Sonntag , 4. Dezember 2022
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Nach nur einer Woche war Schluss: Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz wurde am Mittwoch abgebaut. (Foto: phs)
Nach nur einer Woche war Schluss: Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz wurde am Mittwoch abgebaut. (Foto: phs)

Weihnachtsmarkt-Aus: Wie geht es für die Schausteller jetzt weiter?

Der Lüneburger Weihnachtsmarkt hatte gerade einmal sieben Tage geöffnet. Doch seit Dienstagabend ist Schluss mit Bratwurst, Glühwein und Weihnachtsstimmung. Nicht jeder Schausteller kann die Entscheidung, unter 2G-plus-Regeln zu schließen, nachvollziehen. Sie alle hoffen nun auf Unterstützung vom Land, um die Umsatzverluste auszugleichen.

Lüneburg. Eigentlich sollte der Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus noch drei Wochen lang mit Glühwein und Bratwurst für Weihnachtsstimmung sorgen, doch davon war bereits am gestrigen Mittwoch nichts mehr zu spüren – der Weihnachtsmarkt wurde nach nur einer Woche beendet. Schon am späten Dienstagabend begannen die Betreiber, ihre Fahrgeschäfte und Buden abzubauen. Mit den neuen 2G-plus-Regeln lohne sich das Geschäft für die Schausteller nicht mehr. Nun hoffen sie auf Unterstützung vom Land.

45 Prozent des Jahresumsatzes fallen weg

Einer der Betroffenen ist Robert Paulsen. Er hatte erst am Montag einen Großeinkauf getätigt, an seinem Stand verkauft der Handorfer Entenbrustfilet im Brötchen. "Ich musste heute 200 Brötchen und 20 Kilo Ente wegschmeißen. Das tat schon sehr weh." Paulsen war mit seiner neuen Bude in diesem Jahr das erste Mal auf dem Lüneburger Weihnachtsmarkt und hatte erst vor Kurzem in neue Arbeitskleidung und Budenschmuck investiert. "Uns brechen in diesem Winter jetzt 80 Prozent der Einnahmen weg." Vom gesamten Jahresumsatz mache das Geschäft auf den Weihnachtsmärkten im Schnitt rund 45 Prozent aus, so der Schaustellerverband. Paulsen muss seine kleine Familie nun von seinen Ersparnissen ernähren. "Ich habe mir vor zwei Jahren, mit 30, schon meine Lebensversicherung auszahlen lassen. Die war eigentlich für die Rente bestimmt." Die gemeinsame Entscheidung der Schausteller trägt er aber mit: "2G-plus hätte nicht funktioniert. Das haben uns Kollegen aus anderen Städten schon berichtet."

Nicht jeder kann die Entscheidung nachvollziehen

Anders sieht das Marc Pröpper, der in der benachbarten Bude derweil behutsam seinen Schmuck aus Edelsteinen einpackt. Er kann die Entscheidung, die der Schaustellerbund getroffen hat, nicht nachvollziehen. "Man hätte ja wenigstens den Versuch unternehmen können, unter 2G-plus zu öffnen. In Rostock macht man das ja auch."

Pröppers Wagen geht nun nach nur einer Woche in den Winterschlaf, der Lüneburger Weihnachtsmarkt mache normalerweise 60 Prozent seines Jahresumsatzes aus, doch die fehlen jetzt. "Dazu kommt, dass die erste Woche erfahrungsgemäß immer die schwächste ist. Erst in den letzten drei Wochen nimmt die Kaufkraft bei den Besuchern zu." Der Kieler möchte im nächsten Jahr gerne wiederkommen, bis dahin bietet er seinen Schmuck auf Hafenfesten und an Strandpromenaden an der Ostsee an. "Es ist so schade, jetzt einpacken zu müssen. Das Konzept wurde gut umgesetzt und die Besucher haben sich gut verhalten."

Hoffnung auf Hilfe vom Land

Schausteller-Vorsitzender Benno Fabricius hofft, dass die Umsatzverluste auch in diesem Jahr wieder durch staatliche Zuschüsse ausgeglichen werden. Im ganzen Bundesgebiet habe man die Erfahrung gemacht, dass sich ein Weihnachtsmarkt unter 2G-plus-Bedingungen nicht lohne – Lüneburg sei da bei Weitem kein Einzelfall. "Ich bin aber guter Dinge, dass wir Unterstützung vom Land bekommen", so Fabricius.

Zur Sache

Weihnachtsbäume waren schnell weg

Als kleinen Trost konnten sich Lüneburgerinnen und Lüneburger am Mittwoch eine der rund 270 Nordmann-Tannen, die den Markt in diesem Jahr umsäumt haben, kostenlos mitnehmen. Doch anders als angekündigt, waren am Nachmittag schon alle Tannen weg. Das Stück Weihnachtsmarkt für zu Hause sei so begehrt gewesen, dass viele schon am Vormittag zum Markt kamen und um einen der Bäume baten. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass das Interesse so hoch sein würde,“ sagt Norbert Stegen, Marktmeister der Hansestadt Lüneburg.

Von Anna Hoffmann

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