Dienstag , 6. Dezember 2022
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Bridgen am Stint
Mit Auflagen und erhöhter Polizeipräsenz sorgte die Stadt im Sommer für eine Beruhigung der überkochenden Partyszene am Stint. (Foto: be)

Was hilft gegen Vandalismus am Stint?

Passanten von Dealern bedrängt, Kellner von Betrunkenen bedroht, Notdurft in Hauseingängen. Im Sommer machte der Stint Schlagzeilen. Die Stadt nahm die Szene an die kurze Leine, das half. Ein Rezept für die Zukunft?

Lüneburg. Im Hitzesommer 2021 trieb dieses Thema den Blutdruck noch zusätzlich nach oben: der Vandalismus betrunkener junger Menschen im Wasserviertel sowie die Maßnahmen, mit denen die Stadt die Exzesse eindämmte. Nun diskutierten die Mitglieder des städtischen Ausschusses für Feuerwehr und Gefahrenabwehr über Lehren aus dem Geschehen, damit es sich in den nächsten Jahren nicht wiederholt. Über die notwendigen Maßnahmen wurden sich die Politiker nicht einig. Mehr Mülleimer, zusätzliche Dixi-Klos, mehr Security oder mehr gegenseitige Rücksichtnahme – was hilft?

Feierwütige verdrängt

Ende Mai/Anfang Juni, die ersten Gluthitzetage fielen mit Lockerungen der Coronaregeln zusammen, griff die Stadt durch: Kein Alkohol nach 20 Uhr, Flaschen und Musik tabu, Polizei, Ordnungsamt und Security-Mitarbeiter zeigten Präsenz rund um den Stint. "Eine Lösung brachte das nicht", meinte Jule Grunau (Grüne), "die Probleme wurden nur verdrängt. Am Kreideberg etwa war so viel los, dass ich mir Sorgen machte, dass jemand nachts schwimmen geht." Die Jugend bräuchte mehr Orte, an denen sie feiern könnten. Sollten sich wieder Randale-Hotspots entwicklen, würde Grunau mehr Security einsetzen.

"Wir wurden überrascht"

Dezernent Markus Moßmann pflichtete ihr bei, dass Lüneburg kein einmaliges Phänomen erlebt habe: "Sicher ist eine Wiederholung des Szenarios denkbar. Deshalb braucht es Ausweichmöglichkeiten für Jugendliche wie den Beach-Club, aber auch klare Ansprachen. Niemand will feiernde Jugendliche aus dem Wasserviertel verdrängen, aber es muss maßvoll sein."

Dennis Lauterschlag, Sachgebietsleiter für Allgemeine Gefahrenabwehr und Versammlungsrecht in der Verwaltung, räumte ein, "dass wir überrascht wurden, wie viele junge Menschen es nach den Corona-Lockerungen an den Stint zog". Ein besonderes Problem hätten die zwei dortigen Kioske dargestellt, weil sie auch nach Schließung der Restaurants noch Alkohol verkauft hätten und deshalb immer umlagert waren. Als diesen dieses untersagt wurde, hätte sich das Geschehen entspannt. Kein Wikingerschach mit Glasflaschen auf der Stintbrücke mehr, wie noch zuvor.

Mehr Leidensfähigkeit oder mehr Rücksichtnahme?

Die Ausschreitungen des Sommers seien kein Lüneburger Problem, sagte Moßmann und verwies auf ähnliche Vorfälle in Hamburg oder Stuttgart. Aber auch kein neues Problem, ergänzte Eckhard Neubauer (SPD), der am Dienstag Carmen Maria Bendorf im Ausschuss vertrat: "Schon früher waren Stint, Kalkberg und Kalkbruch Problemzonen. Verschärft wurde die Lage dadurch, dass in Hamburg damals schärfere Coronaregeln galten, so dass sich Feiertourismus Richtung Lüneburg entwickelte."

Karlheinz Fahrenwaldt (Die Linke) äußerte Unverständnis über die Klagen der Anwohner: "Wer an den Stint zieht, muss auch damit rechnen, dass es lauter wird." Den Exzessen wollte er mit Bänken auf der Stintbrücke und zusätzlichen Müllbehältern wie mobilen Klos begegnen.

Birte Schellmann (FDP) plädierte dementgegen dafür, "die Anwohner zu schützen. Es geht nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme."

Wie schmal der Toleranzrahmen Beteiligter aber bisweilen gesteckt ist, machte Moßmann klar, als er von der Maßnahme der Stadt berichtete, das Reinigungsintervall im vor allem an Wochenenden verdreckten Wasserviertel zu erhöhen. "Um den Dreck zu beseitigen, fuhren die Kehrmaschinen erstmals um 6 Uhr los. Da beschwerten sich die Anwohner über den frühen Lärm. Man kann es niemandem recht machen."

Von Joachim Zießler

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