Sonntag , 4. Dezember 2022
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Unter dem Namen „Glashütte bei Isermann“ wollen Michael Lorenz und Daniel Henrich ab April Räumlichkeiten und Service ausschließlich für Veranstaltungen vermieten. (Foto: t&w)
Unter dem Namen „Glashütte bei Isermann“ wollen Michael Lorenz und Daniel Henrich ab April Räumlichkeiten und Service ausschließlich für Veranstaltungen vermieten. (Foto: t&w)

Wieder Leben im Lim’s

Der Gastronomie- und Eventbetrieb auf dem Land ist von der Pandemie schwer gebeutelt. Die Festsäle bleiben leer, der Umsatz bricht ein. Trotzdem investieren Michael Lorenz und Daniel Henrich in die Veranstaltungsbranche der Region: Das Unternehmer-Duo hat das Gebäude des ehemaligen Restaurants „Lim’s“ in Erbstorf gepachtet, um dort mitten in der Corona-Pandemie einen Event-Betrieb aufzuziehen.

Erbstorf. Schon länger wird in der Küche des ehemaligen Restaurants „Lim’s“ nicht mehr gekocht. Keine Gäste an den Tischen, keine Autos vor der Tür. Doch jetzt gibt es zwei, die das ändern wollen: Michael Lorenz und Daniel Henrich haben sich vorgenommen, dem leerstehenden Gebäude an der Erbstorfer Landstraße wieder Leben einzuhauchen – mit einem Event-Betrieb. Mitten in der Corona-Pandemie.

Die neuen Pächter haben vor vier Jahren das Catering-Unternehmen Isermann übernommen, betreiben seitdem ein eigenes Schlachthaus im Landkreis Uelzen und beziehen für ihr Geschäft in Kirchgellersen Fleisch von fünf Landwirten aus der Region. „Diesen Kreislauf wollen wir mit der neuen Location schließen“, erklärt Henrich.

Es gibt schon einen neuen Namen

Ein À-la-carte-Angebot ist für den Betrieb in Erbstorf in Zukunft allerdings nicht mehr vorgesehen. Unter dem Namen „Glashütte by Isermann“ wollen Henrich und Lorenz Räumlichkeiten und Service ausschließlich für Veranstaltungen vermieten. Saal, Glaspavillon, Wintergarten und Terrasse werden in den kommenden Tagen kleineren Renovierungsarbeiten unterzogen, um dann für Firmenmeetings, Geburtstage oder Hochzeiten in Größenordnungen zwischen 30 und 300 Personen als Location zu dienen.

Grillmeisterschaften und Showcooking geplant

Viel verändern will das Unternehmer-Duo an dem Gebäude allerdings nicht. „Den Stil vom Lim’s wollen wir erhalten“, sagt Henrich. „Den fanden wir schon sehr ansprechend.“ Potenzial erkennen er und sein Mitstreiter Lorenz darüber hinaus in dem rund 2000 Quadratmeter großen Außengelände. Dort planen sie, die Sommermonate über eigene Events zu starten, zum Beispiel Grillmeisterschaften und Showcooking.

Es wird noch Servicepersonal gesucht

Wann die neuen Pächter die ersten Gäste empfangen wollen? Spätestens im April. „Aber das hängt ganz stark von der Regierung ab“, betont Henrich. „Wenn man dann nur mit zehn Leuten feiern kann, macht das natürlich keinen Sinn.“ Auch die Zahl der Servicekräfte muss noch aufgestockt werden. In diesem Punkt macht sich Henrich aber wenig Sorgen: „Dadurch, dass mache Gastronomien in der Pandemie aufgehört haben, sind sicher einige Mitarbeiter auf der Suche.“

Die Flinte nicht ins Korn werfen

Der Gastronomie- und Eventbetrieb ist von der Pandemie schwer gebeutelt. Die Festsäle bleiben leer, der Umsatz bricht ein. Davon können auch Lorenz und Henrich ein Lied singen. Trotzdem: „Wir wollen in dieser Zeit nicht die Flinte ins Korn werfen“, sagt Henrich. Dass sie jetzt trotz allem Geld in die Hand nehmen, um mit ihrem Betrieb zu expandieren, sei vor allem einer Hoffnung geschuldet: „Die Leute werden wieder feiern wollen“, glaubt der 39-Jährige.

Das hofft auch Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack. Die Pläne der neuen Pächter stoßen bei ihm auf offene Ohren: „Das Gebäude ist ja eigentlich eine Perle. Wenn die wieder zum Leben erweckt wird, ist das eine echte Bereicherung für die Gemeinde“, findet er. „Das brauchen wir, wenn Corona wieder vorbei ist.“

Hintergrund

Zur Geschichte des Hauses

Mehr als 100 Jahre reicht die Tradition des Hauses an der Erbstorfer Landstraße zurück, das in früheren Zeiten als Heine‘s Gasthaus im weiten Umkreis bekannt war. 2001 machte Gastronom Wolfgang Grimme aus dem Haus das „Tafelwerk“, drei Jahre später übernahm Allan B. K. Lim das Anwesen, das „Lim‘s“ entstand. Für Frühstück, Mittag- oder Abendessen oder zum Brunch kamen Gäste auch von weither nach Erbstorf. Der historische Saal war zudem ein beliebter Treffpunkt für Feiern und Sitzungen. 2017 allerdings zogen dunkle Wolken über dem Lim‘s auf, als hohe Steuerschulden das Unternehmen belasteten. Der Betrieb in Erbstorf lief aber weiter – bis im November 2020 die Corona-Pandemie zuschlug.

Von Anna Petersen