Samstag , 3. Dezember 2022
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Es gab zwar Schlangen vor dem Glockenhaus. doch auch hier musste man nicht lange warten, die mobilen Impfteams hatten alles im Griff. (Foto: t&w)
Es gab zwar Schlangen vor dem Glockenhaus. doch auch hier musste man nicht lange warten, die mobilen Impfteams hatten alles im Griff. (Foto: t&w)

„Bis Weihnachten fahren wir unter Volllast“

Ausschlafen hat sich an diesem Sonnabend ausgezahlt: Am Sonnabendmittag ist der Andrang bei den Mobilen Impfteams in Lüneburg deutlich abgeflaut – keine 15 Minuten, schon drückten die Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Menschen aus nah und fern im Glockenhof ein Pflaster auf dem Oberarm. Jedoch: Schon gegen Mittag wird der Biontech-Impfstoff knapp.

Lüneburg/Bleckede. Die Warteschlange reicht am Morgen vom Glockenhof bis zum Lüneburger Marktplatz: Der Ansturm auf die mobilen Impfteams reißt auch am Sonnabend nicht ab. Mehr als 300 Menschen hatten sich extra früh den Wecker gestellt, um sich im Glockenhaus eine sogenannte Booster-Impfung zum Schutz vor dem Corona-Virus zu sichern. Bis zu anderthalb Stunden mussten die Impfwilligen an diesem Morgen in der Kälte ausharren.

Womit viele offenbar nicht gerechnet hatten: Bereits am späten Mittag sollte der Andrang deutlich abflauen – keine 15 Minuten, schon drückten die Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Menschen aus nah und fern im Glockenhof ein Pflaster auf dem Oberarm. Ausschlafen hat sich an diesem Sonnabend ausgezahlt.

Von zwölf auf 20 Freiwillige

Das führt Christian Köller, Leiter des DRK-Rettungsdienstes, nicht zuletzt auf die gute Organisation seines mobilen Impfteams zurück: Nachdem die Lüneburger Kreisverwaltung am Donnerstag die Wartezeit von sechs Monaten bis zur dritten Impfung aufgehoben hatte, wurde die Zahl der Helfer vom DRK noch einmal deutlich aufgestockt – von zunächst zwölf am Freitag auf 20 Freiwillige am Sonnabend. Mehr als 800 Impfungen konnten so laut Köller bereits nach den ersten vier Stunden vorgenommen werden. Rund 1060 sollten es am Ende des Tages sein.

Wer unter 30 ist, wird darum zum Glockenhof geschickt

Beim Team des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in der Heiligengeiststraße ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen Mittag längst vergriffen. Wer jünger als 30 Jahre alt ist, wird darum zum Glockenhof geschickt. Doch auch dort gehen die Biontech-Dosen gegen 13 Uhr langsam zur Neige. Gerade mal 180 sind zu diesem Zeitpunkt noch vorrätig. Den Impfstoff Moderna dürften die Helfer nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission lediglich Menschen ab 30 Jahren spritzen oder aber auf eigenen Wunsch nach Rücksprache mit dem Impfarzt, erklärt Köller.

Keine gezielte Dokumentation der Postleitzahlen

Ob das rege Interesse nach Aufhebung der sechsmonatigen Wartefrist für die Booster-Impfung im Landkreis Lüneburg Folge eines „Impftourismus“ aus den Nachbar-Landkreisen ist, kann weder Köller noch seine Kollegin Alexandra Wolke vom ASB genau sagen: Die enge Taktung bei der Arbeit der Impfteams ließe keine gezielte Dokumentation der Postleitzahlen zu, erklären sie. Viele Impfwillige reagierten eher überrascht, dass sie bei den mobilen Impfteams theoretisch schon nach vier Wochen die Drittimpfung bekommen könnten, berichtet Alexandra Wolke. Praktisch sei ihr so eine kurze Frist aber bislang nicht untergekommen. „Das macht ja aus immunologischer Sicht auch wenig Sinn“, sagt die Lüneburger Ärztin. „Ich würde eine Impfung frühestens nach drei Monaten begrüßen.“

Viele kommen aus Lüneburg – aber nicht alle

Die LZ hat sich am Mittag unter den Wartenden umgehört: Viele kommen aus Lüneburg – aber nicht alle: Holger Riez zum Beispiel lebt in Hamburg, hat sich bei einem Wochenendbesuch in Lüneburg spontan entschieden, zusammen mit seiner Freundin Helga Rasch das Impfangebot wahrzunehmen – vier Monate nach der Zweitimpfung. „Sonst wäre ich ja erst im Februar drangekommen“, rechnet er vor. Ganz spontan haben auch Benjamin und Sabrina Klink aus Flensburg sich in die Schlange in der Heiligengeiststraße eingereiht. Bei ihrem Städtetrip nach Lüneburg sind sie durch Zufall über das Schild gestolpert, das auf das Impfangebot hinweist. Eigentlich hätte Benjamin Klink bereits für nächste Woche einen Impftermin gehabt, verrät er. „Aber ich denke: Je früher, desto besser.“

Einer, der gezielt die Reise aus dem Landkreis Gifhorn in die Hansestadt angetreten hat, ist Simon Lütkehölter. „Mein Hausarzt ist zurzeit im Urlaub und das nächste Impfzentrum ist laut Internet anderthalb Stunden entfernt. Da geht diese Aktion hier schneller“, sagt er.

250 Spritzen in vier Stunden

Auch in Bleckede wurde am Sonnabend wieder im Akkord geimpft: 250 Spritzen in vier Stunden wurden laut Dr. Ralf-Peter Oelsner im Bleckeder Haus gesetzt. Auf seiner Homepage informiert der Arzt darüber, dass auch seinem Team aufgrund von Lieferengpässen zur Zeit kein Impfstoff von Biontech zur Verfügung steht. Für nächste Woche habe er bereits 60 Impfdosen zugesagt bekommen, sagt Oelsner. Das decke aber bei Weitem nicht die Nachfrage ab.

Kommende Woche will er zusammen mit seinem achtköpfigen Team auch die Feuerwehrkräfte im Landkreis Lüneburg mit einem höheren Impfschutz versehen, allerdings – bedingt durch die Engpässe – nur jene über 30 Jahre. Oelsner: „Bis Weihnachten fahren wir unter Volllast.“

Von Anna Petersen

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