Mittwoch , 30. November 2022
Anzeige
Frederik und Alexandra Nienau sowie ihre Kinder Theresa und Johann
Frederik und Alexandra Nienau sowie ihre Kinder Theresa und Johann erfreuen sich jedes Jahr an den Schwalben, die zu ihnen auf den Hof kommen. (Foto: Landkreis Lüneburg)

Ein Herz für Schwalben

Schwalben fehlen zunehmend Nistmöglichkeiten. Doch es gibt auch in Stadt und Landkreis Lüneburg Menschen, die ein Herz für die Vögel haben und ihnen Nistplätze rund um ihr eigenes Zuhause bieten. Dafür wurden sie jetzt ausgezeichnet. Eine Familie aus Wennekath zählte auf ihrem Hof gar mehr als hundert Nester.

Lüneburg. Sie haben sich in diesem Jahr besonders gastfreundlich gezeigt: Bei der Aktion „Schwalben willkommen“ haben mehr als hundert Bürger aus dem Landkreis Lüneburg über den Sommer Mehl-, Ufer- und Rauchschwalben einen Nistplatz am eigenen Haus geboten. Jetzt zeichnete Landrat Jens Böther die Teilnehmer für dieses Engagement aus. Bei einem Empfang in der Ritterakademie lobte er den vorbildlichen Einsatz für den Artenschutz und überreichte den Vogelfreunden die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus 2021“.

Die Kreisverwaltung hatte die Aktion „Schwalben willkommen“ zum 14. Mal organisiert. Ziel ist es seit jeher, den Erhalt der bedrohten Vögel zu sichern. Dass die Schwalben in Gefahr sind, hat verschiedene Gründe. Neben wechselnden Umwelteinflüssen und natürlichen Fressfeinden sind besonders die neuen Bauweisen von Häuserfassaden für die Vögel ein Problem. An den glatten Wänden können sie ihre Nester nur schwer befestigen. Zudem werden natürliche Bodenflächen immer häufiger versiegelt. Dort finden die Schwalben normalerweise lehmiges Material, welches sie dringend für den Nestbau benötigen.

Seit vielen Jahren bei der Aktion dabei

Auf dem Hof von Familie Nienau aus Wennekath sind genug Lehmpfützen vorhanden. Vater Frederik, Mutter Alexandra, die achtjährige Theresa und der fünfjährige Johann haben sich schon häufig an der Nistplatzaktion des Landkreises beteiligt. 2012 hatten die beiden Eltern aus der Zeitung davon erfahren. Seitdem waren sie Jahr für Jahr dabei – aus gutem Grund, denn in jedem Sommer bekommt die vierköpfige Familie für einige Monate zwitschernden Zuwachs. „Wir hatten in diesem Jahr mehr als einhundert Schwalbennester auf dem Hof, das ist echt der Wahnsinn“, sagt Frederik Nienau lachend. „In schlechten Jahren waren es trotzdem immer mindestens 80“, ergänzt seine Frau.

Gestört fühlen sie sich durch die Vögel, die es sich besonders gerne am ehemaligen Bullenstall gemütlich machen, nicht. „Die Schwalben waren schon immer da“, erklärt der Landwirt. „In dem Stall leben schon lange keine Nutztiere mehr, die Schwalben sind aber immer geblieben.“

Familie beobachtet Vögel beim Bau

In der warmen Jahreszeit sitzt die Familie häufig auf der Terrasse beim Kaffeetrinken und beobachtet die Tiere. „Wir können dann sehen, wie sie aus den Pfützen das Baumaterial für die Nester holen“, berichtet Alexandra Nienau. Ihr Mann ist besonders von Geschwindigkeit und Navigation der gefiederten Gäste begeistert. „Die Schwalben sind solche Flugkünstler, das ist unglaublich“, sagt er.

Bei der Veranstaltung in der Ritterakademie war Familie Nienau dabei. Nachdem der Landkreis den Empfang 2020 noch absagen musste, haben sich dieses Mal wieder mehr als 70 Menschen unter Einhaltung der 2G-Regel in der Halle eingefunden. „Sie waren hervorragende Gastgeber für Ihre gefiederten Freunde, die einmal im Jahr für eine geraume Zeit zu Besuch kommen“, lobte Landrat Jens Böther. lz

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.