Dienstag , 6. Dezember 2022
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Lan Anh Nguyen hat es unter Tausenden Bewerberinnen unter die Top 20 geschafft. (Foto: Stephan Glathe)
Lan Anh Nguyen hat es unter Tausenden Bewerberinnen unter die Top 20 geschafft. (Foto: Stephan Glathe)

Lüneburgerin im "Miss Germany"-Finale

Gutes Aussehen ist bei "Miss Germany" nicht mehr das einzige Kriterium. Die Kandidatinnen sollen ein Thema verkörpern. Lan Anh Nguyen (29) ist unter den Finalistinnen die Finanz-Expertin.

Lüneburg/Hamburg. Enchanté. Schon die französische Begrüßung von Lan Anh Nguyen ist ungewöhnlich. Jedenfalls für norddeutsche Ohren. Doch "Miss Germany" kann eben auch nur eine werden. Da muss man schon auffallen.

Die Zeiten aber, in denen die Kandidatinnen vor allem ihren Körper präsentieren, sind vorbei. Heute sollen sie ein Thema verkörpern. Da geht es um Frauenpower, Diversität, Gaming oder um Finanzen. Denn die Lüneburgerin Lan Anh Nguyen hat es mit ihrem Ansatz ins Finale geschafft und die Chance, am 19. Februar "Miss Germany" zu werden.

Das Portemonnaie ist die Problemzone

Im Teilnehmerinnen-Feld ist sie die Finanzexpertin. "Ich möchte Frauen an die Börse heranführen", sagt die 29-Jährige. Denn noch immer sei die Finanzwelt männlich dominiert. "Männer sind mutig und machen einfach. Frauen wollen vor allem nichts falsch machen", erklärt Nguyen. "Nicht der Körper, sondern das Portemonnaie ist die Problemzone der meisten Frauen." Das will sie ändern – und Frauen dort erreichen, wo sich viele mutmaßlich besser auskennen als auf dem Börsenparkett: in der Mode- und Beautyszene. Auf Instagram präsentiert sie sich entsprechend luxuriös mit Dior, Chanel oder Louis Vuitton, auf Reisen nach Zürich, Capri oder Barcelona. "Geld ist nichts Böses", findet sie. Und zeigt es auch.

Die Finanzwelt hat ihre eigenen Vokabeln

Geld ausgeben ist das eine, die Beschäftigung mit der Finanzwelt das andere. "Im ersten Lockdown hatte ich Zeit und aufgestaute Konsumausgaben. Da habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Bereich Investitionen und Finanzen zu beschäftigen", erzählt Nguyen. Das sei manchmal gewesen, wie eine Sprache zu lernen. Die Finanzwelt habe eben ihre ganz eigenen Vokabeln. Und auch dabei hat ihr die Mode-Affinität geholfen: "Ich habe festgestellt, dass für den Kauf einer Aktie eigentlich die gleichen Kriterien gelten, wie für den Kauf einer Designer-Handtasche."

Bewerbungsbogen in einer Zeitschrift entdeckt

Dass sie sich so sehr mit Finanzen beschäftigt – inzwischen sogar Beiträge für Fachzeitschriften schreibt und im sozialen Netzwerk LinkedIn diskutiert – hat manche in ihrem Umfeld überrascht. "Meine Eltern kannten meine Business-Seite so noch gar nicht", erzählt Lan Anh Nguyen. Dabei ist es ihnen zu verdanken, dass sie sich überhaupt bei "Miss Germany" beworben hat. Denn in einer Modezeitschrift, die im elterlichen Beauty-Salon auslag, hatte Nguyen den Bewerbungsbogen entdeckt. Erfahrungen mit Wettbewerben hatte sie vorher kaum.

PR-Managerin in Hamburg

Als sie gerade elf Monate alt war, kamen ihre Eltern mit ihr aus Vietnam nach Lüneburg. Nach dem Abitur studierte Nguyen in Hannover. An der dortigen Hochschule arbeitet sie inzwischen auch als PR-Dozentin. Heute lebt sie in Hamburg und arbeitet als PR-Managerin für ein großes Immobilienunternehmen.

Motto: Liberté, Egalité, Investissez!

Dem "Miss Germany"-Finale sieht sie mit Selbstvertrauen entgegen: "Ich habe eine Gewinnermentalität." Doch wichtig sei ihr vor allem, für andere junge Frauen in Finanzfragen ein Vorbild zu sein. Ganz nach ihrem Motto: Liberté, Egalité, Investissez!

Von Lion Grote

Tipp

Bewusst investieren

Lan Anh Nguyens Tipp für alle Jung-Investoren: "Ich empfehle immer, sich einen Sicherheitspuffer anzusparen: drei bis sechs Monatsgehälter. Man sollte nur Geld investieren, das man nicht dringend zum Leben braucht."

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