Sonntag , 4. Dezember 2022
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Wenn Weidetiere durch Wölfe gerissen wurden, sollen künftig Bezirksförster die "Beweisaufnahme" machen. Entsprechende Pläöne hat jetzt Umweltminister Lies bekannt gegeben. (Foto: Adobe Stock)

Bezirksförster künftig auch Wolfsberater

Das Wolfsmanagement wird nicht mehr von ehrenamtlichen Wolfsberatern ausgeübt, sondern von der Landwirtschaftskammer, die dafür ihre Bezirksförster losschickt. Das finden nicht alle gut.

Hannover/Lüneburg. Das niedersächsische Umweltministerium will die Arbeit der Wolfsberater neu organisieren. Ab dem 1. Februar sollen Bezirksförster im Dienste der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) die Rissbegutachtung bei Nutztieren durchführen, die durch Wölfe verletzt oder getötet wurden. Diese Aufgabe wurde bislang von den ehrenamtlichen Wolfsberatern durchgeführt. Doch es gibt Kritik an dem Vorhaben. Zweifel äußert beispielsweise Uwe Martens vom Freundeskreis freilebender Wölfe: "Das Projekt ist zum Scheitern verurteilt", glaubt der ehemalige Wolfsberater, und setzt nach: "Das ganze ist kurzsichtig geplant!" Schließlich hätten die Förster schon jetzt genug zu tun – "und dann sollen sie auch noch rund um die Uhr abrufbar sein, um Risse zu begutachten und DNA-Proben zu sichern?"

Rund 105 Wolfsberater in Niedersachsen

Derzeit gibt es in Niedersachsen rund 105 ehrenamtliche Wolfsberater. Über den Schritt des Umweltministeriums wurden die Ehrenamtler bereits informiert. Eine von ihnen ist Ulrike Kruse aus Wendisch Evern, die die Entscheidung von Umweltminister Olaf Lies (SPD) mit gemischten Gefühlen sieht: "Ich hätte schon gerne weiter gemacht", sagt sie. Ob die Förster bei der Rissbegutachtung schneller sein werden als die Wolfsberater? "Das wird sich zeigen müssen", sagt die Wendisch Evernerin.

Grund für diese neue Regelung sei die steigende Zahl der Wolfsübergriffe, heißt es aus dem Ministerium. "Angesichts einer wachsenden Wolfspopulation nimmt aber auch der Bedarf an allgemeiner Aufklärung zum Thema Wolf und der Beratung der Bevölkerung, zum Beispiel bei Nahbegegnungen, stetig zu. Denn die Erfahrung zeigt, dass Betroffene vor allem schnelle Antworten erfahrener Experten erwarten", betont Umweltminister Olaf Lies.

Zusätzliches Fachpersonal für Dienststellen

Auch beim Monitoring, also der Gewinnung von Daten über den Wolf, wolle man zukünftig noch mehr auf die Expertise der Wolfsberater zurückgreifen. "Die Betreuung der Weidetierhalter nun komplett in die Hände der Kammer zu legen, ist zehn Jahre nach Rückkehr der Wölfe der konsequente und richtige Schritt in der Entwicklung des Wolfsmanagements. Er unterstreicht die sehr guten bisherigen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit der Kammer in Sachen Wolf“, sagt der Minister.

Um den zusätzlichen Aufwand durch die Rissbegutachtung leisten zu können, bekommen die Dienststellen in Regionen mit vielen Übergriffen zusätzliches Fachpersonal. Zusätzlich durchlaufen alle Förster eine mehrtägige veterinärmedizinische Schulung, damit sie die durch Wölfe verursachten Rissspuren und sonstige Hinweise zielsicher erkennen können. „Damit stellen wir sicher, dass wir die Beratungs- und Betreuungsarbeit für unsere Waldbesitzer weiterhin in der gewohnten Qualität leisten können“, hebt Forst-Geschäftsbereichsleiter Rudolf Alteheld hervor.

Auf teure DNA-Analyse wird verzichtet

Minister Lies abschließend: „Während der Themenkomplex Herdenschutz nun operativ vollständig von der Landwirtschaftskammer verantwortet wird, bleibt es hinsichtlich der Prüfung von Gefährdungslagen und Ausnahmegenehmigungen bei den bewährten Zuständigkeiten. Das Umweltministerium und das Niedersächsische Landesamt für Wasser,-Küsten- und Naturschutz bewerten die Verursacherschaft von Nutztierschäden und Nahbegegnungen und prüfen eventuelle Managementmaßnahmen, wenn empfohlene Schutzmaßnahmen überwunden wurden. Dazu gehören auch Genetikproben. Auf eine zeitaufwändige und teure DNA-Analyse von eindeutigen Fällen für Entschädigungen können wir künftig jedoch verzichten.“

So läuft eine Rissbegutachtung ab

Nutztierhalterhalter, die auf ihrer Weide verletzte oder tote Tiere finden, melden dies der für das Gebiet zuständigen LWK-Bezirksförsterei. Der Förster begutachtet die Schäden vor Ort und fertigt bei entsprechenden Spuren eines Wolfsangriffs ein Rissprotokoll an. Dieses bildet die Grundlage für die Entschädigung der Betroffenen.

Genproben werden zwar weiterhin genommen, um etwa zu bestimmen, zu welchem Rudel die Wölfe gehören, von denen ein Schaden an Nutztieren ausgegangen ist. In der Regel ist künftig jedoch das Rissprotokoll der Förster für den Ausgleich der finanziellen Schäden ausschlaggebend, nicht das Ergebnis der relativ zeitaufwändigen Laboranalyse. Dies soll das Verfahren der Entschädigung deutlich beschleunigen. 

Von Klaus Reschke

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