Sonntag , 4. Dezember 2022
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Im Windpark Bardowick soll ein Standort für die Produktion von grünem Wasserstoff entstehen.
Im Windpark Bardowick soll ein Standort für die Produktion von grünem Wasserstoff entstehen. Das plant die Samtgemeinde. (Foto: be)

Grüner Wasserstoff aus Bardowick

Von dem Erfolg des grünen Wasserstoffs als klimaschützende Technologie ist man in der Samtgemeinde Bardowick parteiübergreifend überzeugt – und stellt die Weichen für die Zukunft.

Bardowick. Grüner Wasserstoff soll das nächste Produkt sein, mit dem sich die Samtgemeinde Bardowick an der Energiewende beteiligen möchte. Über die Parteigrenzen hinweg herrscht Einigkeit, dass der Windpark zwischen Bardowick und Wittorf an der alten Bundesstraße 4 zum Produktionsstandort ausgebaut werden soll. Die dafür benötigte Fläche ist auserkoren, der Kaufvertrag für das Grundstück, auf dem eine Anlage der insgesamt acht Windräder steht, ist aufgesetzt – es fehlen nur noch die Unterschriften.

„Der Wasserstoff muss ja in Zukunft irgendwo herkommen, und der Standort bietet sich für ein solches zukunftsträchtiges Projekt an, er ist dafür sehr gut geeignet“, sagt Achim Gründel, Vorsitzender der Gruppe SPD/Grüne/Wir für Bardowick (WfB)/UWG im Samtgemeinderat. Das sieht auch Markus Grube so: „Grüner Wasserstoff aus unserem Windpark passt hervorragend, weil der Landkreis Teil der Wasserstoff-Modellregion Nordostniedersachsen ist“, betont der Vorsitzende der Ratsgruppe CDU/FDP. Bürgermeister Heiner Luhmann (CDU) meint, die Samtgemeinde habe die Möglichkeit, in eine neue Technologie einzusteigen und durch diese einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Eine Million Kilowattstunden Windstrom können nicht eingespeist werden

Die Samtgemeinde ist mit 25 Prozent am Windpark in Bardowick beteiligt. Aktuell können pro Jahr rund eine Million Kilowattstunden Windstrom nicht ins Netz eingespeist werden. „Diese Energie könnte sinnvoll für die Elektrolyse genutzt werden“, erklärt Gründel. Mit Hilfe elektrischen Stroms wird bei der Elektrolyse Wasser in Wasser- und Sauerstoff zerlegt. Die Technologie sei vorhanden, umsetzbare Konzepte seien in der Endphase der Entwicklung, sagt er. Markus Grube ergänzt, dass die Elektrolyse sich erst noch auf dem Markt etablieren müsse. Aber: „Die Technologie steht nicht bei Null, sie steckt bereits in den Kinderschuhen – und wir sollten jetzt mit diesen loslaufen, damit uns künftig die Welt des grünen Wasserstoffs offensteht.“

In Verbindung mit der Brennstoffzellentechnik spielt das Gas für den Klimaschutz eine wichtige Rolle. Es gibt Pläne, wie der schädliche CO2-Ausstoß im Verkehr durch den Einsatz von Wasserstoff minimiert werden kann. Vor allem als Antrieb für schwere Fahrzeuge wie Lkw, Busse und Züge soll dieser künftig klimafreundlich nutzbar sein.

