Montag , 5. Dezember 2022
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Julia Westerhoff ist seit November Polizeisprecherin, zuvor war sie im Streifendiest tätig.
Julia Westerhoff ist seit November Polizeisprecherin, zuvor war sie im Streifendiest tätig. (Foto: t&w)

Jahresrückblick: Julia Westerhoff ist Polizistin

Julia Westerhoff ist Polizistin. Bis Ende Oktober war sie fast täglich im Streifendienst in Lüneburg unterwegs, seit dem 1. November ist sie Pressesprecherin der Polizei. Die 26-Jährige erzählt, warum das vergangene Jahr ein ganz besonderes war und wie sich das Virus auf den Alltag der Ordnungshüter ausgewirkt hat.

Lüneburg. Manchmal, wenn sie in ihrem Büro sitzt und den Polizeifunk abhört, juckt es ihr noch in den Fingern. Dann würde Julia Westerhoff gerne aufspringen und ihre Kollegen unterstützen. Nicht etwa, weil das nötig wäre. Die 26-Jährige weiß, "das kriegen die Kollegen schon gut alleine hin". Aber manchmal vermisst sie den Streifendienst, würde gerne nochmal mit rausfahren, so wie sie es einige Jahre lang getan hat. Doch dieser Wunsch hält meist nicht lang an, denn sie weiß auch: Ihre neuen Aufgaben sind mindestens genauso spannend. Seit November ist Julia Westerhoff Pressesprecherin der Polizei Lüneburg.

Das Jahr war relativ ruhig

Wenn sie auf die vergangenen zwölf Monate zurückblickt, sagt sie: "Ich habe das Jahr für uns als relativ ruhig empfunden." Das Einsatzgeschehen sei ein anderes gewesen als in den Vorjahren, ohne Corona. "Es gab deutlich weniger Schlägereien, weil die großen Lokalitäten wie die Garage oder das Vamos weggefallen sind." Vermisst habe sie diese Vorfälle nicht, "gerade auf dem Parkplatz der Garage war es meist sehr unübersichtlich und voll".

Dafür hat Corona für ganz neue Einsätze gesorgt. "Die Partys haben sich ins Private verlagert. Dann gab es, zu Zeiten der Kontaktbeschränkungen, immer wieder Nachbarn, die uns angerufen haben und meinten, nebenan seien zu viele Personen."

Besondere Einsätze am Stint

"Im Sommer mussten wir auch häufig an den Kreidebergsee ausrücken", erzählt sie weiter von ihrer Zeit im Streifendienst. Und dann waren da noch die Kontrollen am Stint, wo ein Alkohol- und zeitweise auch ein Aufenthaltsverbot auf der Brücke galt. "Das war absolut besonders", sagt Westerhoff. "Das war die einzige Partymöglichkeit, die den Lüneburgern noch geblieben war. Da kann ich verstehen, dass die Einschränkungen für viele nicht nachvollziehbar waren."

Insgesamt habe sie aber eine hohe Akzeptanz bei den Lüneburgern und Lüneburgerinnen feststellen können, gerade in Bezug auf das Tragen einer Maske. "Wenn wir zu einem Unfall gerufen wurden, hatten die Beteiligten meist alle schon eine Maske auf – obwohl man ja draußen war." Auch bei Kontrollen der Maskenpflicht in der Innenstadt seien die Bürger meist "absolut verständnisvoll" gewesen.

Nicht alle zeigten Verständnis

Allerdings, betont Westerhoff, gelte das nicht für alle. "Es gibt natürlich Betrunkene oder Personen, mit denen wir schon öfter zu tun hatten, die interessiert das dann auch nicht wirklich." Dann galt es abzuwägen: Könnte das Erinnern an die Maskenpflicht die Situation womöglich noch verschärfen? "Das Wichtigste für uns war in solchen Situationen immer, dass wir eine Maske tragen und genug Abstand halten."

Wegen Corona immer der gleiche Streifenpartner

Viel Positives kann die Polizistin der Pandemie nicht abgewinnen. "Im Alltag hat sich viel geändert." So fahren jetzt immer die gleichen Personen in einer Schicht, man habe also immer den gleichen Streifenpartner. "Vorher war das Schöne, dass man immer mit unterschiedlichen Kollegen gefahren ist. Nun sieht man sich nur noch auf der Wache." Doch die Zeit ist für Westerhoff nun ja ohnehin vorbei, und auf ihren neuen Job als Pressesprecherin hat das Coronavirus glücklicherweise kaum Einfluss. "Wir sitzen jetzt zwar in Einzelbüros und müssen im Gebäude Maske tragen, aber das stört mich überhaupt nicht."

Für das kommende Jahr wünscht sich die 26-Jährige, "dass wir respektvoll miteinander umgehen und die Pandemie gemeinsam und durch Impfungen überstehen." Und privat? "Es wäre schön, mal wieder in den Urlaub fahren zu können."

Von Lilly von Consbruch

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