Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die Elbbrücke am Stauwehr Geesthacht ist eine wichtige Lebensader in der Elbmarsch und darüber hinaus. Im Sommer soll sie zwei Monate gesperrt werden.
Die Elbbrücke am Stauwehr Geesthacht ist eine wichtige Lebensader in der Elbmarsch und darüber hinaus. Im Sommer soll sie zwei Monate gesperrt werden. (Foto: A/tja)

Elbbrückensperrung Geesthacht: Herausforderung für Verkehr

Bekanntlich soll die Elbbrücke wegen Bauarbeiten vom 4. Juli bis 24. August 2022 für den Verkehr vollgesperrt werden. Verkehrseinschränkungen beginnen aber schon vorher. Details wurden jetzt bei einer Infoveranstaltung genannt.

Marschacht. Die geplante Sanierung der Elbbrücke bei Geesthacht im Zuge der Bundesstraße 404 wird auch für Anwohner sowie Pendler eine monatelange Herausforderung. Das wurde bei dem von der Samtgemeinde Elbmarsch organisierten Online-Dialog am Mittwochabend deutlich. In der Spitze verfolgten live mehr als 700 Zuschauer die anderthalbstündige Infoveranstaltung, die über Youtube gestreamt wurde. Dabei nahmen auch Vertreter von Fachbehörden beidseits der Elbe aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein Stellung. Bekanntlich soll die Brücke vom 4. Juli bis 24. August 2022 für den Verkehr vollgesperrt werden. Verkehrseinschränkungen beginnen aber schon vorher.

Die Brücke wurde nicht für heutige Belastung konzipiert

Die 1966 eingeweihte Elbbrücke über dem Stauwehr Geesthacht verbindet nicht nur die Menschen zwischen der Samtgemeinde Elbmarsch und der Stadt Geesthacht, sie ist auch eine wichtige Pendlerroute vor allem in Richtung Hamburg. Zu Beginn der Infoveranstaltung appellierte Samtgemeindebürgermeisterin Kathrin Bockey an die Einwohner und Pendler, sich bei der Betrachtung nicht auf den volkswirtschaftlichen Schaden durch die Brückensperrung zu konzentrieren, sondern auf den notwendigen Erhalt dieser wichtigen Lebensader.

Die Alternative zur Sanierung wäre eine dauerhafte Sperrung

An der umfänglichen Sanierung führe laut Christoph Köster kein Weg vorbei. Der Geschäftsbereichsleiter „Erhaltung“ beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) sagte: „Wir haben zahlreiche Schäden festgestellt.“ Und zwar vom maroden Fahrbahnbelag über Korrosionsschäden an den Geländern, bis hin zu Brückenlagern, die irgendwann zu brechen drohen. Zudem sei das Bauwerk vor mehr als 60 Jahren für eine Brückenklasse konzipiert worden, die „nicht ansatzweise“ den heutigen Anforderungen entspreche. Aktuell überqueren täglich im Durchschnitt rund 20.000 Fahrzeuge die Elbbrücke. Darunter auch eine Masse an Schwerlastverkehr, die offenbar über die Fantasie der damaligen Brückenplaner hinausging. Die Alternative zur Sanierung und Ertüchtigung der Brücke wäre als laut Köster eine dauerhafte Vollsperrung der Elbquerung „wegen mangelnder Verkehrssicherheit“.

Tempo 30 soll bereits ab Februar gelten

Bei der anstehenden Erneuerung der Bauteile an der Brückenoberseite kann laut Köster der Verkehr mit Hilfe zweier Behelfsfahrstreifen und eines Gehwegs zunächst noch weitgehend aufrecht erhalten werden. Von Februar bis April/Mai wird für den Kfz-Verkehr aber deshalb mit einem Tempolimit von 30 km/h gerechnet. In der Zeit sollen im Wechsel die jeweiligen Fahrbahnränder erneuert werden.

Vollsperrung ab 4. Juli geplant bis Ende August

Zur Vollsperrung kommt es ab 4. Juli. Dann wird nicht nur die Fahrbahn erneuert, sondern vorher auch der Überbau im Inneren durch Betonage verstärkt. Zudem plant der Niedersächsische Landesbetrieb für Straßenbau und -verkehr Lüneburg den letzten Teil der Straßensanierung der B404 umzusetzen. Dabei geht es um die letzten 600 Meter bei Rönne sowie die Elbvorlandbrücke. Durch die Kombination der Bauvorhaben soll eine zweite, seperate Vollsperrung vermieden werden, heißt es.

Verschiedene Umleitungen für Pendler und lokalen Verkehr

In der Zeit bis 24. August sind verschiedene Umleitungen geplant: unter anderem für den Fernverkehr über die A39, A1 und A25, über die B209 sowie für Fahrzeuge bis 12 Tonnen über die B5 durch Lauenburg. Der lokale Verkehr soll sich an die L217, B209 und B5 (Lauenburg) halten. Für Pendler bedeutete dies aber Umwege von bis zu 90 Kilometern.

Alternativ wird für Pendler aus der Samtgemeinde Elbmarsch von Rönne aus eine Schnellbuslinie zum Bahnhof in Winsen eingerichtet, wo Anschluss an den Metronom nach Hamburg besteht – zusätzlich zur Buslinie 4405. Zudem sei Susanne Dahm, Verkehrskoordinatorin beim Landkreis Harburg, mit dem Fährbetreiber in Hoopte gesprochen worden, für den Notfall eine zusätzliche Fähre bereitzuhalten.

Provisorium für Fußgänger über die Elbe geplant

Für die Zeit der Vollsperrung soll mit Hilfe eines Gerüsts auf der Ostseite der Brücke eine provisorische Fußgängerüberführung vorgehalten werden. Auf der Elbinsel ist ein Shuttlebus-Halt geplant für die Buslinien 4400 nach Bergedorf und die 539 nach Geesthacht. Die Idee, beidseits der Brücke zusätzlich einen E-Scooter-Verleih anzubieten, sei finanziell noch nicht gesichert, hieß es.

Landkreis fragte sogar bei Bundeswehr nach Alternative

Nach Angaben der Verkehrskoordinatorin wurde sogar für die Zeit der Brückensperrung bei der Bundeswehr angefragt, ob der zeitweise Bau einer Pontonbrücke möglich wäre. Die Absage kam erwartungsgemäß: "nur im Katastrophenfall“. Ein privater Anbieter einer Pontonbrücke hätte zudem allein für acht Wochen Miete 650.000 Euro haben wollen.

Auf die vermehrte Nachfrage von Nutzern im Live-Chat nach einer Erweiterung des Parkplatzangebots in Rönne sagte Samtgemeindebürgermeisterin Bockey: „Wir sind mit verschiedenen Flächeneigentümern im Gespräch.“ Nutzer Jörg Babbe schrieb dazu im Live-Chat: „Sehe es schon kommen, Rönne und Niedermarschacht werden ein Riesenparkplatz. Jeder Platz wird ausgenutzt, es gibt versperre Fußwege etc. Wenn da nachher 500 - 2000 mögliche PKW parken wollen.“

Die Aufzeichnung von dem Online-Dialog ist weiterhin abrufbar unter https://t1p.de/sgelbmarsch

Von Dennis Thomas

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