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Ein Flut von Stellengesuchen gibt es seit Wochen bei deutschen Zeitungen. In den Anzeigen suchen Ungeimpfte neue Jobs wegen der ab dem 15., März geltenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht. (Foto: AdobeStock)

Anzeigen-Flut: „Ungeimpft, suche einen neuen Job“

Bundesweit sorgt die Kleinanzeigen-Flut mit dem Zusatz "Ungeimpft, suche einen neuen Job“ für Wirbel. Auch in der Landeszeitung und Lünepost tauchen solche Annoncen auf. Das Medienhaus Lüneburg spendet Einnahmen aus diesen Stellenanzeigen.

Lüneburg. Das Spektrum reicht von Fachkrankenschwester, Altenpflegerin, Diplom-Sozialpädagogin bis hin zur Reinigungskraft. Aber alle eint: Sie sind ungeimpft. Und suchen zum 16. März einen neuen Job. Fast zwei Dutzend solcher Kleinanzeigen sind in der LZ und Lünepost erschienen, alle als Chiffre-Anzeigen. Der gemeinsame Tenor lautet: Wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ab 15. März können sie in ihrem alten Job nicht weiterarbeiten und müssen sich eine neue Tätigkeit suchen.

Aufrufe für Anzeigen bei Telegram

Ähnliche Anzeigen werden seit einigen Wochen in Lokalzeitungen und Anzeigenblättern aufgegeben. Klar ist: Beim Messenger-Dienst Telegram, Tummelplatz für Querdenker und Corona-Leugner, gab es Aufrufe, Zeitungen mit solchen Anzeigen zu fluten.

Recherchen einiger Zeitungen und Berichte in NDR und ZDF kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Es handele sich um eine abgesprochene, gesteuerte Aktion aus der Querdenker-Szene. Denn hinter den Anzeigen würden nur sehr selten tatsächliche Krankenschwestern oder Pfleger auf der Suche nach einem neuen Job stecken.

Und wenn Telefonnummern angegeben wurden, waren es Fantasienummern wie 0160-1234567890. Das Ziel der „Anzeigenkampagne“: Mit der Flut solcher Anzeigen soll der Eindruck entstehen, dass die Impfpflicht zu massiven Engpässen zum Beispiel in der Krankenpflege führt.

Daten der Inserenten sind bekannt

Handelt es sich auch in LZ und Lünepost um Fake-Anzeigen? Tatsache ist, dass es nicht einen Auftraggeber für viele Anzeigen gibt, sondern jeder Inserent mit seinen Daten erfasst ist. Thomas Grupe, Anzeigenleiter vom Medienhaus Lüneburg, das LZ und Lünepost herausgibt, erklärt: „Teilweise handelt es sich um Abonnenten und Anzeigenkunden, von denen wir die Daten vorliegen haben. Bei Neukunden nehmen wir die Anzeige nur gegen Vorkasse entgegen, auch hier erfolgte bei der Bareinzahlung ein Datenabgleich und bei den Banküberweisungen wurde der Kontoinhaber abgeglichen. Alle anderen Anzeigen lehnen wir ab.“

Allerdings enthält zumindest eine Anzeige eine fragwürdige Botschaft: „Ab 16.3. kann ich, Physiotherapeutin, ungeimpft, 27 J. im Job, 180 Patientenbehandl./Monat, nicht mehr machen. Wegen Fachkräftemangel werden SIE als Patient ca. 6 Mon. Wartezeit für ihre Behandlung einplanen müssen“, schreibt eine Inserentin.

Fachkräftemangel schon lange vor Pandemie

Tatsächlich hat es den Fachkäftemangel nicht nur in diesem Bereich schon lange vor der Pandemie gegeben. In Lüneburg ist die Impfquote zum Beispiel im Klinikum oder auch bei der Lebenshilfe zudem sehr hoch (LZ berichtete). Hinzu kommt: Noch gibt es keine exakten Vorgaben für die Überwachung oder Sanktionen der Impfpflicht. Auch Fragen wie Übergangsregelungen oder unbezahlte Freistellungen sind noch offen. Kommunale Gesundheitsämter müssen zudem jeden Fall einzeln überprüfen.

Spenden für Arbeit mit Long-Covid-Patienten

Die Frage, ob solche Anzeigeninhalte nicht generell abgelehnt werden sollten, beantwortete der Fachjurist Jens Fusbahn kürzlich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: „Wenn da jetzt ein Aufruf zu etwas Illegalem besteht, dann muss und wird die Presse das ablehnen. Aber ansonsten wird sie das nicht ablehnen, weil sie natürlich auch die Aufgabe hat, solche Inserate zur Verfügung zu stellen. Schließlich fallen auch Anzeigen unter die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit.“

Das Medienhaus Lüneburg hat sich entschieden, die Anzeigen mitzunehmen. Allerdings werden die Einnahmen gespendet – an den Förderkreis „Fundskerle“ der Gesundheitsholding Lüneburg. Der Betrag soll die Arbeit mit Long-Covid-Patienten am Klinikum unterstützen. lz

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