Montag , 5. Dezember 2022
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„Schluss mit (inhalts)leeren Gipfeltreffen“, fordern die Studentinnen Lisa Steinwandel und Stella Eick. (Foto: t&w)
„Schluss mit (inhalts)leeren Gipfeltreffen“, fordern die Studentinnen Lisa Steinwandel und Stella Eick. (Foto: t&w)

Lüneburger wollen in Glasgow das Klima retten

Auf der Weltklimakonferenz in Schottland kommen ab Sonntag Staats- und Regierungschefs von fast 200 Ländern zusammen, um zu verhandeln, wie das 2015 in Paris formulierte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Mit am Verhandlungstisch werden die Lüneburger Stella Eick und Lisa Steinwandel sitzen. Sie wollen der Jugend eine Stimme geben.

Lüneburg. Ab Sonntag blickt die ganze Welt nach Glasgow: Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen, der COP26, kommen Staats- und Regierungschefs von fast 200 Ländern zusammen, um über die Eindämmung des menschengemachten Klimawandels zu beraten. Fast zwei Wochen lang verhandeln sie, wie das 2015 in Paris formulierte Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Mit am Verhandlungstisch werden auch die Lüneburger Stella Eick und Lisa Steinwandel sitzen.

Als Mitglieder der Klimadelegation, einer gemeinnützigen Organisation aus 50 jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren, wollen sie als Stimme der Jugend für globale Klima- und Generationengerechtigkeit einstehen. „Wir schauen den Entscheidern auf die Finger. Sie sollen nicht das Gefühl haben, sie seien unbeobachtet“, sagen die der Umweltwissenschaften. In Glasgow möchten sie mit der deutschen und europäischen Delegation und anderen Politikern in Kontakt treten, um sie in den Verhandlungen zu beeinflussen. Durch Protestaktionen für einen früheren Kohleausstieg wollen sie Druck auf die Koalitionsverhandlungen ausüben und international deutlich machen: „Deutschland ist kein Vorreiterland.“

Dem Klimakampf das Leben widmen

Erst vor wenigen Tagen haben die Vereinten Nationen ihre Mitgliedsstaaten gewarnt, dass mit den vorgestellten Plänen zur CO2-Reduktion weltweit allenfalls eine Begrenzung der Erderwärmung auf 2,7 Grad zu schaffen ist. Stella Eick macht das fassungslos: „Ich glaube, den Menschen ist nicht bewusst, was das für unsere Erde bedeutet. Bei einer Steigung auf 2 bis 3 Grad wäre der afrikanische Kontinent bereits unbewohnbar.“ 2019 kam Eick aus einer hessischen Kleinstadt fürs Studium nach Lüneburg. Als sie sich dann der hiesigen „Fridays for Future“-Gruppe anschloss, wurde der 22-Jährigen klar: „Ich möchte dem Klimakampf mein Leben widmen.“ Ihre Kommilitonin Lisa Steinwandel ist bereits seit Dezember 2018 Teil der jungen Klimabewegung. Als Mitglied des Orga-Teams hat sie die Lüneburger Ortsgruppe von Anfang an mit aufgebaut. Die 24-Jährige hat schon vor zwei Jahren an dem Weltklimagipfel in Madrid teilgenommen. „Das Ergebnis war leider total frustrierend“, sagt Steinwandel rückblickend. „Das Problem ist, dass zwischen den Ländern ein Konsens bestehen muss. Deshalb sind die Prozesse so langwierig.“

Dass die Konferenz im letzten Jahr wegen Corona ausfallen musste, kritisieren die beiden: „Klimapolitik kann man nicht einfach aufschieben.“ Vom diesjährigen Klimagipfel erhoffen sie sich, zu verstehen, wie die Entscheidungsprozesse ablaufen. Besonders die Perspektive der Politiker ist für sie interessant. „Ich möchte verstehen, warum nichts passiert“, sagt Eick.

Mit dem Zug statt mit dem Flugzeug

Für die Reise nach Schottland wollen Eick und Steinwandel den Zug nehmen. Doch obwohl die 19-stündige Fahrt über Brüssel und London deutlich länger und auch teurer ist, sind sich beide einig: „Fliegen ist für uns überhaupt keine Option.“ Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwierig, in Glasgow kommen sie nun bei einer Gastfamilie unter. Doch sie freuen sich: „So ist die ganze Stadt involviert.“

Seit drei Monaten bereiten sich beide intensiv auf die Klimakonferenz vor. Podiumsdiskussionen planen, Forderungen verfassen, Reden schreiben. Das alles nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch. „Ich hoffe, dass ich bestärkt aus der Konferenz gehe, damit ich nicht ausbrenne, sondern weiter machen kann“, sagt Steinwandel.

In Glasgow wollen sie sich nun mit anderen Klimaaktivisten vernetzen. Besonders freuen sie sich darauf, Gleichgesinnte aus aller Welt, die sie bisher nur von Instagram kannten, auch endlich einmal persönlich zu treffen und zu erfahren, wie sie den Klimawandel in ihrem Land erleben. Eick ist sich sicher: „Das wird eine unvergessliche Erfahrung. Davon können wir noch unseren Enkelkindern erzählen.“

Von Anna Hoffmann

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