Montag , 5. Dezember 2022
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Die Wolfspopulation hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, nicht nur wie hier in der Lüneburger Heide, sondern auch in der Gemeinde Amt Neuhaus. Für Aufregung sorgt akutell der Abschuss einer jungen Wölfin. (Foto: Nabu/Jürgen Borris)
Die Wolfspopulation hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, nicht nur wie hier in der Lüneburger Heide, sondern auch in der Gemeinde Amt Neuhaus. Für Aufregung sorgt akutell der Abschuss einer jungen Wölfin. (Foto: Nabu/Jürgen Borris)

Toter Wolf beschäftigt jetzt die Justiz

Die Behörden hatten den Abschuss genehmigt, aber es traf den falschen Wolf: Jetzt hat die Tierrechtsorganisation PETA Strafanzeige gegen die Verantwortlichen gestellt. Gleichzeitig kämpft der CDU-Abgeordnete Dorendorf dafür, dass der Wolf ins Jagdrecht kommt.

Lüneburg/Neuhaus. Der Abschuss eines Wolfes in der Gemeinde Amt Neuhaus hat jetzt auch ein juristisches Nachspiel: PETA hat Strafanzeige bei der Lüneburger Staatsanwaltschaft gestellt – wegen "Verstoßes gegen Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes und des Tierschutzgesetzes". Wie berichtet, hatten die Behörden eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss eines Rüden und einer etwa sieben Jahre alten Fähe erteilt, die im Amt Neuhaus bereits mehrere Weidetiere gerissen haben. Das wurde per DNA-Analyse nachgewiesen. Doch es wurde der falsche Wolf erlegt – eine ein- bis zweijährige Jungwölfin, die nicht zum Abschuss freigegeben war.

Laut PETA war das bereits der fünfte Fehlabschuss im Amt Neuhaus in Folge, "andere Fehlabschüsse in Niedersachsen, wie beispielsweise letztes Jahr bei Löningen, kämen hinzu", heißt es in der Pressemitteilung. Die Strafanzeige der Tierschützer richtet sich deshalb nicht nur gegen den noch unbekannten Jäger, sondern dezidiert auch gegen Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, die die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss erteilt haben – und gegen den niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD).

PETA kritisiert wirtschaftliche Interessen

Denn neben der aktuellen Tötung der Wölfin ohne konkrete Erlaubnis kritisiert die Tierrechtsorganisation Wolfsabschüsse grundsätzlich, "weil dadurch ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen der Schafhalterinnen und Schafhalter geschützt werden".

„Wölfe sollen nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung sterben, damit Schäfer keine finanziellen Einbußen haben. Das ist ein höchst unethisches Motiv. Den Schäfern geht es nicht um das Wohl der Tiere", kritisieren die Tierschützer. Das vermeintliche Idyll auf der Weide dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schafe fast immer gewaltsam im Schlachthaus getötet würden – "mit allem, was in der Tierindustrie dazu gehört: Tiertransporte, Fehlbetäubungen, Angst und Schmerzen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter für Special Projects bei PETA. „Dem Schützen ist sofort die Jagderlaubnis zu entziehen, da er offenbar nicht in der Lage ist, eine Fähe von einem Rüden zu unterscheiden.

Es existieren viele Fallbeispiele

Es gibt zahlreiche Fallbeispiele, bei denen Jäger drauflos geschossen haben, obwohl sie nicht sicherstellen konnten, dass es sich um das richtige Tier handelte", bemängelt Haferbeck.

Nach Ansicht von PETA hat die Sondergenehmigung für den Abschuss in Niedersachsen gegen Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes und des Tierschutzgesetzes verstoßen. Die Organisation glaubt zudem, dass es einigen Jägern, Landwirten und Politikern entgegenkomme, wenn der Wolf seinen Schutzstatus verliere und als jagdbare Tierart ins Jagdrecht aufgenommen wird.

"Wichtiges Signal für Weidetierhalter"

Genau dafür aber setzt sich der Landtagsabgeordnete Uwe Dorendorf (CDU) ein: "Die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht ist ein wichtiges Signal für die Weide- und Nutztierhalter in Niedersachsen und darüber hinaus", glaubt der Abgeordnete. Und weiter: "Der Wolf, der lange Zeit bedroht war, hat sich mittlerweile in der niedersächsischen Kulturlandschaft nicht nur erholt, sondern stark ausgebreitet und gefährdet inzwischen existenziell wichtige Bereiche." Der Herdenschutz werde dabei wiederholt überwunden, so, wie es bei dem Rudel in Amt Neuhaus der Fall war, mahnt Dorendorf, der selbst Jäger ist.

Der CDU-Politiker fordert daher ein "vernünftiges Wolfsmanagement": "Die derzeitige Regelung, die eine Ausnahmegenehmigung zur Entnahme von Wölfen vorsieht, ist hier nicht zielführend", glaubt Dorendorf. Er fordert daher die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht.

Von Klaus Reschke

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