Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die Trägervereinsvorsitzende Dörte Stellmacher (Mitte) freut sich gemeinsam mit BTO-Leiterin Oxana Klein (rechts) über die große Spende der ADM Hamburg AG, überreicht von Geschäftsführerin Jaana Kleinschmit von Lengefeld.
Die Trägervereinsvorsitzende Dörte Stellmacher (Mitte) freut sich gemeinsam mit BTO-Leiterin Oxana Klein (rechts) über die große Spende der ADM Hamburg AG, überreicht von Geschäftsführerin Jaana Kleinschmit von Lengefeld. (Foto: BTO)

Landwirtschaftliches Sorgentelefon: Wichtige Hilfe in Notlagen

Kostenfrei und anonym beraten seit fast 30 Jahren die ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des landwirtschaftlichen Sorgentelefons auch am Standort Barendorf Familien bei betrieblichen Sorgen und familiären Konflikten. Die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Eine Spende von fast 30.000 Euro hilft nun, das Angebot bekannter zu machen.

Barendorf. Das landwirtschaftliche Sorgentelefon bietet mit seiner anonymen und kostenfreien telefonischen Beratung seit 1993 landwirtschaftlichen Familien wichtige Hilfe bei betrieblichen Sorgen oder familiären Konflikten an. Mittlerweile stehen an den drei niedersächsischen Standorten in Barendorf (Landkreis Lüneburg), Oesede (Landkreis Osnabrück) und Rastede (Landkreis Ammerland) rund 30 qualifizierte, ehrenamtlich tätige Beraterinnen und Berater an fünf Tagen in der Woche Hilfesuchenden mit Rat zur Verfügung. Zuletzt verzeichnete die Hotline jährlich bis zu 250 Anrufe. Tendenz steigend.

Corona hat die Probleme verschärft

„Die Corona-Lage hat die Situation auf den Höfen noch verschärft“, sagt Dörte Stellmacher. Sie ist seit 2018 Vorsitzende des am Standort Barendorf an das Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide (BTO) angegliederten zuständigen Trägervereins. Gerade Schweinebauern seien betroffen. Aber auch Kartoffelbauern, die unter den Einschränkungen in der Gastronomie leiden, und durch mangelnden Absatz ihre Existenz bedroht sehen würden, sagt Dörte Stellmacher. Sie gehört auch dem Vorstand des niedersächsischen Landfrauen-Landesverbandes Hannover an. Aus dessen Reihen kommt seit 1993 kraft Amtes die Vorsitzende des Trägervereins. Dörte Stellmacher ist noch bis 2025 gewählt.

Hofübergabe und Generationswechsel lassen Betroffene zum Hörer greifen

Häufig fühlten sich landwirtschaftliche Familien oder einzelne Mitglieder bei persönlichen Krisen oder familiären Problemen durch Krankheit allein gelassen. Sie wüssten nicht, wen sie damit ansprechen sollen. „Oft sind es die jungen Frauen oder Schwiegermütter, die beispielsweise unter der schwierigen Aufgabe der Hofübergabe und des Generationswechsels leiden, und zum Hörer greifen“, sagt Dörte Stellmacher. „Hilfreich ist dann oftmals schon eine neutrale Person, die einfach zuhört, aber eben auch vom Fach ist .“ Die ausgebildeten ehrenamtlich Tätigen kommen alle aus der Landwirtschaft oder haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Die speziellen Sorgen und Nöte auf Höfen kennen sie daher genau. „Die Gespräche sind von beiden Seiten anonym und vertraulich, die Berater zur Verschwiegenheit verpflichtet“, betont die Vorsitzende. Im Gespräch würden Wege zur Selbsthilfe aufgezeigt. Manchen gehe es schon besser, wenn sie sich ihren Kummer einfach nur von der Seele geredet hätten. Ein weiterer Schritt könne danach aber auch die Vermittlung zur landwirtschaftlichen Familienberatung und zur sozioökonomischen Beratung sein. Dieses Angebot ist aber im Gegensatz zur Beratung am Sorgentelefon kostenpflichtig.

Drei Standorte in Niedersachsen

Um alle drei landwirtschaftlichen Sorgentelefone in Niedersachsen noch bekannter und präsenter zu machen, ist eine größere landesweite Werbemaßnahme geplant. Entsprechend freute sich Dörte Stellmacher jetzt sehr über eine große Spende der ADM Hamburg AG in Höhe von 29.479 Euro, die sie stellvertretend für die anderen beiden Einrichtungen entgegennahm. Als Ölmühle Hamburg 1910 gegründet, ist das Unternehmen mittlerweile einer der größten Verarbeiter landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Soja oder Raps weltweit. Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende Jaana Kleinschmit von Lengefeld sagte: „Die Nöte in manchen landwirtschaftlichen Betrieben sind groß. Daher freue ich mich, dass wir hier direkt an der Basis unterstützen können.“

Zur Sache: Idee stammt aus den USA

Die Idee, Sorgentelefone speziell für landwirtschaftliche Familien einzurichten, stammte ursprünglich aus den USA. Mitte der 1980er-Jahre entstanden in Süddeutschland erste Beratungsstellen für landwirtschaftliche Familien. Auf Initiative von Heimvolkshochschulen und des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden 1993 in Niedersachsen die landwirtschaftlichen Sorgentelefone zur anonymen telefonischen Beratung an drei Standorten (Barendorf, Oesede und Rastede) ins Leben gerufen.

Finanzielle Unterstützung erhalten die Sorgentelefone für die Kosten bei der Aus- und Weiterbildung der Berater vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die landesweite Koordination leistet die Agrarsoziale Gesellschaft e. V. Göttingen. Ein Sorgentelefon-Standort ist das Bildungs- und Tageszentrum Ostheide. Dort finden auch Aus-/Fortbildungs- und Supervisionskurse für die Berater:innen statt.

Das Sorgentelefon in Barendorf für Landwirte in der Region ist an fünf Tagen in der Woche unter (04137) 812540 oder per E-Mail sorgentelefon@bto-barendorf.de erreichbar. Sprechzeiten sind montags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 19.30 bis 22 Uhr.

Von Marcel Baukloh

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