Dienstag , 6. Dezember 2022
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Das vom Land angekündigte Schüler- und Azubi-Ticket wird es vorerst im Landkreis nicht geben.
Das vom Land angekündigte Schüler- und Azubi-Ticket wird es vorerst im Landkreis nicht geben. (Foto: t&w)

Kreis führt Schüler- und Azubi-Ticket nicht zum 1. Januar ein

Der Klärungsbedarf im Landkreis Lüneburg ist noch viel zu groß, als dass zum 1. Januar das vom Land kürzlich angekündigte Schüler- und Azubi-Ticket kommen könnte. Landtagsabgeordnete wollen mit Verkehrsminister Bernd Althusmann über die Probleme reden.

Lüneburg. Momentan scheint es so, als ob dem Meilenstein des Verkehrsministers hier und da das Fundament fehlt. Es geht um das regionale Schüler- und Azubi-Ticket, dessen landesweite Einführung das Land zum 1. Januar angekündigt hat – das aber im Landkreis Lüneburg nicht zu diesem Termin kommen wird. Zu viele grundlegende Voraussetzungen für die Einführung fehlen dem Kreis beziehungsweise sind ihm unklar.

„Das System ist bei Weitem nicht ausgegoren“

Das verdeutlichte die Verwaltung dem Mobilitätsausschuss des Kreistages, obgleich man sich nicht grundsätzlich gegen das neue Ticket sperrt. Doch es funktioniere so wie derzeit vom Land geplant nicht, berichtete Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer dem Fachgremium. „Das System ist bei Weitem nicht ausgegoren“, meinte er.

Der entscheidende Grund dafür sei die Gesetzeslage, erläuterte Stefan Borchers vom Fachdienst Mobilität. Da der Landkreis Teil des Hamburger Verkehrsverbundes HVV ist, sei ein gemeinsames Ticket für den niedersächsischen Teil im HVV nur zusammen mit Hamburg möglich. So schreibe es das Gesetz vor.

Weitere Planung mit dem HVV und den Kreisen Harburg und Stade zwingend notwendig

Die weitere Planung mit dem HVV und den Verbundlandkreisen wie etwa Harburg und Stade sei daher zwingend notwendig. Somit könne der Landkreis gegenwärtig keinen Zeitpunkt nennen, zu dem das Schüler- und Azubi-Ticket eingeführt werde. Jürgen Krumböhmer erklärte: „Wir haben versucht, mit dem Land ins Gespräch zu kommen, wurden aber nicht gehört.“

Darüber hinaus gebe es weitere Probleme, die sich aus Sicht der Verwaltung auftun und bei denen sie dringend Klärungsbedarf fordert: Erste Kostenschätzungen lägen deutlich über dem Budget. Ob, wie und welche Schienenstrecken Teil des Geltungsbereiches sind, sei unklar. Zudem seien die Vertriebswege noch offen.

Regionales Ticket für monatlich 30 Euro im Jahresabo

Mitte Dezember hatte das Verkehrsministerium das neue Schüler- und Azubi-Ticket angekündigt: „Ab 1. Januar 2022 können die kommunalen Träger des öffentlichen Personennahverkehrs Schülerinnen und Schülern sowie Auszubildenden und Freiwilligendienstleistenden, unabhängig von ihrem Alter, ein regionales Ticket für monatlich 30 Euro im Jahresabonnement anbieten“, lautete die Botschaft aus Hannover.

Das Land werde die Landkreise, kreisfreien Städte und Verkehrsverbunde mit insgesamt 25 Millionen Euro im kommenden Jahr und mit 30 Millionen Euro ab 2023 unterstützen, kündigte es an. Diese Aufstockung decke wahrscheinlich nicht mal 50 Prozent der Kosten, kalkuliert man im Lüneburger Kreishaus schon jetzt.

Minister: Spürbare Entlastung für Schüler und Azubis

Minister Bernd Althusmann (CDU) sagte über das neue Ticket: „Dass Schüler und Auszubildende für einen Euro am Tag den ÖPNV nutzen können, ist ein echter Meilenstein. Denn gerade im ländlichen Raum müssen junge Leute, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, erhebliche Summen für Monatsfahrkarten bezahlen, um mobil zu sein. Das deutlich günstigere Azubi-Ticket wird für sie daher eine spürbare Entlastung sein.“

Geltungsbereich ist Knackpunkt

Das Azubi-Ticket gelte im gesamten Tarifraum des jeweiligen ÖPNV-Aufgabenträgers – also mindestens im gesamten Kreisgebiet, bei kreisübergreifenden Tarifen oder Verbunden im gesamten Tarifgebiet, erklärte das Verkehrsministerium. Die konkrete Ausgestaltung des Ticketangebotes obliege den kommunalen ÖPNV-Aufgabenträgern wie dem Landkreis. Somit könne auf die regionalen Besonderheiten gezielt eingegangen und ein passgenauer Zuschnitt anhand der Verkehrs- und Tarifsituation vorgenommen werden.

Wenn es ein vom Land komplett finanziertes Angebot gewesen wäre, hätte es funktionieren können, meint der Erste Kreisrat. „Aber leider wurde das Ticket auf die Kreisebene heruntergebrochen. Das heißt, wir müssten auch für Fahrkarten zahlen, die weit über unser Gebiet hinausgehen – zum Beispiel bis nach Stade.“

Im Bremer Umland nachfragen

Die beiden Landtagsabgeordneten Barbara Beenen (SPD) und Detlev Schulz-Hendel (Grüne), die auch dem Mobilitätsausschuss des Kreistages angehören, kündigten an, mit Minister Althusmann über die Problem- und Gemengelage zu reden.

Finn van den Berg (FDP) regte an, dass sich der Landkreis bei den Kommunen im Bremer Umland darüber informieren solle, wie sie die Angelegenheit lösen wollen. „Denn dort dürfte es die gleichen Probleme geben.“

Von Stefan Bohlmann

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