Sonntag , 4. Dezember 2022
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Aktion "Du darfst es sagen!"
Sie stehen hinter der Aktion "Du darfst es sagen!" (v.l.): Kathrin Richter, Moderatorin des Runden Tisches gegen Gewalt in der Familie, Hans-Peter Subel, Vize-Präsident des Rotary Clubs Lüneburg-Hanse, Eleonore Tatge, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, und Martina Heinecke vom Rotary Club Lüneburg-Hanse. (Foto: t&w)

Wenn Kinder von Gewalt betroffen sind

Es sind keine Einzelfälle: Kinder, die geschlagen werden, von psychischer Gewalt betroffen sind oder mit ansehen müssen, dass ihre Mutter vom Vater oder Partner geprügelt wird. Viele von ihnen lernen aber, dass sie auf keinen Fall über die Gewalt in der Familie reden dürfen. Die Kampagne "Du darfst es sagen!" will Kinder ermutigen, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Lüneburg. Es sind keine Einzelfälle: Kinder, die geschlagen werden, von psychischer Gewalt betroffen sind oder mit ansehen müssen, dass ihre Mutter vom Vater oder Partner geprügelt wird. Viele von ihnen lernen aber, dass sie auf keinen Fall über die Gewalt in der Familie reden dürfen. Die Folge: Aus den Opfern werden häufig selber Täter. "Wir möchten diese Spirale der Gewalt durchbrechen und Kindern Mut machen, darüber zu sprechen", sagt Eleonore Tatge, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Lüneburg. In Kooperation mit dem Kriminalpräventionsrat (KPR) und der Polizei wurde jetzt die Kampagne "Du darfst es sagen!" angeschoben, unterstützt wird sie vom Rotary Club Lüneburg-Hanse.

Raus aus der Gewaltspirale

Rund 700 Fälle von häuslicher Gewalt, die sich gegen Kinder richtet, sind der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen pro Jahr bekannt. Doch die Dunkelziffer sei 10- bis 20-mal so hoch, berichtet Tatge. Die Corona-Pandemie hinterlasse zusätzlich massive Spuren bei Kindern, die Gewalt habe infolge noch einmal um zehn Prozent zugenommen. Viele Kinder treten den Rückzug nach innen an – auch weil ihnen deutlich gemacht wird, dass sie das Thema nicht ansprechen dürfen. Bauchschmerzen oder Schlafprobleme sind zum Beispiel die Folge. Aber es gebe auch die, die die Aggression nach außen tragen, prügeln oder selbst erfahrene Psycho-Strategien anwenden. "Bekannt ist auch, dass Kinder wahrnehmen und darunter leiden, wenn Mütter in der Familie Gewalt erleben."

Infos über Anlaufstellen für Beratung

Das gemeinsame Projekt beinhaltet die wichtige Botschaft für Kinder "Du darfst es sagen!" Es ist ein Angebot, und es soll aufzeigen, dass auch andere Kinder von Gewalt betroffen sind. Mit Plakaten und Postkarten soll in Stadt und Landkreis Lüneburg darauf aufmerksam gemacht werden, dass es über die Beratungsstelle Klippo sowie die Nummer gegen Kummer (beides Kinderschutzbund) Hilfe gibt – vertraulich und anonym nimmt man sich dort der Probleme an. Dazu wurde auch die von dem Kriminalpräventionsrat betriebene Homepage www.gegen-gewalt-in-der-familie.de neu gestaltet. Deutlich wird dort auch gemacht: Es ist nicht Schuld eines Kindes, wenn es von Prügel oder Psycho-Gewalt wie Schweigen betroffen ist.

Videos für die 2. Schulklassen

Um das Angebot dorthin zu bringen, wo es möglichst früh präventiv wirken kann, soll in den 2. Schulklassen in Stadt und Kreis informiert werden. "Wir werden dazu Videos zeigen, die Gewaltsituationen verdeutlichen und aufzeigen, wo und wie es Hilfe gibt, wenn Kinder die Probleme zur Sprache bringen", erklärt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Kai Lührs von der Polizeipräventionspuppenbühne hat die Videos erstellt.

Der Rotary Club Lüneburg-Hanse unterstützt bereits seit mehreren Jahren Projekte des Kinderschutzbundes. Für die jetzige Aktion wurden nicht nur 2500 Euro bereitgestellt, sondern Mitglieder setzen sich auch dafür ein, dass die Plakate mit der Klippo-Nummer zum Abreißen in Praxen, Geschäften sowie in Schulen ausgelegt werden, wie Martina Heinecke und Hans-Peter Subel von der Serviceorganisation verdeutlichen.

Die Beratungsstelle Klippo ist zu erreichen unter (04131) 223966.

Von Antje Schäfer

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