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Eine Schlingnatter in der Hügelgräberheide
Für die gefährdete Schlingnatter soll die Hügelgräberheide durch Gehölzarbeiten als Lebensraum wieder attraktiv gestaltet werden (Foto: Dirk Mertens, VNP).

LIFE-Projekt: Rettungsmission Hügelgräberheide läuft an

Harburg/Bispingen/Hannover. Die Hügelgräberheide bei Handeloh hat eine jahrtausendealte Tradition. Der wertvolle Kultur- und Naturraum im Landkreis Harburg ist zuletzt aber in Bedrängnis geraten: Die Spätblühende Traubenkirsche, eine eigentlich in Nordamerika heimische Pflanzenart, breitet sich immer weiter aus.

Im Rahmen des LIFE-Projekts "Atlantische Sandlandschaften" setzen sich der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide gemeinsam mit dem Landkreis Harburg nun für eine Bewahrung der bedeutsamen Flächen ein. Die Arbeiten bei Handeloh beginnen in den kommenden Wochen.

Gräber wurden schon in der Jungsteinzeit angelegt

Bereits zum Ausklang der Jungsteinzeit (1700 v. Chr.) wurden die ersten Hügelgräber als Großgräber für Einzelgrabbestattungen in der damals offenen Heide um Handeloh angelegt. 200 Jahre später erfolgte die Errichtung weiterer kleinerer Grabhügel. Heute sind die ehemals großräumigen Heiden bis auf geringe Reste anderen Nutzungsformen gewichen.

Die Hügelgräberheide konnte offen erhalten werden, doch durch die Ausbreitung der Spätblühenden Traubenkirsche droht auch sie nun endgültig einem naturfernen Wald zu weichen. „Wer zur Heideblüte an der Fläche vorbeiläuft, kann die Hügelgräbergruppen und die Heide allenfalls noch erahnen. Ein einmaliges Kulturgut droht hier langfristig verloren zu gehen“, befürchtet Dirk Mertens von der VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Denn die Wurzeln der Bäume dringen bis in das Zentrum der Gräber vor.

Heide gezielt unterstützen

Um der Entwicklung Einhalt zu gebieten, wird in den kommenden Wochen mit der Entnahme von ersten Traubenkirschen begonnen. Aufgrund der extremen Aufwuchsdichte und des zu erwartenden hohen Saatgutanteiles im Boden sollen dabei in einem ersten Schritt die dichtesten Bestände zunächst durch einen Forstmulcher möglichst fein zerkleinert werden.

In der Folge wird das Fräsmaterial gemeinsam mit dem Oberboden abgeplaggt, also abgeschoben. Der Hintergrund: „Im Boden unter der organischen Auflage hat sich über Jahrhunderte Heidesaatgut eingelagert, welches über extrem lange Zeiträume keimfähig bleibt. So kann durch das Abplaggen wieder gezielt Heide innerhalb der Flächen aufkommen“, hofft Leonie Braasch vom NLWKN in Hannover.

Immer wieder wurden seltene Vogelarten beobachtet

Das Motiv für die Beteiligung des für den Naturschutz zuständigen Landesbetriebs ergibt sich aus dem naturschutzfachlichen Wert der nicht nur kulturhistorisch bedeutsamen Fläche: Immer wieder wurden hier in der Vergangenheit Schlingnattern und seltene Vogelarten wie der Ziegenmelker in der Dämmerung beobachtet. Im Rahmen des LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ erhält und entwickelt der NLWKN zusammen mit lokalen Partnern Lebensräume europaweit seltener Arten wie der Schlingnatter.

Der erste Schritt der Maßnahme, das Mulchen der Traubenkirschen, findet bewusst nach der Brutzeit, aber vor dem Laubfall statt, um Rücksicht auf andere Straucharten nehmen zu können. Auch die Reptilien sind zu dieser Jahreszeit noch nicht in den dichteren Gehölzbeständen zu erwarten. Ergänzt werden die Plaggmaßnahmen in weniger dichten Bereichen durch gezielte Rodungen von Birken und Traubenkirschen.

Wenn alles klappt, kann Handeloh in zwei bis drei Jahren wieder mit Stolz auf seine Hügelgräberheide verweisen, wenn sich die Heide erholen konnte. Darüber hinaus kann so für den Schutz der Schlingnatter ein weiterer Projektbaustein im Rahmen des LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ in Ergänzung zum nahen „Schlingnatterkorridor“ entlang der Bahnstrecke Handeloh - Wintermoor umgesetzt werden. lz

 

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