Samstag , 3. Dezember 2022
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Auch vor der Teststation am Bahnhof gab es lange Schlangen. (Foto: t&w)
Auch vor der Teststation am Bahnhof gab es lange Schlangen. (Foto: t&w)

Schlangen vor Teststationen: „Das ist der Tod der Gastronomie“

„Warum wird die Bundeswehr nicht eingesetzt?“, fragt ein Lüneburger, der drei Stunden in der Kälte auf einen Corona-Test gewartet hat. An vielen Teststationen in Lüneburg hat es am ersten 2G-plus-Tag großen Andrang gegeben.

Lüneburg. Es ist 13.30 Uhr, durch Lüneburg peitschen Windböen, gefüllt mit Regentropfen und kalter Luft. Die Stimmung ist an diesem Mittwochmittag so mies wie das Wetter – zumindest bei vielen Bürgern, die in den langen Schlangen auf ihre „Eintrittskarte“ für Restaurants, Theater und Co. warten. An der Corona-Teststation am Sand stehen rund 40 Bürger an. Ganz vorne wartet eine junge Frau – seit 20 Minuten, sagt sie. Aber gleich ist es ja geschafft. Gegenüber sehen zwei Frauen die lange Schlange: „Das ist wohl überall so voll“, sagt Roswitha Rehse. Ihre Freundin Gabriele Knopf nickt. „Bringt ja nichts, da müssen wir durch“, sind sich beide einig.

Durch ist Angelika Zuber. Sie steht vor einer Apotheke an, will am Abend mit einer Freundin ins Restaurant. Nun ist sie gleich dran. „Nach 90 Minuten, bei der Kälte“, sagt sie, schüttelt den Kopf und betont: „Das ist der Tod der Gastronomie.“ Eine andere Frau, die auch schon lange wartet, sagt: „Das mache ich wohl nicht wieder.“

Arbeiten fast ohne Pause

Auf dem Marienplatz ist die Schlange ebenfalls lang. Etwa 40 Bürger harren hier bei Regen aus. Weit vorne eine Frau: „Seit rund 20 Minuten stehe ich hier an“, sagt sie. Ein DRK-Mitarbeiter erzählt, dass es seit der Öffnung der Station um 9 Uhr großen Andrang gibt, rund 200 Tests sind bisher durchgeführt worden. „Wir hatten keine Minute Pause“.

Beide Seiten, Tester und Testkandidaten, sind an diesem Tag, dem ersten 2G-plus-Tag, nicht zu beneiden. „Der befürchtete große Kollaps ist zwar ausgeblieben“, betont Harald Kreft, Chef des Arbeiter-Samariter-Bundes in Lüneburg. Doch die Teams aller Teststationen arbeiten am Anschlag.

400 Tests in der ersten Schicht

Vor der Teststation Altstadt steht nur ein Dutzend Bürger an. Im Untergeschoss arbeiten zwei Testerinnen „bisher ohne echte Pause“. Wie viele Tests hat es hier seit der Öffnung um 7.30 Uhr gegeben? Fragen Sie mal oben nach“, sagt eine Mitarbeiterin und holt das nächste Stäbchen aus einer Packung. Es ist 13.40 Uhr. „Wir haben gerade Schichtwechsel gehabt“, sagt ein Teammitglied. „400 Tests haben wir schon durchgeführt.“ Sehr viel mehr als sonst zu diesem Zeitpunkt.

Auf dem Parkplatz des Ilmenaucenters sind es gegen 14 Uhr „ziemlich genau 140“, sagt eine Mitarbeiterin des ASB. „Seit 10 Uhr testen wir – ohne Pause.“ Vor der Station warten rund 40 Bürger, ein Dutzend kann sich im Zelt unterstellen, der Rest wartet im Regen. Auf den Sülzwiesen ist es dagegen deutlich voller. Mehr als 70 Bürger stehen hier an. Gleich an der Reihe ist eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Ich komme aus Hamburg und will heute Abend mit einer Freundin ins Restaurant gehen“, sagt sie. Dick eingehüllt in Mantel und Schal – und sicht- und hörbar wenig amüsiert antwortet sie auf die Frage, wie lange sie denn schon hier ansteht: „Drei Stunden.“

Warum wird die Bundeswehr hier nicht eingesetzt?

Viktor Böhm steht vor ihr in der Schlange, dreht sich um. Er steht ebenfalls schon drei Stunden an. „Ich bin Altenpfleger und dreifach geimpft“, sagt der Lüneburger. „Das nützt aber nichts, für einen Restaurantbesuch muss ich trotzdem hier anstehen und mich testen lassen“. Er ist sauer. Auch darüber, dass die Bundeswehr nicht eingesetzt wird. Obwohl sie Kapazitäten habe und sich gut auskenne. „Dann hätten wir hier nicht so lange Schlangen“, ist er sich sicher.

Zweite Testlinie auf den Sülzwiesen

Abhilfe oder zumindest etwas Entspannung ist in Sicht. ASB und DRK richten auf den Sülzwiesen ab heute eine zweite Testlinie ein. Zudem werden alle Stationen technisch weiter aufgerüstet, damit die Abläufe optimiert werden. Nächste Woche soll es in Ochtmissen auf dem Sportplatz-Gelände wieder eine Station geben. Auch der Test-Shuttlebus wird reaktiviert. „Er wird ab kommender Woche eingesetzt. Am Vormittag in der Samtgemeinde Bardowick, am Nachmittag in der Samtgemeinde Scharnebeck. Und am nächsten Tag in umgekehrter Reihenfolge“, erklärt Harald Kreft. Vielleicht könne auch die Zahl der Testreihen in einzelnen Stationen noch erhöht werden. Denn eines sei klar: Der Andrang dürfte auch in den nächsten Tagen groß sein, sagt Kreft und zieht eine Bilanz dieses ersten 2G-plus-Tages: „Wir müssen und werden personell und technisch weiter aufrüsten.“

Von Werner Kolbe

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