Montag , 5. Dezember 2022
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Gärtner Mark Heftrich (v. li.), VHS-Geschäftsführerin Christiane Finner und Studentin Melanie André trinken ihren Tee in der Nähe der neuen begrünten Innenraum-Wand. Die Pflanzen sollen nicht nur zu einer guter Stimmung beitragen, sondern auch die Luft reinigen.
Gärtner Mark Heftrich (v. li.), VHS-Geschäftsführerin Christiane Finner und Studentin Melanie André trinken ihren Tee in der Nähe der neuen begrünten Innenraum-Wand. Die Pflanzen sollen nicht nur zu einer guter Stimmung beitragen, sondern auch die Luft reinigen. (Foto: t&w)

Warum es in der VHS jetzt regnet

Die neue begrünte Wand im Foyer der VHS sieht nicht nur schön aus, sie klingt ab und an auch gut. Das Projekt zweier Leuphana-Studentinnen soll ein Beispiel für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft sein.

Lüneburg. Wer das Foyer der Volkschhochschule Lüneburg betritt, muss unweigerlich nach links gucken. Denn die 12 Quadratmeter große Wand, die neuerdings über und über mit Grünpflanzen behangen ist, zieht jeden Blick auf sich. Und dann ist da noch dieses Geräusch... "Als würde es regnen", sagt Christiane Finner, Geschäftsführerin der VHS. Und tatsächlich, wenn die Pumpe zu bestimmten Zeiten Wasser aus den Tanks über die Leitungen die Pflanzen-Wand hochpumpt, und sich das Wasser über Querverzweigungen Stück für Stück von den obersten bis zu den untersten Blumentöpfen verteilt, klingt es wie ein tropisches Regengeplätscher.

550 Pflänzchen sorgen in der VHS nun für eine verbesserte Raumluft, für gute Stimmung – und ganz nebenbei für die Verbreitung des "Cradle to Cradle"-Prinzips, übersetzt, "von der Wiege zur Wiege." Die Leuphana-Studentin Melanie André, die zusammen mit einer Kommilitonin das Projekt bei der VHS angesiedelt hat, erklärt das Prinzip: "Es geht im Kern um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Verwendete Ressourcen sollen auch am Ende zurückgebaut und weiterverwendet werden können. Hier wollen wir zudem durch eine grüne Lernumgebung in puncto Nachhaltigkeit inspirieren und motivieren."

Pflanzen sollen Schadstoffe aus der Luft filtern

Die begrünte Wand habe zudem den Effekt, Schadstoffe aus der Luft zu filtern. "Innenräume sind oft belastet, sei es durch die Wandfarbe oder durch Drucker, die in der Ecke stehen. Unsere Pflanzen können hier helfen." Außerdem gehe es bei dem Gedanken auch darum, sich seine Umwelt auf natürliche Weise schöner zu machen.

Finanziert wurde die Idee der Studentinnen neben der Lüneburger Bürgerstiftung und dem Landkreis über eine Crowdfunding-Aktion. Mit vielen Einzelspenden, wie Melanie André betont. Dass die Pflanzenkonstruktion am Ende in der VHS gelandet ist, hat zwei Gründe. "Zum einen wollten wir einen Ort finden, an dem viele unterschiedliche Menschen zusammen kommen. Und hier ist viel Durchlaufverkehr. Zum anderen war Christiane Finner sofort begeistert von der Idee", erzählt die Studentin. Fast zwei Jahre hat es gedauert, das Uni-Projekt zu realisieren. Die Finanzierung musste geklärt werden, Corona hat vieles ausgebremst. "Und dann musste noch der Brandschutz abgesegnet und die Spezialwand vor die eigentliche Wand gebaut werden", ergänzt Christiane Finner. Nun ist sie aber endlich da. Und auch Gärtner Mark Heftrich ist zufrieden mit seinem Werk.

Speziallampen für den Wohlfühlfaktor

Der musste noch die Speziallampen an der Decke so einstellen, dass alle Pflanzen etwas natürliches Licht abbekommen. "Das ist in etwa das Licht der Mittagssonne. Ohne das würden die Pflanzen hier nicht lange überleben." Philodendron Brasil oder Aeschynanthus sind keine heimischen Pflanzen. Wäre das nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken zuträglicher? "Pflanzen, die ganzjährig grün und in Innenräumen überleben sollen, gibt es aus Deutschland kaum. Unsere Pflanzen sind als Setzlinge aus Holland und Dänemark gekommen", erklärt der Gärtner. Er will die einzelnen Pflanzenarten noch katalogisieren und als Flyer in der VHS auslegen. Ob etwa die Tanks aus recyceltem Plastik sind, kann nicht genau gesagt werden. Die perfekte nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist gar nicht so einfach. Doch die begrünte Wand leistet im Kleinen einen Beitrag zum "Cradle to Cradle"-Prinzip. Und sie ist erst der Anfang. "Wir wollen demnächst weitermachen und auch unseren Innenhof begrünen. Wir stellen uns da fast so etwas wie eine Erweiterung zum Clamart-Park vor", sagt Christiane Finner.

Von Laura Treffenfeld

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