Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Im November vergangenen Jahres haben die Arbeiten zum Aufstellen von drei Windkraftanlagen in Thomasburg begonnen.
Im November vergangenen Jahres haben die Arbeiten zum Aufstellen von drei Windkraftanlagen in Thomasburg begonnen. Ende des Jahres sollen sie ans Netz gehen. (Foto: t&w)

Thomasburg und die Energiewende

Die Bundesregierung will den Ausbau der Windkraft in Deutschland massiv vorantreiben – in der kleinen Gemeinde Thomasburg werden aber zurzeit schon drei Anlagen errichtet. Hier hat die Zukunft der Energiewende begonnen. Nicht jeder findet das gut – so mancher sieht diese Entwicklung kritisch.

Thomasburg. Diese Bauarbeiten in Thomasburg werden Robert Habeck (Grüne) freuen: Denn dort wird bereits umgesetzt, was der Wirtschafts- und Klimaminister nun mit Nachdruck fordert – den Bau von Windkraftanlagen. Drei Windquirle werden zurzeit rechts und links vom kleinen Breetzer Weg aufgestellt.

Aber nicht jeder ist über die Windräder in der Nachbarschaft glücklich – auch der Thomasburger Bürgermeister Dieter Schröder (SPD) nicht. „Die Flächen für die Räder hat der Landkreis uns aufgezwungen“, erklärte er vor wenigen Monaten gegenüber der LZ – „und dafür viel Gegenwind bekommen.“ Widerwillig habe man schließlich die Entscheidung akzeptiert, allerdings auch Forderungen gestellt: „Mehr als 200 Meter sollen die Anlagen nicht in den Himmel reichen“, denn Schröder weiß: „Heute liegen die Nabenhöhen in der Regel bei 240 bis 260 Metern.

Bauherr und Betreiber der drei Anlagen in Thomasburg ist die EWS Schönau GmbH. Für Thomasburg hat das Schwarzwälder Unternehmen eigens eine eigene Tochter gegründet – die „EWS Windpark Thomasburg GmbH &Co. KG.“

Arbeiten haben im November begonnen

Die vorbereitenden Arbeiten für die drei Anlagen wurden im November vergangenen Jahres begonnen: „Wir gehen im Moment davon aus, dass die Windenergieanlagen Ende des Jahres in Betrieb gehen können, und wir sind zuversichtlich, diesen Zieltermin einzuhalten, sagt EWS-Windpark-Geschäftsführer Tobias Tusch auf LZ-Anfrage.

Die Leistung jeder Windenergieanlage (WEA) beträgt seinen Worten zufolge 5,5 Megawatt (MW) – alle drei WEA verfügen somit über eine Leistung von zusammen 16,5 MW. „Wir kalkulieren mit einem Stromertrag von mehr als 30.000 MWh/Jahr“, sagt Tusch – und fügt hinzu: „Damit können Stand heute jährlich über .300 Tonnen Co₂ oder auch 9 Kilogramm radioaktiver Abfall, der bei der Stromerzeugung in Kernkraftwerken anfallen würde, vermieden werden.“

Dennoch: Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland hat laut einer Umfrage der Fachagentur Windenergie aus dem Jahr 2020 Bedenken, sollte eine Windkraftanlage in ihrem Wohnumfeld entstehen. Proteste von Naturschützern und Anwohnern gelten deshalb mit als größte Bremser beim Windkraftausbau – doch darauf will der Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck künftig nur bedingt Rücksicht nehmen. Persönliche Argumente dürften dem Bau von Windrädern nicht länger im Weg stehen. Das gelte für Lieblingsrouten beim Hundespaziergang ebenso wie für Kindheitserinnerungen an die Naturflächen, so der Minister, der zwei Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen vorhalten will und das schon bald auch gesetzlich zementieren möchte.

Es fehlt an ausgewiesenen Flächen

Tobias Tusch begrüßt des Engagement des Klima-Ministers in dieser Sache. „Es ist doch nicht so, dass es an Planern und Betreibern von Erneuerbaren Erzeugungsanlagen mangelt, sondern an zulässigen Flächen, auf denen Anlagen errichtet werden können“, gibt er zu bedenken. Daher sei es richtig dass die neue Bundesregierung unter anderem über eine Verpflichtung, mehr Flächen auszuweisen, den Zubau an Erneuerbaren Energien forcieren wolle.

Dass die „EWS Windkraft“ aus Schönau im Schwarzwald ausgerechnet im fernen Thomasburg zum Zuge kam, ist aus Sicht von Tusch einem glücklichen Zufall zu verdanken: „Einzelne Grundstückseigentümer beziehen ihren Ökostrom bereits über die EWS und haben uns daher als potenziellen Planer und Betreiber ins Spiel für die im Rahmen des RROP ausgewiesenen Fläche gebracht“, berichtet Tobias Tusch.

In den anschließenden Gesprächen habe man dann die Gemeinde und alle Beteiligten vom Konzept Windenergie überzeugt. Auch wenn die Gemeinde finanziell von den Anlagen profitieren wird, „weil wir zusätzliche Einnahmen generieren werden, die sozialen Projekten zugutekommen sollen, überdies die Bürger die Möglichkeit erhalten, günstiger an Strom zu kommen“, ist Bürgermeister Schröder bewusst: Was der Energiewende nutzt, schadet aber mitunter der Flora – und beeinflusst im schlimmsten Fall auch den Menschen. Durch Schattenschlag, Rotorenlärm und ein gestörtes Landschaftsbild.

Zufrieden mit der Zusammenarbeit

Trotzdem zieht Tusch ein bislang positives Fazit für das Projekt Thomasburg: „Bei der Planung des Windparks gab es sehr wenig Probleme – ein Indikator hierfür ist die im Vergleich zum aktuellen Bundesdurchschnitt sehr kurze Dauer des Genehmigungsverfahrens nach BImSchG von rund neun Monaten“, sagt der Geschäftsführer und führt weiter aus: „Ende 2018 haben wir als EWS begonnen, uns mit dem Thema Windenergie in Thomasburg zu befassen. Sollte es gelingen, einen Windpark vom Erstkontakt bis zur Inbetriebnahme innerhalb von rund vier Jahren zu realisieren, ist dieses aus unserer Sicht ein Zeichen für eine sehr gute und einem solchen Vorhaben aufgeschlossene Atmosphäre in der Region und eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.“

Von Klaus Reschke

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.