Dienstag , 6. Dezember 2022
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Prüfungsstau beim Führerschein: TÜV Nord will in der Region Lüneburg zum Jahresbeginn 2022 wieder den Normalbetrieb erreichen. Dazu sollen Mitarbeiter anderer Bereiche bei den theoretischen Prüfungen einspringen. (Foto: AdobeStock)
Prüfungsstau beim Führerschein: TÜV Nord will in der Region Lüneburg zum Jahresbeginn 2022 wieder den Normalbetrieb erreichen. Dazu sollen Mitarbeiter anderer Bereiche bei den theoretischen Prüfungen einspringen. (Foto: AdobeStock)

Fahrprüfungen: TÜV will ab 2022 wieder zum Normalbetrieb

Fahrschülerinnen und Fahrschüler sollen durch Umschulungs-Maßnahmen beim TÜV wieder schneller zu ihrem Führerschein kommen. In der Region Lüneburg will man zum Jahresbeginn 2022 wieder den Normalbetrieb erreichen.

Lüneburg. „Mir fehlen in der Woche 30 bis 35 Prüfungstermine“, sagt Bernd Rauh, Chef der Fahrschule XXL. Noch, sagt er, hat sich die Situation rund um die Führerscheinprüfung nicht verbessert. Denn durch Corona gibt es einen Stau an Prüfungen, mindestens zwei Monate fanden in der Pandemie keine statt – mit der Folge, dass Fahrschüler jetzt oft wochenlang auf einen Termin warten müssen.

Durch Umschulungen: mehr Zeit für praktische Führerscheinprüfungen

Nun will der TÜV Nord, der in der Region die Prüfungen abnimmt, aber nachjustieren. Der Plan: TÜV-Mitarbeiter anderer Bereiche sollen für den Prüfungsbereich umgeschult werden und bei den theoretischen Prüfungen unterstützen, damit die ausgebildeten Kollegen sich vermehrt auf die praktischen Führerscheinprüfungen konzentrieren und hier mehr Termine realisieren können.

Vom TÜV Nord heißt es: „Erhöhte Personalausfälle und krankheitsbedingte Terminabsagen bei Bewerbern, Fahrlehrern und auch Prüfern führten und führen nach wie vor zu kurzfristig nicht nutzbaren Kapazitäten und daraus resultierenden zusätzlichen Terminverschiebungen.“ Auch zusätzliche Wiederholungsprüfungen durch gestiegene Nichtbestehens-Quoten in Verbindung mit dem saisonbedingten Anstieg der Zweiradprüfungen hätten zu einer nicht planbaren Verschärfung der Gesamtsituation geführt.

Mehrere Maßnahmen, um den Prüfungsbedarf zu decken

Aber: „Um den gesteigerten Prüfplatznachfragen gerecht zu werden, haben wir interne Maßnahmen ergriffen, um in absehbarer Zeit einen Normalbetrieb zu erreichen.“ Diese seien:

  • Ausschöpfung sämtlicher Dispositionsmöglichkeiten bei der täglichen Arbeitszeit
  • Einsatz von Mehr- und Samstagsarbeit bei Fahrerlaubnisprüfern
  • Verschiebung bereits zugesagter Urlaubszeiten
  • Personalausleihe aus anderen Arbeitsgebieten, etwa Fahrzeugprüfungen

„Die Ausnahmegenehmigung gibt uns die Möglichkeit, weitere Personen im Bereich Fahrerlaubnisprüfungen einzusetzen, so dass wir im Zusammenwirken mit den weiteren Maßnahmen auch in der Region Lüneburg zum Jahresbeginn 2022 wieder den Normalbetrieb erreichen wollen“, heißt es vom TÜV Nord.

Dieter Quentin, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Niedersachsen, begrüßt den Umschulungs-Plan, den er selbst mit angeregt hat. „Wie viel das am Ende bringt, kann man jetzt noch nicht pauschal sagen, aber das ist natürlich eine positive Entwicklung. Allerdings hätte man früher beginnen müssen, den Rückstau abzubauen.“

Wartezeiten auch noch in einigen Straßenverkehrsämtern

Gründe für den Rückstau gibt es allerdings auch an anderer Stelle. Etwa bei den Erste-Hilfe-Kursen, die für den Führerschein notwendig sind und die im Lockdown auch teils ausfielen. Und, wie Dieter Quentin ergänzt: „In einigen Straßenverkehrsämtern in Niedersachsen müssen Fahrschullehrer und -Schüler immer noch sehr viel Geduld aufbringen, sowohl um einen Prüfantrag zu stellen, als auch um am Ende den Führerschein abzuholen. Hier könnte langsam die Kapazität wieder hochgeschraubt werden.“

Fahrlehrerin: Nur so viele Fahrschüler aufnehmen, wie auch bedient werden können

Keine Probleme mit Wartezeiten hat Heidrun Streicher von der Fahrschule Böckmann in Adendorf. Sie sieht das Versäumnis auch bei einigen der Fahrschulen liegen. „Viele der größeren Fahrschulen nehmen deutlich mehr Fahrschüler auf, als sie bedienen können. Das ist unfair gegenüber den Schülern – und es ist auch unfair, hier nur dem TÜV die Schuld zu geben.“ Sie habe wir in der Regel drei Führerscheinprüfungen in der Woche, und die konnten auch fast immer stattfinden. „Nur ganz selten wurde mal eine Prüfung um eine Woche verschoben, aber das liegt noch sehr im Rahmen“, sagt Heidrun Streicher. In der Fahrschule werden ausschließlich Intensiv-Kurse angeboten. Dass sich mehr Fahrschüler anmelden als früher, sei generell eine positive Entwicklung. Darauf zu reagieren sei aber nur Stück für Stück möglich. Eine neue Fahrlehrerin sei gerade fertig ausgebildet worden.

Dieter Quentin sagt hingegen: „Man muss den Fahrschülern natürlich mitteilen, dass es derzeit Wartezeiten gibt. Aber sie deshalb nicht anzunehmen, das passt nicht zusammen.“

Noch ist nicht klar, wann die umgeschulten TÜV-Mitarbeiter bei den Führerscheinprüfungen einspringen können. Eine Weile müssen sich angehende Autofahrerinnen und Autofahrer wohl aber noch in Geduld üben.

Von Laura Treffenfeld

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