Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik, appelliert an werdende Mütter. (Foto: A/t&w)
Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik, appelliert an werdende Mütter. (Foto: A/t&w)

Corona-Impfappell an werdende Mütter

Es sind zwei Fälle in drei Tagen, die Prof. Dr. Peter Dall, im Lüneburger Klinikum, an die Öffentlichkeit gehen lassen. Ungeimpfte Schwangere erlitten schwere Corona-Infektionen mit zum Teil dramatischen Folgen für Mutter und Kind. Der Lüneburger Mediziner appelliert, dass sich nicht-geimpfte Schwangere sowie unvollständig Geimpfte ab der 13. Schwangerschaftswoche impfen lassen sollten.

Lüneburg. Es sind zwei Fälle in drei Tagen, die Prof. Dr. Peter Dall, im Lüneburger Klinikum, an die Öffentlichkeit gehen lassen. Ungeimpfte Schwangere erlitten schwere Corona-Infektionen mit zum Teil dramatischen Folgen für Mutter und Kind. Der Lüneburger Mediziner verweist deshalb auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), dass sich nicht-geimpfte Schwangere sowie unvollständig Geimpfte ab der 13. Schwangerschaftswoche impfen lassen sollten.

Mutter muss künstlich beatmet werden

Eine Frau, Mitte 30, die bereits sieben Kinder hat, war so schwer an Corona erkrankt, dass sie kurz vor der Beatmung stand. Prognose: weitere Lungenverschlechterung. „Da durch den Erhalt der Schwangerschaft das Risiko für die Mutter erhöht gewesen wäre, erfolgte eine notfallmäßige Entbindung per Kaiserschnitt in der 28. Schwangerschaftswoche“, berichtet Dall. Das Kind, ein Frühchen von nur 1100 Gramm, wird auf der Intensivstation der Kinderklinik versorgt, die Mutter wird auf der Intensivstation künstlich beatmet. Eine Prognose, ob die Frau überleben wird, gibt es zurzeit noch nicht.

Drei Tage später ist es wieder eine ungeimpfte Schwangere, deren schwere Corona-Infektion und beschleunigte Atmung schnelles Handeln in der Frauenklinik notwendig machen. Das Kind konnte mit einer Spontanentbindung in der 39. Schwangerschaftswoche normal zur Welt gebracht werden. Die Mutter – von bereits zwei Kindern – wird vorerst auf der Corona-Isolationsstation versorgt.

Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 wird erhöht

Der Lüneburger Mediziner verweist darauf, dass bei einer Schwangerschaft das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöht wird. Das belegt auch die Chronos-Registerstudie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), an der bundesweit 170 Kliniken teilnehmen. Es wurden bisher 3397 Corona-Infektionen bei Schwangeren registriert. Die Folge: 407 Frühgeburten, in 148 Fällen kam es zu einem sehr schweren Verlauf bei den Müttern. Diese mussten auf Intensivstationen zum Teil künstlich beatmet werden und es gab Todesfälle.

Bitte an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

„4,4 Prozent der in der Studie registrierten Fälle erlitten einen lebensbedrohlichen Verlauf. Das ist ein zehnfach höheres Risiko als bei nicht-schwangeren an Covid-19 erkrankten Frauen“, berichtet Dall. Die Impfung habe bislang keinen Anhalt für ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu Nicht-Schwangeren gezeigt. Auch das UKSH verweist auf internationale Studien, die besagen, dass die Impfung gegen Covid-19 während der Schwangerschaft sicher sei und die bei einer Corona-Infektion vermehrt auftretenden Risiken für Mutter und Kind verhindern könne. Prof. Dalls Appell: „Ich würde mich freuen, wenn alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Corona-Impfungen anbieten, gemäß der zitierten Empfehlungen auch Schwangere nach entsprechender Aufklärung impfen würden.“

Von Antje Schäfer

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.