„Bei der GfA sollen mittel- bis langfristig die Nutzfahrzeuge auf Brennstoffzellentechnologie umgestellt werden“, berichtet Achim Gründel. Und für die Fahrzeugflotte des Entsorgungsunternehmens könnte der Wasserstoff in Bardowick hergestellt werden – nur wenige Kilometer vom GfA-Betriebshof entfernt. Für Markus Grube der richtige Weg, um Erzeugung und Verbrauch miteinander optimal zu verbinden: „Wir produzieren dezentral vor Ort für Abnehmer am Ort.“

„Da geht in Zukunft noch viel mehr"

„Wir befinden uns mit dem Projekt zwar noch in einem frühen Stadium, doch wissen schon jetzt, dass wir mit anderen Akteuren aus der Region kooperieren wollen und auch müssen“, erklärt Heiner Luhmann. Achim Gründel ergänzt: „Wir werden Partner benötigen, die an der Elektrolyse-Technologie und der Wasserstoffaufarbeitung sowie dem Transport zu den Kunden arbeiten.“ Erfreulich sei, dass das Wissen hierfür im Landkreis Lüneburg bereits vorhanden ist. Das sei gut so, denn der Klimaschutz müsse in Wirtschaftsförderung für die Region münden, meint er. Zumal, so erklärt Grube, die Forschung in der Wasserstofftechnologie noch nicht zu Ende sei. „Da geht in Zukunft noch viel mehr“, ist er überzeugt.

Daher sei es wichtig, genau zum jetzigen Zeitpunkt mit der Zukunftsplanung zu beginnen, einen Standort zur Produktion für grünen Wasserstoff in Bardowick auf den Weg zu bringen – da sind sich Gründel, Grube und Luhmann einig.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Die Zukunft kann nur gemeinsam gelingen

Gute Ideen hat man zwar gerne selbst, aber manchmal haben die eben auch die anderen. Und damit keine verloren gehen und ein Austausch gewährleistet ist, will der Landkreis Lüneburg der "Innovationsagentur Nordostniedersachsen GmbH" beitreten. Mehr noch: der Landkreis will Mitbegründer und Gesellschafter der Innovationsagentur werden und die erforderlichen Haushaltsmittel bereitstellen. Für die Umsetzung sind jährlich 51.000 Euro veranschlagt, zzgl. 2500 Euro Stammkapital.

Diese Innovationsagentur hat zwei Sparten: Wissens- und Technologietransfer sowie Wasserstoffinnovation. Bei Letzterer beteiligt sich der Landkreis. Der Betritt wurde schon beschlossen, noch muss die Innovationsagentur allerdings gegründet werden, das steht für Sommer 2022 an.

Der Wissensaustausch über Wasserstoff, der dort angesiedelt werden soll, ist nicht neu. Bisher hieß der Rahmen darum "ARTIE", Regionales Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung", bei dem Lüneburg seit 2019 dabei war. ARTIE wurde federführend vom Landkreis Osterholz getragen. Die Arbeit soll aber nun besser verteilt werden.

Es geht etwa um die Frage, wo ist eine Wasserstofftankstelle sinnvoll? Die ARTI-Mitglieder haben bereits eine gemeinsame Strategie im Bereich der Wasserstoffwirtschaft betrieben und zusammen das Wasserstoffnetzwerk Nordostniedersachsen gegründet. "Damit auch in Zukunft solche innovativen Ansätze unter einem Dach verfolgt werden können, ist eine Innovationsagentur die ideale Plattform. Als Rechtsform wurde die GmbH ausgewählt", heißt es vom Landkreis.

Ihren Sitz soll die Innovationsagentur in Buchholz haben. Neben einem Projektmanager sollen mindestens zwei Mitarbeiter eingestellt werden.

Zukunftsthemen wie die Wasserstoffwirtschaft können nur gemeinsam bewegt werden. Das sagt Janna Hoveida, Fachdienstleiterin Kreisentwicklung, Wirtschaft, Klimaschutz beim Landkreis. Damit Wasserstoff-Technik weiterentwickelt wird und sich etablieren kann, seien gleichzeitig mehrere Schritte notwendig: „Wir brauchen eine Wasserstoff-Produktion mit genügend Energie, zum Beispiel durch Windkraft, Tankstellen für den Vertrieb, aber auch Abnehmer dafür – etwa große Speditionen oder Verkehrsbetriebe. Das schafft kein Unternehmen, keine Kommune und kein Landkreis alleine, deshalb gibt es Zusammenschlüsse.“ lat

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