Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Biberdamm
Ein Biber hat die Bruchwetter mit einem Damm aufgestaut. Jetzt haben die Bleckeder Sorge, dass das Wasser in ungünstigem Falle bis Bleckede zurück stauen kann. (Foto: kre)

Alarm wegen Biberdamm

Der Biber steht nicht nur unter strengem Schutz, er ist auch ein hervorragender Baumeister. Doch das gefällt nicht allen. In Bleckede hat der Nager jetzt die Bruchwetter aufgestaut, den Hauptentwässerungsgraben der Stadt.

Bleckede/Karze. Mit Hochwasser kennen sich die Bleckeder aus. Vier sogenannte „Jahrhunderthochwasser“ haben die Elbstädter in den vergangenen 20 Jahren erlebt. Doch Gefahr droht nicht nur von der Elbe, sondern auch von der Bruchwetter – dem Hauptentwässerungsgraben für die Stadt. Der Grund: Im Waldstück „Achterholz“ bei Karze hat ein Biber einen Damm gebaut und das Flüsschen bereits auf mehr als 1,50 Meter Wassertiefe aufgestaut.

Bernhard Gehring aus Karze sieht das emsige Treiben des streng geschützten Nagetiers daher mit Sorge: „Bei Starkregen kann das Wasser nicht ablaufen und staut sich im schlimmsten Fall zurück bis nach Bleckede“, mahnt der gelernte Forstwirt, eine Umweltkatastrophe sei programmiert. Vom Hochwasser betroffen wären auch Autowerkstätten, „in denen mit Öl, Benzin und Fetten hantiert wird“, sagt der 79-Jährige.

Das Problem mit den Entwässerungsgräben beschäftigt auch Bleckedes Bürgermeister Dennis Neumann, der nach eigenem Bekunden immer wieder von Landwirten darauf angesprochen wird: „Die Biberbauten mindern den Wasserabfluss“, bestätigt der Rathauschef, der aber auch verdeutlicht, dass „Selbstjustiz“ die falsche Lösung sei. Neumann denkt dabei an einen Fall vor wenigen Wochen, als Unbekannte mit einem Trecker einen Biberdamm in der Bruchwetter zerstörten. Übrigens nicht zum ersten Mal. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Suche nach akzeptabler Lösung für alle Beteiligten

Neumann setzt auf das Gespräch mit den Vertretern der Biosphärenreservatsverwaltung, dem Wasserverband der Ilmenau-Niederung, der zuständig ist für die Pflege der Entwässerungsgräben, und den Landwirten. „Wir müssen eine akzeptable Lösung finden, die Naturschutz, Tierschutz und Hochwasserschutz gleichermaßen berücksichtigt.“

Seit 1819 galt der Elbe-Biber als ausgestorben, nur wenige Exemplare überlebten an der Mittleren Elbe bei Dessau. Aufgrund strenger Schutznahmen erholten sich die dortigen Bestände und breiteten sich in den 1990er-Jahren auf der Suche nach neuen Revieren entlang des Elbstroms und seiner Nebenflüsse aus. Inzwischen, so ist auf der Internet-Seite der Biosphärenreservatsverwaltung zu lesen, sei der Bestand im Biosphärenreservat nach Wiederbesiedlung und zeitweise rasantem Bestandswachstum heute fest etabliert und stabil. Demnach leben aktuell etwa 400 Tiere in dem Schutzgebiet.

„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst"

Den Damm bauen die Nager, um einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau von möglichst 60 Zentimetern zu gewährleisten. Auf diese Weise kann er bei Gefahr schnell abtauchen, da der Eingang seiner Wohnstätte immer unter dem Wasserspiegel liegt und im Winter das Gewässer nicht bis zum Grund zufriert. Der Dammbau wird mit senkrecht in das Flussbett gesteckten Ästen und Zweigen begonnen. Weitere Gehölze werden verflochten und mit Schlamm, Steinen und Pflanzenresten vom Gewässergrund verstärkt.

Tobias Keienburg von der Biosphärenreservatsverwaltung kennt das Problem mit dem Biberdamm. „Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst. Wenn vom Biber verursachte erhöhte Wasserstände Probleme bereiten, werden zeitnah Ortstermine vereinbart, um den Gewässerzustand und das Schadens- beziehungsweise Gefahrenpotenzial in Augenschein zu nehmen“, sagt Keienburg und erklärt: Die weiteren Handlungen ergäben sich dann aus einer Abwägung der konkreten Gegebenheiten am Gewässer, also Breite, Tiefe, Böschungshöhe, Durchflussmenge und artenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Breites Spektrum an Maßnahmen denkbar

„Lösungen für die Konflikte zwischen Anwohnern, Landnutzern und Bibern können nur am konkreten Gewässer gefunden werden. Das Spektrum der Maßnahmen reicht dabei von einer regelmäßigen Beobachtung der Wasserstandsentwicklung über eine Begrenzung der Anstauhöhe – zum Beispiel mithilfe eines Drainagerohres – bis hin zur Entfernung des Biberdamms.“ Alternativ kämen Änderungen der Landnutzung im Umfeld der Gewässer in Betracht, um den Konflikt zu entschärfen. Hierzu zähle etwa die Anlage von ungenutzten Gewässerrandstreifen.

Von Klaus Reschke

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.