Montag , 5. Dezember 2022
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Die Alarmierung von Ersthelfern mit einer Notfall-App soll die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzen. Das sind wichtige Minuten, in denen Helfer Patienten schon schnell reanimieren können und die Überlebenschancen erhöhen. (Foto: Adobe Stock)
Die Alarmierung von Ersthelfern mit einer Notfall-App soll die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzen. Das sind wichtige Minuten, in denen Helfer Patienten schon schnell reanimieren können und die Überlebenschancen erhöhen. (Foto: Adobe Stock)

Notfall-App soll im Landkreis Lüneburg Leben retten

Eine echte Überlebenschance haben Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand, wenn umgehend mit lebensrettenden Maßnahmen begonnen wird. Ein App-basiertes System, das der Kreis einführen will, soll dabei helfen, Leben zu retten.

Scharnebeck. Oft sind es Minuten, die über Leben und Tod entscheiden. Jede Sekunde zählt, wenn ein Patient etwa einen Herz-Kreislaufstillstand erleidet. Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen. Eine echte Überlebenschance haben Patienten, wenn umgehend mit lebensrettenden Maßnahmen begonnen wird, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft.

Leitstelle alarmiert Ersthelfer

Diese zeitliche Lücke zwischen Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes soll künftig ein flächendeckendes Netzwerk mit rund 400 ehrenamtlichen und professionell ausgebildeten Lebensrettern im Landkreis Lüneburg überbrücken. Die Leitstelle schickt Ersthelfer über eine Notfall-App gezielt und direkt zu einem Einsatzort, in dessen Nähe sie sich aktuell befinden, sodass sie schnell mit der Reanimierung beginnen können.

75.000 Euro für das Projekt im Etat

Einstimmig beschloss der Ausschuss für Feuer-, Katastrophenschutz und Ordnungsangelegenheiten des Lüneburger Kreistages auf Antrag der CDU die Einführung einer solchen Notfall-App bei seiner Sitzung in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Scharnebeck. Das letzte Wort hat jetzt der Kreistag. In seinen Etat stellt der Kreis für das Projekt insgesamt 75.000 Euro ein. Welche App zum Einsatz kommen wird, ist noch offen. Es gibt mehrere Anbieter.

Ziel: ASB und DRK als Dienstleister

Als externe Dienstleister für das Projekt sollen der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gewonnen werden. Sie seien die Experten und verfügten über die nötigen Kontakte zu denjenigen, die als Ersthelfern infrage kommen, sagte Maik Peyko (SPD). Mirko Dannenfeld, Fachdienstleiter Ordnung, ergänzte, dass die Ehrenamtlichen aus dem medizinischen Bereich kämen, fachlich ausgebildet seien: zum Beispiel Rettungssanitäter, Ärzte, Mitarbeiter in Praxen und Krankenhäusern. „Diese mobilen Retter erhalten darüber hinaus regelmäßige Schulungen“, betonte Dannenfeld.

Deutliche Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit

Er ist davon überzeugt, dass eine Notfall-App ein sehr hilfreiches Instrument ist. „Der frühzeitige Einsatz von besonders ausgebildeten Ersthelfern könnte nachweislich eine deutliche Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit bewirken“, verdeutlicht er in der Verwaltungsvorlage. Davon abgesehen gebe es zahlreiche weitere Einsatzsszenarien, bei denen zwar zunächst keine Reanimationsmaßnahmen notwendig seien, aber dennoch sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden müssten, um schwere Folgeschäden bis hin zum Tod zu vermeiden.

Nach 4,5 Minuten an der Einsatzstelle

„Fakt ist, dass sich das therapie-freie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durch den gezielten Einsatz von Ersthelfern in etwa halbieren lässt. Während die Eintreffzeit des Rettungsdienstes durchschnittlich 9 Minuten beträgt, ist es über den Einsatz einer Notfall-App möglich, Ersthelfer bereits nach durchschnittlich 4,5 Minuten an die Einsatzstelle zu bringen“, betonte er. Im Landkreis liege die Eintreffzeit des Rettungsdienstes in vielen Fällen deutlich über dem Durchschnittswert, ergänzte Dannenfeld.

Pro Jahr etwa 150 Notfälle

Dennoch: Aktuell kommt es laut Einsatzstatistik im Landkreis pro Jahr zu etwa 150 Notfällen, bei denen die Reanimierung notwendig ist. Von diesen 150 Personen überlebten nur etwa zehn Prozent, wobei nur etwa fünf Prozent ohne relevante Langzeitfolgen blieben, berichtete Dannenfeld. „Unter anderem ist diese schlechte Quote darauf zurückzuführen, dass Erste-Hilfe-Maßnahmen durch Laienhelfer nicht adäquat, zu spät oder gar nicht durchgeführt werden können.“

Norbert Thiemann (CDU) unterstrich, dass der Kreis die Notfall-App umgehend einführen, den Kontakt zu ASB und DRK so schnell wie möglich suchen sollte. „Die Hürde der Kosten für die externen Dienstleister müssen wir nehmen. Die Rettung von Menschenleben hat Vorrang“, betonte Thiemann und traf damit den Nerv der anderen Ausschussmitglieder.

Ländliche Bereiche profitieren besonders

Sein Fraktionskollege Thomas Bieler meinte, dass vor allem der ländliche Bereich profitiere. „Da kann die App besonders helfen, die Zeit bis zum Eintreffen eines Retters deutlich zu verkürzen.“ Anna-Lena Narewski (FDP) gab zu bedenken, dass in den Dörfern eher wenig medizinisches Personal zu finden sei. Sie regte an, die Feuerwehren als Ansprechpartner zu beteiligen. Antje Aden-Meyer (Grüne) glaubt, dass es möglich sei, ausreichend ehrenamtliche Lebensretter zu gewinnen. „Die Bereitschaft, zu helfen, ist groß. Das sieht man jetzt gerade in der Corona-Pandemie. Beim Testen und Impfen helfen viele ehrenamtlich mit“, sagte sie.

Von Stefan Bohlmann

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