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Marcus Pinnow lebt in einer sogenannten Trocken-WG, dort sind Alkohol und Drogen tabu. Aus seiner Erfahrung mit früheren Mitbewohnern weiß er, es kommt alles stark auf´s Umfeld drauf an. (Foto: lat)

Es kommt auf die Mitbewohner an

Sein Leben lässt sich nicht in diese paar Zeilen verpacken. Nur so viel: Marcus Pinnow sagt, er hat eine Zeit lang eine Flasche Wodka am Tag getrunken, heute lebt er allerdings in einer WG, in der Alkohol und Drogen tabu sind. Für ihn kommt es immer sehr auf die Menschen im eigenen Umfeld an.

Lüneburg. Als gelerntem Tischler mit Abitur stand Marcus Pinnow (57) viel offen. Heute kann er über sich selbst den Kopf schütteln, versteht nicht, warum er mit Ende 30 mit Heroin angefangen hat. "Es gab Zeiten, da habe ich auch noch eine Flasche am Wodka am Tag getrunken", sagt Marcus Pinnow. 2019 verliert er schließlich seine Wohnung in Lüneburg und kommt in die Herberge.

In den dortigen geteilten Unterkünften kann man sich seine Mitbewohner nicht aussuchen. "Das war schwierig. Einige breiten da ihren Fastfood-Müll im Bett aus... Mit vielen konnte ich kein vernünftiges Gespräch führen. Und man trifft dort eigentlich auch niemanden, der clean und nüchtern ist."

In seiner WG sind Drogen und Alkohol Tabu

Seit Sommer 2020 lebt Marcus Pinnow allerdings in einer Trocken-WG der Herberge. "Eigentlich die beste Wohnung, die man dort bekommen kann." In dieser WG hat er 1,5 Zimmer für sich allein. Alkohol und Drogen sind für alle tabu. Auch einen ehrenamtlichen Job hat er, "für die Tagesstruktur". Es ist gerade besser für ihn, doch Marcus Pinnow ist Realist: "Die Gefahr, rückfällig zu werden, ist trotzdem immer da. Und man ruht sich vielleicht gerade auch etwas aus, denn die WG ist so ja ganz gut. Aber das Ziel ist doch, irgendwann eine eigene Wohnung zu haben."

Vielleicht sogar wieder eine WG mit netten Leuten. Denn es komme doch immer auf die Menschen drauf an. Einen Wunsch hat er übrigens auch an die Gesellschaft: "Ein bisschen mehr Zusammenhalt beim Impfen. Es wundert einen schon, dass sich immer noch so viele Menschen nicht impfen lassen. Das würde aber allen zu Gute kommen. Für die Gesundheit, aber auch für die Freizeitangebote, wo ja gerade kaum etwas möglich ist." lat/lcv

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