Freitag , 2. Dezember 2022
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Er zählt zu den beliebtesten Hunderassen: der Labrador-Retriever. (Foto: AdobeStock)

Mehr Hunde in Lüneburg

2627 Hunde sind in der Stadt Lüneburg gemeldet – Tendenz steigend. Labrador Retriever, Golden Retriever und Jack Russel Terrier stehen in der Beliebtheitsskala ganz oben. Doch was passiert eigentlich mit dem Geld, dass die Hundesteuer ins Stadtsäckel spült?

Lüneburg. Seit vielen Jahren ist Lüneburg Zuzugsregion. Die Zahl der Einwohner in der Hansestadt steigt von Jahr zu Jahr. Doch Lüneburg legt nicht nur bei den Zweibeinern zu: Es gibt auch mehr Hunde als noch vor Jahren.

2627 Hunde sind aktuell bei der Stadtverwaltung registriert. Die drei beliebtesten Rassen sind dabei Labrador Retriever, Golden Retriever und Jack Russel Terrier. Die Zahl der bellenden Vierbeiner habe in den vergangenen Jahren zugenommen, zum Vergleich nennt das Rathaus den Wert aus dem Jahr 2013, als es 2400 Hunde waren. Doch im Vergleich zur benachbarten, deutlich größeren Hansestadt ist der Anstieg vergleichsweise moderat. Denn in Hamburg war die Zahl der gemeldeten Steuerkonten von Hundehaltern binnen 15 Monaten zuletzt von 53.500 auf 59.106 geradezu sprunghaft gestiegen. Hinter jedem dieser Konten steht ein Halter, der einen oder mehrere Hunde angemeldet hat. Im offiziellen Hunderegister seien dort knapp 89.000 Tiere verzeichnet, wurde jüngst im Senat verkündet.

Die Vermutung: Es gibt einen Zusammenhang mit Corona

Auch wenn es dafür keinen Beleg gibt, lag der Verdacht nahe, dass es einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geben könnte. Des Menschen bester Freund quasi als Ersatz für die reduzierten Sozialkontakte. Für Lüneburg lässt sich anhand der Zahlen allerdings keine solche Tendenz erkennen, ein Einfluss von Corona ist nicht auszumachen.

Zurück zu Lüneburg. Die Vierbeiner spülen auch Geld in die Kasse der Stadt. Für den ersten Hund sind 96 Euro Steuer pro Jahr fällig, für den zweiten Hund 144 Euro, für jeden weiteren Hund 192 Euro und für jeden gefährlichen Hund laut Satzung der Stadt 680 Euro. Welcher Hund als gefährlich eingestuft wird, werde beim sogenannten Wesenstest entschieden, heißt es aus dem Rathaus.

Instrument gegen einen unkontrollierten Anstieg

Aktuell fließen rund 260.000 Euro im Kalenderjahr in die Schatulle der Stadt – 40.000 Euro mehr als zum Beispiel 2013. Was passiert mit dem Geld? Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel klärt auf: "Die Hundesteuer ist eine Gemeindesteuer und soll dafür sorgen, dass die Zahl der Hunde in der Hansestadt nicht unkontrolliert steigt. Die Steuereinnahmen sind nicht zweckgebunden und fließen in den allgemeinen städtischen Haushalt. Aus diesem großen Topf werden dann aber natürlich auch die Spender mit Tüten für den Hundekot finanziert." 83 dieser Tüten-Boxen gibt es derzeit im Stadtgebiet, die städtische Tochtergesellschaft AGL betreut sie und füllt sie regelmäßig auf.

Doch nicht jeder Hundehalter ist so gewissenhaft und hält sich an die Vorgabe, die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners auch zu beseitigen – sehr zum Ärgernis aller anderen. Wer dabei erwischt wird, kann mit einem saftigen Bußgeld belegt werden. Strafen von 50 bis 1000 Euro seien hier möglich, macht Jenckel deutlich, räumt aber auch ein, das dies wohl eher theoretischer Natur ist, denn solche Bußgelder würden nur selten verhängt. "Es sind nur Einzelfälle, da es in den seltensten Fällen nachzuweisen ist. Der Ordnungsamtsmitarbeiter müsste dabei sein, wenn der Hund sein Geschäft verrichtet und dann beobachten, wie der Hundehalter weggeht, ohne den Kot zu entfernen."

Nachweis eines Verstoßes ist schwierig

Was aber, wenn man Zeuge eines solchen Vorfalls wird und den Halter möglicherweise kennt und darauf anspricht, der das aber ignoriert – hätte in diesen Fällen eine Meldung bei der Verwaltung Folgen? Ann-Kristin jenckel sagt: "Das kann natürlich vorkommen und würde dann selbstverständlich auch verfolgt werden. Wobei es auch hier schwierig wäre, den Verstoß nachzuweisen. Es ist schon vorgekommen, dass uns ein Verstoß gemeldet wurde, aber sehr selten."

Ähnlich verhält es sich offenbar auch mit Bußgeldern, die möglich wären, wenn Hunde nicht gemeldet sind. Die Stadtpressesprecherin: "Auch hier ist es so, dass das in den seltensten Fällen nachzuweisen ist beziehungsweise nur durch Zufälle aufgedeckt werden kann. In jüngster Zeit wurde hier kein Bußgeld verhängt."

Das Tierheim ist voll

Im Lüneburger Tierheim sind aktuell 30 Hunde untergebracht – neben 90 Katzen und einem Dutzend Kleintieren. Zwar gibt es Platz für bis zu 34 Hunde, doch Tierheimchefin Franziska John sagt: "Wir sind brechend voll. Denn wir müssen immer einige Plätze freihalten für spontane Aufnahmen. " Das sind Fälle, wenn zum Beispiel ein Hund einem Halter von Amts wegen weggenommen werden muss oder Fundtiere abgegeben werden.

Einen Einfluss von Corona auf die Zahl der Hunde könne sie nicht erkennen, sagt die Leiterin der Einrichtung an der Bockelmannstraße: "Wir können jedenfalls nicht feststellen, dass Hunde bei uns abgegeben werden, weil der Halter jetzt plötzlich keine Zeit mehr für das Tier hat." Stattdessen sei bei einer Abgabe fast immer der Hintergrund, dass der Halter und/oder dessen Familie mit dem Tier überfordert ist, etwa wenn der Hund ein Kind gebissen hat.

Von Alexander Hempelmann

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