Dienstag , 6. Dezember 2022
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Thomas Rieckmann (l.) vom BUND Lüneburg diskutiert mit René Wachs von der Stadtgrün über die Verhältnismäßigkeit des Buschrückschnitts. (Foto: be)

Kritik an Rückschnitt: Grünpflege oder Umweltfrevel?

Wo hört Unterhaltung auf, wo fängt "Naturzerstörung" an? Im Fall des Buschrückschnitts im Park "Hinter dem Moorgarten" prallen die Meinungen aufeinander.

Lüneburg. Immer wieder ist der Grünschnitt an öffentlichen Plätzen ein Reizthema, an dem sich die Gemüter erhitzen: Was dem einen nur verhältnismäßig erscheint, kommt dem anderen einer überbordenden Naturzerstörung gleich. So wie jetzt beim Rückschnitt der Schlehenbüsche im Park „Hinter dem Moorgarten“ rund um den Spielplatz im Lüneburger Stadtteil Jüttkenmoor.

Vor allem abgeholzte Schlehen fallen auf

Mit einer gewissen Fassungslosigkeit registrierte Thomas Rieckmann vom Lüneburger Umweltverein BUND das aufgeschichtete Buschwerk rund um den Spielplatz und spricht von „völlig unnötigen Entastungen und Abholzungen“. Und weiter: „Das ist besonders schädlich, weil die Beeren an den Schlehen noch hängen, die von Vögeln und Menschen noch nicht abgeerntet sind.“ Besonders für Vögel seien die Vitamin-C-reichen Beeren wichtig für die kommende Winterzeit. Und Rieckmann setzt noch einen drauf: „Wenn die Täter zur AGL gehören, muss man sie als Naturzerstörungsorganisation bezeichnen, denn sie sägt seit Jahren an Gehölzen in Lüneburg, wo es nicht nötig ist, aber der Atemluft und dem Klima schadet.“ Tatsächlich war die AGL, die "Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH", am Werk, und die hält hingegen die Kritik für maßlos überzogen.

Lüneburger Stadtgrün weist die Vorwürfe zurück

Der Kritik des Naturschützers tritt auf LZ-Nachfrage René Wachs entgegen. Der stellvertretende Abteilungsleiter der Stadtgrün sagt: „Wir haben rund um den Spielplatz die sogenannten Angst-Ecken, die verbuscht und dunkel waren, durch Rückschnitte freier gestaltet.“ Dadurch sollen auch Spiel- und Bolzflächen für kleinere Kinder offen gehalten werden.

Zudem seien laut Wachs neben Schlehen auch Brombeerbüsche zurückgeschnitten worden, die bereits in den angrenzenden Fahrradweg hineinragten. Er wirbt um Verständnis: „Durch die Brut- und Setzzeit im Frühjahr und Sommer haben wir nur ein begrenztes Zeitfenster, um ins Gehölz zu gehen.“ Wenn beispielsweise jetzt schon Büsche bis an Gehwegskanten heranreichten, sei es ohne Rückschnitt absehbar, „dass uns das im nächsten Sommer wieder vor die Füße fällt“. Und mit Blick auf den Gesamtbestand beerenbehangener Sträucher in dem Parkbereich schätzt Wachs: „Wir haben vielleicht 0,5 bis ein Prozent zurückgeschnitten. Da gibt es noch genügend Ecken für Bürger, Vögel und Insekten, um sich an dem Büfett zu bedienen.“

Von Dennis Thomas

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