Montag , 5. Dezember 2022
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Wer einen Ofen hat und Brennholz selbst aufarbeitet, spart in heuigen Zeiten viel Geld bei den Heizkosten.
Wer einen Ofen hat und Brennholz selbst aufarbeitet, spart in heuigen Zeiten viel Geld bei den Heizkosten. (Foto: t&w)

Mit Holzöfen hohe Energiepreise austricksen

Ein Kaminfeuer ist nicht nur schön anzusehen und sorgt für behagliche Wärme. Wer einen Kamin- oder Kachelofen sein eigen nennt, darf sich auch noch aus einem anderen Grund glücklich schätzen: Die steigende Energiepreise tun dann nicht mehr so weh.

Barendorf. Mit Holz heizen die Menschen schon seit mehr als 4000 Jahren. Und trotzdem erleben Kamin- und Kachelöfen jetzt wieder einen regelrechten Boom. Nicht nur, weil knisterndes Kaminfeuer schön anzusehen ist – das Heizen mit einem Kamin oder Kachelofen schafft auch eine besonders behagliche Wärme. Hinzu kommt: Für viele Hausbesitzer sind die Feueranlagen angesichts exorbitant steigender Energiepreise bei Strom, Gas und Heizöl eine echte Alternative.

1990 – das Jahr der Wiedervereinigung – konnte der Fachhandel in Deutschland gerade mal 38.000 Öfen verkaufen – und das, obwohl Heizen mit Holz nachhaltig und umweltfreundlich ist und den Geldbeutel schont. Im Jahr 2018 betrug die Gesamtzahl dieser sogenannten „Einzelfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe“ nach Angaben des Bundesverbandes Schornsteinfegerhandwerk dann aber schon bereits rund 11,2 Millionen.

Einen direkten Zusammenhang zwischen steigenden Energiepreisen und steigender Nachfrage nach Brennholz können auch die Förster feststellen. Knut Sierk, Sprecher der niedersächsischen Landesforsten, bestätigt: „Der Spargedanke spielt bei vielen unserer Kunden eine ganz große Rolle.“

Eigenversorgung mehr denn je wieder gefragt

Zu Erinnerung: Im Jahr 2000 und erneut 2008 crashten die Börsen. Gleichzeitig stiegen die Öl- und Gaspreise seit der Jahrtausendwende rasant an. Die Folge: Die Menschen suchten nicht nur nach günstigen Alternativen, um die Heizkosten zu senken, bei vielen wurde auch der Wunsch nach Autarkie geweckt. Mit anderen Worten – Eigenversorgung ist wieder mehr denn je en vogue! Das beginnt mit der selbst eingekochten Marmelade und endet noch lange nicht mit dem Holzstapel, den man selbst im Schweiße seines Angesichts im Wald aufgearbeitet hat.

Hinzu komme dass die CO₂-Bilanz bei der Verbrennung von Holz nahezu vorbildlich sei. Die Menge des CO₂, die freigesetzt werde, sei in etwa so groß wie die, die der Baum während seiner Wachstumsphase aus der Luft gebunden hat. Ein Problem gibt es aber – zumindest bei älteren Öfen – mit dem Ausstoß von Feinstaub. Eine Möglichkeit, den Kaminofen fit für die neuen Regeln zu machen, ist der Einbau eines Feinstaubfilters. Sogenannte aktive Feinstaubfilter werden elektrisch betrieben, passive arbeiten auch ohne Strom.

Laubholz steht ganz oben auf der Wunschliste

Doch obwohl die Nachfrage nach Holz aus den heimischen Wäldern stetig steigt: Für die Brennholz-Gewinnung werden nicht extra Bäume gefällt, sondern das Brennholz fällt als sogenanntes „anhängendes Sortiment“ an. Etwa als Kronenholz oder wenn Bestände durchforstet wurden, um Licht und Luft für andere Bäume zu schaffen. Aber auch dadurch kommen stattliche Mengen zusammen.

In der stadtnahen Revierförsterei Barendorf etwa hatte Revierförster Holger Kapell im vergangenen Jahr 1400 Raummeter Brennholz an den Mann bringen können. Längst müssen Kapell und seine Kollegen lange Wartelisten von interessierten Brennholz-Werbern führen. Noch vor Jahren wäre das undenkbar gewesen. Dennoch bleibt der Brennholzpreis auch in diesem Jahr stabil: 40 Euro nimmt der Barendorfer Revierförster für den bis an den Wegesrand vorgerückten Raummeter Buche, 32 Euro kostet die gleiche Menge Birke. Etwas günstiger können die Preise in den Revierförstereien sein, in denen weniger Brennholz nachgefragt wird.

„Ganz oben auf der Wunschliste bei den meisten Kunden steht Laubholz – vor allem das der Buche,“ weiß Kapell. Auch die Birke gehe gut. Erstaunt ist der Barendorfer Revierförster allerdings darüber, dass bei vielen Brennholzwerbern und Ofenbesitzern die Eiche einen schlechten Ruf hat: Holger Kapell kann dieses Vorurteil nicht nachvollziehen: „Die Eiche ist ein phantastisches Brennholz, sie muss nur genügend lange abgelagert und trocken sein, bevor sie verfeuert wird“, erklärt der Forstexperte. Das gelte im übrigen aber grundsätzlich für alle Brennholzarten.

Von Klaus Reschke

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