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Henrik Rühr aus dem Bereich Gebäudewirtschaft stellte zum Abschluss der aufwendigen Reparatur die Schlaghämmer aller 41 Glocken ein. (Foto: Hansestadt Lüneburg)
Henrik Rühr aus dem Bereich Gebäudewirtschaft stellte zum Abschluss der aufwendigen Reparatur die Schlaghämmer aller 41 Glocken ein. (Foto: Hansestadt Lüneburg)

Das Glockenspiel des Lüneburger Rathauses erklingt wieder

Seit 1956 erfreut das Glockenspiel am Rathaus Bürger und Besucher. Mehr als ein Jahr lang war es nun stumm. Jetzt ist die aufwendige Reparatur abgeschlossen – und Lüneburg hat seine Musik zurück.

Lüneburg. Für Lüneburger und Besucher gehörte es zur akustischen Atmosphäre der Stadt wie der Turmbläser von St. Johannis: Das Glockenspiel am Rathaus. Doch mehr als ein Jahr lang herrschte Stille. Bis jetzt. Henrik Rühr, Mitarbeiter der Hansestadt im Bereich Gebäudewirtschaft, und Ansgar Stolzenburg, Kirchentechniker der Firma Korfhage aus Melle, stellten am Mittwoch gemeinsam die Schlaghämmer der 41 Glocken aus Meißener Porzellan ein. Pünktlich um 18 Uhr waren dann die letzten Arbeiten erledigt, sodass das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ erklingen konnte.

Melodien des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz

Die aufwendige und rund 20.000 Euro teure Reparatur des Glockenspiels, das im Jahr 1956 installiert wurde und dreimal täglich Melodien des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800) spielt, ist nach Angaben der Stadt abgeschlossen. „Wir freuen uns, dass die beliebten Klänge nun wieder zu hören sind“, sagt Lena Westermann aus dem Bereich Gebäudewirtschaft. „Aufgrund der nachts niedrigen Temperaturen werden wir zunächst nur die Mittags- und die Abendmelodien spielen.“ Wenn es zu kalt ist, könnten die Glocken brechen. Solange die Temperaturen tagsüber fünf Grad nicht unterschreiten, soll das Glockenspiel aber zumindest mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr erklingen.

Keine falschen Melodien zur falschen Uhrzeit

Dass die feste Lüneburger Tradition mehr als ein Jahr lang pausieren musste, lag daran, dass die Schäden am Glockenspiel größer waren als angenommen. Im Juli 2020 war klar, dass der alte Spieltisch nicht mehr instand zu setzen ist und durch eine elektronische Steuerung ausgetauscht werden muss, damit keine falschen Melodien zur falschen Uhrzeit erklingen. Und auch die Turmuhr beziehungsweise deren Uhrwerk musste repariert werden, weil die Uhr witterungsbedingt mal schneller und mal langsamer gelaufen war. Die neu eingebaute Pendelsteuerung im mechanischen Uhrwerk kann diesen Fehler nun korrigieren.

Umstellung auf Sommer- und Winterzeit erfolgt nun automatisch

Die alte Mechanik, die die Uhr antreibt, konnte dabei erhalten bleiben. „Wenn wir die Möglichkeit haben, etwas so Historisches in seiner ursprünglichen Form in Gang zu bringen, sollten wir das auch tun“, sagt Lena Westermann und fügt hinzu: „Das passt einfach zum Charme unseres Rathauses.“ Zudem erhält die Steuerung ein Funkmodul, sodass die Umstellung auf Sommer- beziehungsweise Winterzeit nun automatisch erfolgt.

Die alte Steuerung verbleibt als Zeitzeuge

Während die Steuerung der Turmuhr mechanisch bleibt, hatte das Glockenspiel bereits zuvor eine elektronische Steuerung: 41 rote Drucktasten, verteilt auf zwei Reihen. Diese sind nach der Reparatur überflüssig und werden durch einen Schaltschrank sowie ein Touchpad ersetzt, über das die Glocken angeschlagen werden. „Aber die alte Steuerung verbleibt als Zeitzeuge hier“, betont Westermann. Gleiches gilt auch schon für das alte Bandspielgerät und den alten Glockenspieltisch. lz

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