Mittwoch , 30. November 2022
Anzeige
Die Suche nach der großen Liebe kann kostspielig werden.
Die Suche nach der großen Liebe kann kostspielig werden. Verbraucher sollten sich durch das klassische Haustürgeschäft nicht unter Druck setzen lassen und Verträge vor Unterzeichnung aufmerksam lesen. (Symbolfoto: AdobeStock)

Unseriöses Geschäftsmodell mit der Liebe

Die Verbraucherzentrale in Lüneburg warnt vor einer Partnervermittlung, die eine einmalige Gebühr von rund 4000 Euro fordert.

Lüneburg. Bisher waren Verträge mit Partnervermittlungen nur schwer zu widerrufen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte in einem Urteil im Mai dieses Jahres bestehende Widerrufsbedingungen jedoch als teilweise rechtswidrig eingestuft. Dies nahm sich die Vermittlungsagentur Werbe-Service offenbar zum Anlass, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Auf den Fall verweist die Verbraucherzentrale Niedersachsen, die in Lüneburg mit einem Böro an der Schröderstraße vertreten ist: Ein Kunde sollte nach Vertragsabschluss eine einmalige Gebühr von rund 4000 Euro für die sofortige Übersendung von Partnerempfehlungen zahlen – die gesetzliche Regelung zum Widerrufsrecht umgehe die Agentur dreist.

Der Mann reagierte auf eine Kontaktanzeige in einer Zeitung. Daraufhin klingelte die Partnervermittlung Werbe-Service an seiner Haustür. In dem Glauben, dass er Vertragsunterlagen für die Vermittlung zu dieser konkreten Person aus dem Zeitungsinserat unterschreibt, unterzeichnete er an der Haustür jedoch eine allgemeine Mitgliedschaft im Klientenkreis der Agentur. Für die sofortige Erarbeitung und Auswahl der potenziellen Partnerinnen berechnete Werbe-Service ihm eine einmalige Gebühr von rund 4000 Euro, die der Mann bar vor Ort zahle. Zudem bestätigte er schriftlich, dass er auf sein Recht zum Widerruf verzichtet. Noch am selben Tag des Vertragsabschlusses schickte die Agentur ihm zwölf Partnerempfehlungen.

„Es ist erschreckend, wie schnell Partnervermittlungen auf das BGH-Urteil vom Mai reagieren und neue Methoden finden, um die verbraucherfreundliche Rechtsprechung auszuhebeln“, sagt Ann-Katrin Fornika von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Vor dem Urteil liefen solche Verträge als Dauerschuldverhältnis meist über 24 Monate. Bei Widerruf darf nun nach neuer Rechtsprechung ein Wertersatz nur noch tageweise berechnet werden – und das ist für Partnervermittlungen mitunter nicht sehr gewinnbringend.

Kunden bleibt wohl nur der Gang zum Gericht

„Das neue Geschäftsmodell von Werbe-Service ist fragwürdig und unseriös“, sagt Fornika. Dennoch dürfte es nach ihrer Einschätzung schwierig werden, das Geld zurückzuerhalten. Denn auch wenn er sich durch das Haustürgeschäft bedrängt fühlte, habe der Kunde im beschriebenen Fall auf sein Widerrufsrecht verzichtet. Mit den empfangenen Partnerempfehlungen ist die Dienstleistung zudem bereits erbracht.

Fornika rät daher: „Verbraucher sollten sich durch das klassische Haustürgeschäft nicht unter Druck setzen lassen und Verträge vor Unterzeichnung aufmerksam lesen.“ Niemals sollte man sofort Zahlungen leisten, keinesfalls auf das Widerrufsrecht verzichten. Im vorliegenden Fall bleibe wohl nur der Gang zum Gericht, das beurteilen müsste, ob der Kunde sein Geld letztlich zurückerhält. lz

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.