Montag , 5. Dezember 2022
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Seit rund drei Wochen wird das alte Haus entrümpelt, Schutt und Mauerreste landen in Mulden. (Foto: t&w)
Seit rund drei Wochen wird das alte Haus entrümpelt, Schutt und Mauerreste landen in Mulden. (Foto: t&w)

Das alte Juwel in Rettmer wird gerettet

Seit 1555 hat dieses Haus viel erlebt. Dennoch drohte die Geschichte des Landhauses Fuhrhop in Rettmer zu enden, es verfiel immer stärker. Nun haben es zwei Unternehmer gekauft und wollen es sanieren.

Lüneburg. Rund 16 Jahre lang stand es leer. Mitten in Rettmer, unübersehbar, direkt an der Lüneburger Straße. Die Zeit und die Jahreszeiten nagten immer stärker an der Substanz des Landhauses Fuhrhop. Doch nun soll Lüneburgs ältestes Bauernhaus vor dem Verfall gerettet und saniert werden. Das haben sich zwei bekannte Unternehmer aus der Region vorgenommen: Carsten Herbst aus Lüneburg und Stephan Scheer aus Bleckede.

Seit einigen Wochen stehen schon Mulden neben dem Gebäude. Arbeiter sind damit beschäftigt, Schutt aus dem alten Haus herauszuholen. „Wir räumen hier erst einmal auf, mehr sagen wir nicht dazu“, lautete die Antwort auf die Frage, wer denn das alte Landhaus gekauft hat. „Gerüchte“ wurden von keiner Seite bestätigt.

Doch jetzt stehen hier zwei Bauzaun-Elemente mit Plakaten: „Die Fachwerker, Herbst und Scheer GbR, Industriestraße 24-26, Bleckede“ steht darauf. Dazu ein stilisiertes Bild eines alten Fachwerkhauses, das große Ähnlichkeit mit dem Fuhrhop-Anwesen hat. „Wir haben die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet“, bestätigt Carsten Herbst, Geschäftsführer der Firma Holz Herbst. Er und der Bleckeder Unternehmer Stephan Scheer.

Was soll hier entstehen? Eigentums- oder Mietwohnungen? „Wir wissen jetzt noch nicht, wie die genauen Pläne am Ende sein werden“, sagt Carsten Herbst. Erst in zwei, drei Monaten könne er mehr sagen. Aber eines ist für beide Unternehmer schon jetzt klar: „Wir werden das schöne alte Haus vor dem drohenden Verfall retten. Und wir werden es sanieren.“

Lange Geschichte und viele Besitzer

Carmen Maria Bendorf freut sich über diese Nachricht. „Es ist einfach wunderbar, dass dieses Juwel gerettet wird“, sagt Rettmers Ortsvorsteherin. Die beiden neuen Besitzer hätten ja viel Erfahrung mit alten Häusern. „Ich gehe davon aus, dass das Haus nun in guten Händen ist“, betont sie. Sie würde sich zwar wünschen, dass es dort wieder eine Gastronomie gibt, doch „wichtig ist, dass das Haus gerettet wird“. Denn es ist ein Haus mit einer sehr langen Geschichte.

1555 wurde es erbaut. Das Zweiständer-Bauernhaus trotzte über die nächsten Jahrhunderte allem – von Stürmen bis Kriegen. Und es hatte schon einige Besitzer. Die Familie Fuhrhop machte daraus schließlich ein beliebtes Landhaus, das viele Feiern erlebte und Gäste beherbergte.

Anfang der 2000er-Jahre wurde es dann ganz still im Haus. 2008 übernahm es der Lüneburger Investor Peter Ohlms. Es gab Pläne, viele andere Projekte – und den Denkmalschutz. Elf Jahre später stand das 800 Quadratmeter große Haus mitsamt dem 2100 Quadratmeter großen Grundstück wieder zum Verkauf. war damals nicht nur im Internet zu lesen, sondern auch auf Plakaten vor dem Haus. 375.000 Euro sollte es kosten.

Was die beiden Unternehmen nun dafür bezahlt haben, ist nicht bekannt. Klar ist nur, dass die Sanierung ziemlich teuer wird. Ohlms und andere Interessenten gingen schon vor drei Jahren von einer Summe „irgendwo zwischen zwei und drei Millionen Euro“ aus. Wie viel es am Ende genau sein wird, ist aber eigentlich nachrangig. Denn hier geht es um ein kostbares Stück Lüneburger Geschichte, das nun gerettet wird.

Von Werner Kolbe

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