Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die Impfpflicht für Pflegekräfte und klinisches Personal soll kommen. Die Konsequenzen bereiten betroffenen Einrichtungen aus Lüneburg Sorgen. (Foto: be)
Die Impfpflicht für Pflegekräfte und klinisches Personal soll kommen. Die Konsequenzen bereiten betroffenen Einrichtungen aus Lüneburg Sorgen. (Foto: be)

Sorge vor Fachkräftemangel

Bund und Länder waren sich bei ihrem letzten Treffen einig: Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter sollen zu einer Corona-Impfung verpflichtet werden. Auch in Lüneburg wird dieses Vorhaben weitestgehend begrüßt. Doch es bleibt die Sorge vor möglichen Konsequenzen.

Lüneburg. Die neue niedersächsische Corona-Verordnung soll am Dienstag in Kraft treten und deutlich schärfere Regeln wie 2G- und 2G-Plus-Vorgaben enthalten. Darüber hinaus soll eine Impfpflicht für Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter eingeführt werden. In Lüneburg wird dieses Vorhaben zwar weitestgehend positiv aufgenommen, doch die Sorge vor den Konsequenzen bleibt.

Impfung und Berufsethik gehören zusammen

Das oberste Gebot sei es, schutzbedürftige Personen nicht unnötiger Gefahr auszusetzen. Gerade in der Pflege sei die Corona-Impfung deshalb unabdingbar, betont die Oberin Elisabeth Gleiß von der DRK Augusta-Schwesternschaft Lüneburg. Sich freiwillig für die Impfung zu entscheiden, hänge für sie eng mit der Berufsethik zusammen: "Ich verstehe überhaupt nicht, warum man auf der einen Seite Menschen helfen will, sich auf der anderen Seite aber nicht impfen lassen will", macht sie ihrem Ärger Luft und fügt hinzu: "Jeder der in der Pflege arbeitet, sich aber nicht impfen lassen will, muss sich fragen, warum er dort überhaupt noch ist." Gleiß würde es deshalb zwar bevorzugen, wenn sich die Mitarbeiter freiwillig impfen lassen, "wenn die Menschen das aber nicht verstehen, dann bin ich für die Impfpflicht."

Schon jetzt kaum ausreichend Personal

Ähnlich sieht das Dr. Torsten Kucharzik, ärztlicher Direktor des Klinikums. "Ich bin dafür, dass alle Mitarbeiter des Klinikums geimpft sind", sagt er. Wenn das auf freiwilliger Basis nicht umsetzbar sei, halte er eine Impfpflicht für "durchaus vertretbar". Zwar habe das Klinikum bisher nicht abgefragt, wie viele Mitarbeiter bereits geimpft sind, Kucharziks gefühlte Wahrnehmung sei jedoch, dass der Großteil ohnehin bereits immunisiert ist.

Dennoch besteht durchaus die Sorge, dass eine Impfpflicht einen größeren Verlust von Fachkräften mit sich ziehen könnte. "Natürlich könnte das dazu führen, dass sie sich einen anderen Arbeitsplatz suchen. Aber das kann und will ich mir nicht vorstellen. Schließlich arbeiten wir ohnehin am Limit, was das Personal angeht."

Ansteckungsgefahr schlimmer als Kündigungen

In dem Seniorenheim der Schwesternschaft sind noch etwa 20 Prozent der Mitarbeiter ungeimpft. Auch für die Oberin Elisabeth Gleiß wären die möglichen Konsequenzen einer abgelehnten Impfpflicht "schrecklich": "In der jetzigen Situation wären Kündigungen schlimm", sagt sie, betont jedoch sogleich: "Noch schlimmer wäre es allerdings, wenn die Ungeimpften andere anstecken. Ich komme jeden Tag mit dieser Angst zur Arbeit."

verdi gegen Impfpflicht

Die Gewerkschaft verdi positioniert sich klar gegen eine Impfpflicht in der Pflege und dem Gesundheitswesen. Die Impfquote sei im Verhältnis zum Durchschnitt der Bevölkerung sehr hoch, betont Robert Kirschner, Verdi-Gewerkschaftssekretär aus Lüneburg. "Wenn jetzt über eine Impfpflicht nachgedacht wird, führt das nicht dazu, dass signifikant mehr Menschen geimpft werden, sondern dass noch mehr Betroffene ihren Beruf verlassen werden." Das verschärfe den Personalmangel und es verstärke das Glaubwürdigkeitsproblem in der Politik, "nachdem eine Impfpflicht zuvor monatelang ausgeschlossen wurde und nun plötzlich alles anders kommen soll".

Für Katja Putensen, Einrichtungsleitung des Seniorenheims Domizil in Lüneburg, steht zwar außer Frage, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen sollten, allerdings gibt sie zu bedenken: "Warum muss man diese Impfpflicht nun an eine Berufsgruppe binden, die ohnehin gebeutelt ist?" Eine flächendeckende Impfpflicht sei aus ihrer Sicht die bessere Wahl.

Von Lilly von Consbruch

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