Samstag , 3. Dezember 2022
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Christine Marquardt
Christine Marquardt hat schon als Kind gelernt, Plattdeutsch zu sprechen. (Foto: t&w)

Geschichten aus dem Alltag auf Plattdeutsch

Plattdeutsch ist nicht tot. Der Dialekt wird in der Region rege gepflegt, aber es ist noch Luft nach oben. Die Lüneburgerin Christine Marquardt trägt ihren Teil dazu bei – gerade ist ihr zweites Buch erschienen.

Lüneburg. Das Kind hat keine Lust aufzuräumen. Also macht es sich aus dem Staub und verschwindet durch das Fenster – dafür gibt es abends Ärger. Am Ende kann das Kind aber etwas für sich feststellen. Oder: Zwei Jungs gehen ins Kino. Der eine findet unter dem Sitz eine Tasche, darin liegt ein Handy. Er stellt fest, dass es einem Mädchen gehört. Die Anekdote nimmt ihren Lauf...

Geschichten aus dem Alltag, gerne auch mal mit einem Augenzwinkern, sie sind das Hobby von Christine Marquardt. Die 29-jährige Lüneburgerin, die als pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Apotheke arbeitet, hatte bereits Ende 2020 ihr erstes Buch "Plattdüütsch för jedereen" veröffentlicht; jetzt legt sie ein zweites nach, es trägt den Titel "Plattdüütsch vun hüüt för morrn". Auf 54 Seiten versammeln sich 18 plattdeutsche Geschichten aus ihrer Feder.

"Platt ist so ein schöner Dialekt"

Dabei ist der Titel des Buchs sehr ernst gemeint. "Das ist mein Ziel: Die plattdeutsche Sprache ein bisschen weiterzuentwickeln und auf aktuellem Niveau zu halten", so die 29-Jährige. "Plattdeutsch ist ein so schöner Dialekt, es wäre doch schade, wenn er irgendwann aussterben würde."

Deshalb bringt sie die Geschichten zu Papier, deshalb möchte sie ihren Teil dazu beisteuern, dass Plattdeutsch lebendig bleibt. Sie sagt: "Es gibt ja gerade in unserer Region viel Bewegung in Sachen Platt: Es gibt den Verein LünePlatt, die Niederdeutsche Bühne Sülfmeister, in der ich als Kind aktiv war, es gibt die Tüdelband, die Platt-Pop spielen, es gibt Lesungen und Vorträge in dem Dialekt."

Und es gibt noch mehr! Den plattdeutschen Vorlesewettbewerb, der von der Sparkasse durchgeführt wird; die plattdeutschen Ortsnamen auf den Ortsschildern; die plattdeutschen "Krings" zum Beispiel, die Adendorfer Plattsnacker oder der Plattdeutschkring der AWO; die Plattdeutsch-Kurse an der VHS; den Youtube-Kanal von LünePlatt "Platt vun tohuus". Und so weiter.

Aufgewachsen in Dehnsen

"In der Hermann-Löns-Schule gibt es zudem eine entsprechende AG, in der Plattdeutsch gepflegt wird. Doch es reicht natürlich nicht, wenn die Kinder in der Grundschule lernen, Platt zu sprechen, das zuhause aber nicht tun", so Christine Marquardt. Bei ihr war das anders. Sie ist in Dehnsen bei Amelinghausen aufgewachsen. In ihrer Familie sprachen alle Platt. "Mein Vater, mein Bruder, meine Großeltern und ich sprachen Plattdeutsch miteinander. Nur unsere Mutter sprach Hochdeutsch mit uns Kindern, damit wir in der Schule zurecht kamen." Auch in anderen Familien auf dem Dorf sei Platt gesprochen worden, in den wenigsten Fällen sei das aber an den Nachwuchs weitergegeben worden.

Geschichten spielen in der Gegenwart

"Ich kannte nur wenige Gleichaltrige, die Platt gesprochen haben", erinnert sich Marquardt. "In meiner Klasse gab es zum Beispiel gerade mal ein Kind, das den Dialekt konnte." Ihre Geschichten schreibt sie deshalb vor allem auch für jüngere Menschen. Deswegen siedelt sie ihre Schauplätze nicht unbedingt auf dem Bauernhof von anno dazumal an, sie spielen vielmehr in der Gegenwart, und ja, auch Corona kommt darin vor. "Es sind oft Beobachtungen aus dem Alltag, die ich verarbeite. Sie schwirren lange in meinem Kopf herum, und nach drei, vier, fünf Wochen schreibe ich sie dann auf."

Ihr Wunsch: Kinder und Jugendliche abholen, sie davon überzeugen, dass Plattdeutsch ein toller Dialekt ist, für den es sich lohnt, Lust und Zeit zu investieren. "Es wäre schön, wenn es einen Weg geben würde, auf dem es weitergeht", so Marquardt. Ihre Idee: Das Plattdeutsche auch in weiterführende Schulen oder sogar an die Uni zu tragen. "Mit der genauen Umsetzung bin ich im Kopf noch nicht weitergekommen", sagt sie und lacht. Aber es wird einen Weg geben.

Das Buch "Plattdüütsch vun hüüt för morrn" gibt es noch bis Ende Januar bei Lünebuch, zu bekommen ist es auch in der Bücherstube Krüger in Amelinghausen sowie unter www.plattschapp.de. Es kostet 8 Euro.

Von Thorsten Lustmann

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