Samstag , 3. Dezember 2022
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Die Bewegung im Untergrund ist längst auch oberirdisch sichtbar am Ochtmisser Kirchsteig.
Die Bewegung im Untergrund ist längst auch oberirdisch sichtbar am Ochtmisser Kirchsteig. (Foto: be)

Senkungsgebiet: Schaum soll das Haus retten

Am Ochtmisser Kirchsteig in Lüneburg ist der Untergrund weiterhin in Bewegung. Die Stadtverwaltung hat die Anwohner über das Ausmaß jetzt in einem Schreiben informiert. Danach soll es binnen eines Jahres in der Nähe des Kreisels um bis zu 18 Zentimeter nach unten gegangen sein. Für Anwohner Martin Lühmann ist es höchste Zeit, zu handeln. Billig wird das nicht.

Lüneburg. Eigentlich kann Martin Lühmann von Glück reden. Rund vierzig Meter ist sein Grundstück an der Lauensteinstraße von der roten Zone entfernt, jenem Bereich, der das Zentrum des Senkungsgebiets am Ochtmisser Kirchsteig bildet. Doch Glücksgefühle empfindet der Lüneburger deswegen nicht. Weil die Senkungen weiter anhalten, drohen nun auch seinem Haus gravierende Schäden. Er muss handeln.

"Wenn ich nichts unternehme, bricht mir der hintere Teil des Hauses weg", sagt Lühmann. Lange hat der Lüneburger gehofft, dass die Senkungen nicht auch sein Haus treffen werden, "doch in den letzten Jahren hat die Bewegung nochmal deutlich zugenommen".

Mit einem Stillstand ist so bald nicht zu rechnen

Lühmann bestätigt damit aktuelle Zahlen, die jetzt von der Stadt vorgelegt wurden und über die Anwohner per Schreiben informiert wurden. Danach hat sich der Kernbereich unweit des Ochtmisser Kreisels um weitere 13 bis 18 Zentimeter gesenkt. Das ist zwar weniger als in den Vorjahren, in denen bis zu 30 Zentimeter im Maximum gemessen wurden, doch auch die jetzt verminderte Senkungsrate zeigt, dass mit einem Stillstand wohl nicht so bald zu rechnen ist.

Davon scheint auch die Stadt auszugehen. Sie will das Senkungsverhalten weiterhin mit Messungen überwachen, wie sie in dem Schreiben an die betroffenen Anlieger erklärt. Im "gewohnten Rhythmus", also alle vier Wochen, werden dazu weiterhin die mehr als 80 Messpunkte sowie die Daten eines sogenannten Stangen-Extensometers kontrolliert.

Beeinträchtigungen des gesamten Infrastruktur

Die daraus ermittelten Werte hätten Annahmen der Verwaltung bestätigt, wonach es im Untergrund durch Lösungsprozesse weiterhin zu Masseverlusten kommt. Die Folge seien "Beeinträchtigungen der gesamten Infrastruktur, so dass Gebäudeschäden weiterhin zunehmen werden, sowie auch Schäden der Ver- und Entsorgungsleitungen nicht auszuschließen sind", wie es in dem Schreiben weiter heißt.

Martin Lühmann will das nicht abwarten. Er hat sich entschieden, den hinteren Gebäudeteil zu retten. Dazu hat er sich bereits mit einer Fachfirma in Verbindung gesetzt, die in einem aufwendigen Verfahren Zwei-Komponenten-Schaum unter die gefährdeten Fundamente spritzen will. "Ziel ist es, das Haus lediglich zu stabilisieren, aber nicht anzuheben", sagt Lühmann. Andernfalls drohe das Haus durch die Anhebung noch mehr Schaden zu nehmen.

30.000 Euro dürfte die Stabilisierung des Hauses kosten

Dafür muss der Lüneburger Gastronom tief in die Tasche greifen. Rund 30.000 Euro kostet die Stabilisierung, eine Aktion, die vielleicht in ein paar Jahren wiederholt werden muss, wenn die Senkungen weiter anhalten. "Die Alternative wäre gewesen, den Teil des Hauses abzureißen und neu aufzubauen. Das wäre noch teurer."

Ein Verkauf jedenfalls kommt für Lühmann nicht infrage. "Auf keinen Fall, an dem Haus hänge ich sehr." Gebaut wurde es von 1901 bis 1911, "von meinem Großvater, mit eigenen Händen". So etwas gibt man nicht auf.

Von Ulf Stüwe

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