das gehöre sicher zum Rezept für eine lange Ehe, meint das Diamant-Paar. Klar gebe es mal Streit, an manches „Taubstummenfrühstück“, wie Lore sagt, erinnere sie sich: „Aber wir haben uns auch immer wieder vertragen.“

Von Ute Klingberg-Strunk

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