Samstag , 3. Dezember 2022
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Jakob Blankenburg ist politisch gesehen ein unbeschriebenes Blatt, schreibt LZ-Chefredakteur Marc Rath.

Meinung: Jakob, wer?

Ein weitgehend unbekannter junger Sozialdemokrat vertritt die Region künftig als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter. Der Wechsel bietet auch neue Chancen, kommentiert LZ-Chefredakteur Marc Rath.

So kann es gehen: Der Scholz-Zug hat auch die Lüneburger SPD kräftig unter Dampf gesetzt. Mit diesem Rückenwind fuhr sie ein Ergebnis ein, das an längst vergangene Schröder-Zeiten vor der Agenda 2010 anknüpft - bei der Bundestagswahl hatten die Sozialdemokraten bis auf in der Hansestadt als der momentan praktisch uneinnehmbaren grünen Hochburg überall die Nase vorn.

Der über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaute respektable Vorsprung der Christdemokraten und ihres Abgeordneten Eckhard Pols schmolz da in den vergangenen Wochen wie Schnee in der Sommersonne dahin. Und nicht Pols' Kollegin Julia Verlinden von den Grünen profitierte - wie es lange zumindest in den statistischen Projektionen ausgesehen hatte und von ihr angestrebt wurde -, sondern ein politisch weitgehend Unbekannter: "Jakob, wer?" wird sich mancher jetzt beim Blick auf das Wahlergebnis fragen.

Blankenburg ist politisch ein unbeschriebenes Blatt

Der 24-Jährige blickte zwar allerorten von den Wahlplakaten, ist jedoch politisch ein noch unbeschriebenes Blatt. Was man aber wohl feststellen kann: Mit dem zuletzt vor den Toren Lüneburgs in Bienenbüttel lebenden ehemaligen Leuphana-Studenten haben die Lüneburger Sozialdemokraten wohl einen Glücksgriff gemacht. Blankenburg hat sich durchaus schon erste Meriten erworben: Seit vier Jahren ist er Landesvorsitzender der Jungsozialisten. Bevor er Anfang des Jahres auch nach Lüneburg zog, saß er fünf Jahre im Uelzener Kreistag und arbeitete bis jetzt als Pressereferent in der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion.

Derart vernetzt, gelang ihm auch der Sprung auf den 15. Listenplatz, den wohl niemand sonst aus den Reihen der Lüneburg SPD bekommen hätte. Dieser war jetzt noch nicht einmal mehr nötig. Man tritt dem neuen MdB sicher nicht zu nahe, dass sein Wahlsieg nicht zuletzt von der politischen Großwetterlage beeinflusst ist.

Junger Hoffnungsträger für die SPD

Blankenburg ist indes nicht nur im neuen Bundestag, sondern auch im Stadtrat (obwohl er dort nur im hinteren Mittelfeld kandidierte) und im Kreistag. Das ist viel Arbeit, aber diese Bodenhaftung ist auch nicht der schlechteste Einstieg.

Die SPD hat jedenfalls mit ihm einen jungen Hoffnungsträger. Alle reden vom Generationenwechsel. Hier hat er jetzt stattgefunden. Mal schauen, wie Jakob Blankenburg seine Rolle definiert und was er aus ihr macht.
Für Eckhard Pols ist der Abschied bitter und ein Stück weit überraschend. Der Lüneburger hatte immer stark auf die Bevölkerung in den Dörfern gesetzt und gilt hier auch als gut vernetzt. Er war ein emsiger Kümmerer, aber über die Rolle eines typischen Hinterbänklers ist er in den drei Wahlperioden dann auch nicht hinaus gekommen.

Der Verlust des Bundestagsmandats wird bei den Christdemokraten den Generationenwechsel beschleunigen. In der Generation der um die 30-Jährigen haben sie im Landkreis einige Aktivposten, die jetzt ihr Profil schärfen können - und es auch müssen. Insofern liegt in jedem Wechsel eben auch eine Chance.

Von Marc Rath