Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Dennis Poblocki aus Amelinghausen (l.) und Thomas Werner aus Bardowick
Dennis Poblocki aus Amelinghausen (l.) und Thomas Werner aus Bardowick haben gemeinsam das Unternehmen CovidZert gegründet. (Foto: privat)

Ein Zertifikat für den Selbsttest

Wer einen negativen Corona-Test braucht, muss dafür seit dem 11. Oktober zwischen 10 und 20 Euro zahlen und meist einen Umweg zu einer Teststation auf sich nehmen. Das muss günstiger und einfacher gehen, dachte sich Thomas Werner aus Bardowick – und gründete ein Unternehmen, das Selbsttests zertifiziert.

Bardowick. Der Ansturm ist enorm: Rund 17.000 Anfragen zählt Thomas Werner (60) in einem dreitägigen Zeitraum, im Schnitt bearbeiten der Bardowicker und seine drei Mitstreiter 5000 solcher Anfragen am Tag, davon etwa 3000 Zertifikate und 2000 Neuanmeldungen. Was hinter diesen Zahlen steckt: Menschen, die einen Covid-Selbsttest durchgeführt haben und für diesen ein offizielles Zertifikat erhalten möchten. Werner hat gemeinsam mit Dennis Poblocki (31) aus Amelinghausen das Unternehmen "Covidzert" gegründet, das diesen Service bietet.

18 Stunden am Tag im Einsatz

"Moment, ich muss das Zertifikat gerade noch zu Ende prüfen", sagt Thomas Werner zu Beginn des Telefonats mit der LZ. "So", vermerkt er kurz darauf: "jetzt bin ich bei Ihnen." 18 Stunden am Tag arbeitet der 60-jährige Unternehmensberater die eingereichten Tests ab, prüft sie auf ihre Richtigkeit und stellt entsprechende Zertifikate aus. Denn sein Anspruch ist neben der Gründlichkeit vor allem die Schnelligkeit: Die Bearbeitungszeit eines Tests dauere im Schnitt fünf Minuten, "ich glaube länger als 20 hat noch kein Kunde auf sein Zertifikat gewartet".

Warum er das als Chef des Unternehmens selbst macht? "Das bleibt nicht aus. Wir machen das seit drei Monaten kostenfrei und jetzt fehlt uns das Personal." Unterstützung bekommen er und Poblocki von ihren Frauen. "Wenn nun etwa 1000 Nutzer für unseren Service zahlen, können wir uns vielleicht auch ein, zwei Mitarbeiter leisten."

23,90 Euro im Jahr für unbegrenzt viele Zertifikate

Denn seit Anfang dieser Woche kostet die Zertifizierung 23,90 Euro – pro Jahr und für eine unbegrenzte Anzahl an Zertifikaten. "Das ist im Moment gerade mal kostendeckend", erklärt Werner und fügt hinzu: "Wir arbeiten aber auch nicht für Gewinnmaximierung, wir machen das aus Leidenschaft und weil eine Idee dahinter steckt, für die wir brennen."

Die Idee: Die Zertifizierung eines Corona-Tests so unkompliziert und günstig wie möglich zu gestalten, damit sich auch Geimpfte und Genesene weiterhin regelmäßig testen. "Wir alle sind geimpft und trotzdem testen wir uns fast täglich, einfach um ein gutes Gefühl zu haben und sagen zu können: Heute bin ich virusfrei", erklärt Werner. Um solchen Menschen zusätzlich einen Beweis für ihren korrekt durchgeführten Selbsttest geben zu können, wurde das Unternehmen entwickelt. Jedoch können auch Menschen, die nicht geimpft, und auf einen Test angewiesen sind, den Service nutzen.

Nicht jeder akzeptiert die Selbsttest-Zertifikate

Allerdings liegt es im Ermessen etwa jedes Gastronomen, Kinobetreibers oder den Kirchenvorständen, ob diese Zertifikate tatsächlich anerkannt werden. "Da greift das Hausrecht", erklärt Werner. "Wir können nicht prophezeien, wer das akzeptieren wird und wer nicht. Was wir aber sagen können, ist, dass es in drei Monaten nur einen einzigen Fall gab, bei dem das Zertifikat nicht akzeptiert wurde."

Um herauszufinden, wo die Zertifikate anerkannt werden und wo nicht, müsste Werner "theoretisch jedes einzelne Unternehmen abtelefonieren". Das sei nicht leistbar, tatsächlich habe er aber "alle Präsidenten aller Universitäten angefragt, ob sie unsere Zertifikate anerkennen wollen". Werner wäre sogar bereit gewesen, den Service für die Hochschulen kostenlos anzubieten, da er der Überzeugung ist, dass es für alle Beteiligten der beste Weg ist. Jedoch herrsche an den Unis "Schweigen im Walde" – "das Feedback lag nicht mal bei zehn Prozent".

So funktioniert's

Dabei sei das Prozedere nicht nur günstiger, sondern auch denkbar einfach, betont der Bardowicker: Zunächst muss man sich unter www.covid-zert.de anmelden und in einem Formular einmalig seine Kontaktdaten hinterlassen. Dann wird man aufgefordert den Test durchzuführen und bekommt eine einmalige ID-Nummer zugeteilt, die man mit Permanent-Marker auf den Test schreiben muss. Dadurch werde überprüft, dass jeder Test nur einmal eingereicht wird.

Schließlich muss der Nutzer den Test auf ein Stück Papier legen, seinen Namen sowie das tagesaktuelle Datum auf den Zettel schreiben und ein Foto davon machen. Das muss schließlich mit dem Formular an Covidzert geschickt werden. Dort kontrollieren Werner und seine Kollegen im Vier-Augen-Prinzip jeden einzelnen Test, überprüfen die Metadaten der Fotos, um sicherzustellen, dass diese tatsächlich am angegebenen Tag und zur angegebenen Uhrzeit aufgenommen wurden.

Zum Teil kommt es auf Vertrauen an

Der Vorgang entspricht den Nachweisrichtlinien, die in der EU gelten, das Unternehmen wurde bereits zertifiziert. Dass ein Selbsttest falsch durchgeführt wird, sei fast auszuschließen, so der Bardowicker: "Wir haben das zu Beginn getestet und die Tests extra falsch gemacht: Es kamen immer ungültige Ergebnisse raus."

Nur an einer Stelle muss Werner auf Vertrauen setzen: Ob der Test tatsächlich von der Person durchgeführt wurde, die ihn einschickt, lasse sich nicht überprüfen. "Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass ein Deutscher einen Test, den er gekauft hat, auch wirklich selbst benutzt."

Von Lilly von Consbruch

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.