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Jakob Blankenburg am 08.10.2021 im Otto-Wels-Haus, Bundestag. (Foto: xNASSIMxRADx Quelle: imago images/tagesspiegel)

„Große Ehre“: Jakob Blankenburg über seinen Start im Bundestag

Als jüngster Sozialdemokrat und jüngster direkt gewählter Parlamentarier gehört Jakob Blankenburg aus dem Wahlkreis Lüneburg/Lüchow-Dannenberg nun dem Bundestag an. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) wird ihn in seiner Anfangszeit begleiten – und hat ihn sieben Wochen nach der Bundestagswahl erstmals zum Gespräch getroffen.

Berlin. Im Berliner Jakob-Kaiser-Haus, seinem neuen Arbeitsplatz, kennt sich Jakob Blankenburg bereits gut aus. „Ich war vor meiner Zeit als Abgeordneter einige Male hier, dann direkt nach der Wahl und zur konstituierenden Bundestagssitzung“, sagt der 24-Jährige, während er im größten deutschen Parlamentsgebäude zielsicher von seinem Büro in den Besprechungsraum mit Blick auf die Reichstagskuppel navigiert.

Blankenburg holte sein Direktmandat im Wahlkreis Lüchow-Dannenberg – Lüneburg mit mehr als 3 Prozent vor der Grünen-Kandidatin Julia Verlinden und dem bisherigen Amtsinhaber Eckard Pols (CDU). Als jüngster Sozialdemokrat und jüngster direkt gewählter Parlamentarier gehört er nun zum deutschen Bundestag mit 736 Abgeordneten, so vielen wie nie zuvor.

Einzug in den Bundestag kam nicht überraschend

Herr Blankenburg, Sie sind nicht nur einer von sechs Abgeordneten der U25-Fraktion, sondern mit 2,01 Meter doch sicher auch der Größte im neuen Bundestag, oder?

Wir haben uns noch nicht der Größe nach aufgestellt, um einen Größenvergleich zu machen, aber ich gehe davon aus, dass ich in dieser Kategorie ganz oben mitspiele.

Als 24-Jähriger beim ersten Versuch per Direktmandat ins Parlament gewählt zu werden, ist beachtlich. Wie überrascht waren Sie von dem Ergebnis?

Anfang des Jahres stand die Entscheidung an, wer für unseren Wahlkreis als Bundestagskandidat antritt. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, mehr junge Leute zu beteiligen. Dann habe ich meinen Hut in den Ring geworfen. Überraschend war es dann deshalb nicht, weil wir im Wahlkampf an den Infoständen und den Haustüren gemerkt haben, wie sehr das Engagement eines jungen Politikers von den Bürgerinnen und Bürgern geschätzt wird. Es geht eben um die Zukunft der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ich weiß aber natürlich, dass es nicht selbstverständlich ist, direkt im ersten Anlauf gewählt worden zu sein. Für mich ist es eine große Ehre.

Mittlerweile sind Sie offiziell in Berlin angekommen. Wie haben Sie die ersten Wochen erlebt?

Das war ein großer Batzen, der auf mich zugekommen ist. Dank meines Teams, in dem einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon Vorerfahrung im Bundestag haben, konnte ich relativ schnell ein Büro beziehen und arbeitsfähig sein. Noch ist nicht alles organisiert und meine dauerhaften Büroräume sind mir noch nicht zugeteilt worden. Aber die ersten Themen habe ich bereits angehen können. Die Probleme der Menschen in meinem Wahlkreis warten eben nicht.

Die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig

Welche Aufgaben haben in Ihrer Anfangszeit die höchste Priorität?

Ich verstehe mich als Werber für unsere Region im Bundestag. Daher habe ich in den vergangenen Wochen viel Zeit damit verbracht, mich mit den politischen Akteuren in meinem Wahlkreis auszutauschen, habe die Landräte und einige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister getroffen, bin mit Initiativen und Verbänden ins Gespräch gekommen. Dringende Themen vor Ort sind zum Beispiel Verkehr und bezahlbarer Wohnraum.

Das ist ein gutes Stichwort: Sie verbringen viel Zeit im Wahlkreis, müssen aber auch in Berlin heimisch werden. Wie gestaltet sich die Wohnungssuche?

In Lüneburg ist es schon ein großes Problem, in Berlin ein noch viel größeres Problem. Ich bin immer noch auf der Suche, mache mir aber keinen Stress. Einige Absagen gab es schon. Ich möchte mich aber nicht beschweren, ich bin als Bundestagsabgeordneter in einer komfortablen Situation. Vielen anderen fällt es schwerer, eine Wohnung zu finden. Doch dadurch zeigt sich, wie angespannt die Lage an dieser Stelle ist.

Ein Parlament braucht Vielfalt

Vielfach hört man den Wunsch, dass Politik moderner werden soll. Themen wie Diversität oder Geschlechtergerechtigkeit nehmen einen großen Raum ein. Welchen Anspruch haben Sie an sich, dafür zu sorgen, dass all das – stellvertretend für die junge Generation – in Zukunft ausreichend Gehör findet?

In einem Parlament braucht es Repräsentation vieler unterschiedlicher Gruppen. Bislang war die Gruppe der über 60-Jährigen sehr stark repräsentiert. Die jüngeren Abgeordneten ergänzen das. Es braucht verschiedene Perspektiven in einer Debatte. Das trifft nicht nur auf das Alter, sondern auf das Geschlecht, auf den persönlichen Hintergrund und die Lebensgeschichten zu. Davon kann die Demokratie nur profitieren. Es geht darum, das Volk zu repräsentieren. Und die Menschen, die mich und alle anderen Abgeordneten nach Berlin gewählt haben, sind vielfältiger, als das in der Vergangenheit hier sichtbar war.

Aktuell laufen die Verhandlungen über eine Ampelkoalition. Wie sehr beschäftigen Sie sich als neuer Abgeordneter damit, Teil einer der Regierungsfraktionen zu sein?

Wir waren auch als neue Abgeordnete in den vergangenen Wochen immer im Austausch mit denjenigen, die für die SPD bei den Koalitionsgesprächen am Verhandlungstisch sitzen. Ich finde, das Sondierungspapier hat Anlass dafür gegeben, sehr zuversichtlich auf die mögliche neue Regierung zu blicken. An einigen Stellen hätte ich mir andere Formulierungen gewünscht, aber nun bin ich gespannt, was letztendlich im Koalitionsvertrag steht, wenn er denn zustande kommt.

Von Roman Gerth/RND