Dienstag , 6. Dezember 2022
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Uwe Eger ist Vorsitzender der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. Ziel des Vereins: mehr Gehör in der Öffentlichkeit und mehr Mitspracherecht in der Gesellschaft.
Uwe Eger ist Vorsitzender der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. Ziel des Vereins: mehr Gehör in der Öffentlichkeit und mehr Mitspracherecht in der Gesellschaft. (Foto: t&w)

Mahnwache für wohnungslose Menschen

Von Montag (7. Februar) auf Dienstag hält die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen auf dem Lüneburger Platz Am Sande eine Mahnwache ab. „Mit der Aktion wollen wir auf die Menschen aufmerksam machen, die kein Dach über dem Kopf haben“, sagt Vorsitzender Uwe Eger. Er und seine Mitstreiter plädieren unter anderem für mehr sozialen Wohnraum.

Lüneburg. Es ist Regen angesagt – doch darüber kann Uwe Eger bloß lachen. Zu oft schon hat er bei Kälte und Nässe auf der Straße geschlafen. Am heutigen Montag allerdings macht er das freiwillig: Ab 9.30 Uhr bis morgen Nachmittag wollen sechs Mitglieder der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen (SWM) auf dem Lüneburger Platz Am Sande eine Mahnwache abhalten, um einen besseren Umgang mit jenen Menschen zu erreichen, die keine eigene Wohnung haben.

Mit Missständen konfrontiert

Uwe Eger ist Vorsitzender des Vereins, der sich für mehr Mitspracherecht Obdachloser in der Gesellschaft einsetzt. Bei der Gründung vor ein paar Jahren war der 56-Jährige selbst noch auf der Suche nach einer Wohnung, die er schließlich in Gut Wienebüttel fand. Immer mal wieder lässt er Freunde von der Straße bei sich auf der Couch schlafen. Immer wieder, sagt er, werde er dabei auch mit Missständen konfrontiert.

„Die Leute werden nicht würdevoll behandelt, sie können nicht mitreden“, kritisiert Eger. „Es wird seitens der Regierung versprochen, versprochen und versprochen – aber in den seltensten Fällen werden die Versprechen auch gehalten.“ Sein Frust richtet sich vor allem gegen die Wohnungspolitik. Deutschlandweit, auch in Lüneburg, mangele es massiv an günstigem Wohnraum.

Mit Flyern, Transparenten, Regenschirmen und Schlafsäcken

Darum die Mahnwache. „Mit der Aktion wollen wir auf die Menschen aufmerksam machen, die kein Dach über dem Kopf haben. Mit ihnen muss anders umgegangen werden, gerade auch in Corona-Zeiten“, betont der SWM-Vorsitzende. „Wie sollen die Leute sich schützen? Sie leben in Massenunterkünften, dabei sind doch seit der Pandemie genug Hotelzimmer frei.“ Solche und andere Lösungsansätze wollen Uwe Eger und seine Mitstreiter mit Passanten und der Politik erörtern.

Mit Faltblättern, Transparenten, Regenschirmen und Schlafsäcken ausgestattet, wollen sie dafür einen Tag und eine Nacht lang in der Innenstadt ausharren. Sie hoffen auf viele offene Ohren und Unterstützer der Aktion. Uwe Eger: „Da kann sich jeder anschließen und jeder mitmachen.“

Von Anna Petersen

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