Freitag , 2. Dezember 2022
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Kater Oreo wäre fast an einer Vergiftung gestorben, die durch Mäuse- und Rattengift ausgelöst wurde. (Foto: privat)

Mäusegift plagt Hauskater „Oreo“

In Häcklingen werden offensichtlich immer wieder Nager-Köder auslegt. Kater Oreo fiel dem Gift mehrmals zum Opfer, kam gerade noch so mit dem Leben davon. Wer so gedankenlos handelt, kann sich strafbar machen. Denn er gefährdet damit auch andere Tiere und sogar Kinder.

Lüneburg. „Oreo“ ist zwei Jahre alt. Ein richtiger Halbstarker. Der Kater strotzt nur so vor Energie, will ständig beschäftigt werden. Bekommt er keinen Auslauf, kratzt er an der Balkontür. Oder er nervt „Findus“. Der zweite Kater der Familie Kapelke, schon 14 Jahre alt, hat meist wenig Lust, mit „Oreo“ herumzutollen oder hinter Mäusen herzujagen. Genau diese Gemütlichkeit hat „Findus“ wahrscheinlich bisher vor einer schweren Vergiftung bewahrt. „Oreo“ hatte weniger Glück. Er blickt sogar schon auf eine Leidensgeschichte zurück.

Vor einem Jahr schon einmal vergiftet

„Vor fast genau einem Jahr kam er von draußen in unsere Wohnung und torkelte nur noch“, erzählt Anna Kapelke. „Er zuckte ständig und hatte weit aufgerissene Augen“, beschreibt die 41-Jährige weiter. „Und seine Hinterbeine rutschten immer weg, er konnte gar nicht mehr richtig laufen“, ergänzt Tochter Romi (13), der „Oreo“ gehört.

Anna Kapelke: „Wir sind sofort mit ihm in das Tierärztliches Gesundheitszentrum nach Oerzen gefahren. Die dortige Ärztin vermutete, dass es sich um eine Vergiftung handelt.“

Gift wirkt auf das Nervensystem

„Oreo“ hatte offensichtlich Alpha-Chloralose im Körper. Das ist ein Ratten- und Mäusegift, das in Produkte wie „Sugan MäuseKöder“ als Korn und Laste eingearbeitet wurde. Diese Produkte wirken auf das zentrale Nervensystem und sollen Nager betäuben, so dass sie schließlich an Unterkühlung und Kreislaufversagen sterben. Die Köder sind legal in fast jedem Baumarkt erhältlich.

Doch obwohl auf den Packungen steht, dass die Mittel ausschließlich in geschlossenen Gebäuden angewendet werden dürfen, zu denen keine weiteren Tiere oder auch spielende Kinder irgendeinen (möglichen) Zugang haben, werden diese Warnhinweise oft ignoriert. Das ist ein Fehler. Denn wem es gleichgültig ist, ob er mit dem Auslegen des Köders ein anderes Tier tötet oder quält, kann sich laut Tierschutzgesetz sogar strafbar machen und mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Aktivkohle-Tabletten retteten Kater das Leben

„Oreo“ erwischte es Anfang Februar noch ein zweites und drittes Mal. Während der Vierbeiner 2021 noch durch Infusionen gerettet werden und knapp drei Tage in der Klinik verbringen musste, wussten die Kapelkes Anfang Februar, wie sie ihrem „Schmuser“ Erste Hilfe leisten konnten: Mit Aktivkohle-Tabletten. Die verhinderten, dass sich das Gift im Körper des Tieres weiter ausbreitete. „Wir hatten ihn an einem Tag noch eine Maus fressen sehen. Am anderen Morgen fingen die Symptome wieder an – da wussten wir, was los ist“, sagt Anna Kapelke. Erneut ging es flugs zur Tierklinik.

Anna Kapelke kann sich nicht vorstellen, wo sich der Kater ihrer Tochter immer wieder vergiftet. „Wir wohnen jetzt seit zehn Jahren hier. Erst seit vergangenem Jahr haben wir das Problem“, sagt sie. Auf Nachfrage geben Bewohner in der Siedlung zu, Mäuse zu bekämpfen. „Aber nur mit den altbekannten Fallen“, versichern sie.

Appell an Unbekannt: Keine Köder mehr auslegen

„Oreo hat den Giftkonsum zwar überstanden. Aber wir haben jetzt große Angst, ihn rauszulassen“, sagt Anna Kapelke. Sie appelliert an die Unbekannten, keine Köder mehr auszulegen.

„Nicht nur Katzen können an dem Gift elendig zu Grunde gehen. Auch Hunde und Greifvögel sind gefährdet“, weiß die Mutter. Denn wenn sie in Kontakt mit den kontaminierten Mäusen kämen oder sie gar fressen würden, könne Alpha-Chloralose und/oder Rückstände des Wirkstoffes auch sie noch töten. Darüber hinaus könnten spielende Kinder die Köder für etwas Essbares halten.

Michaela Kunz vom Tierärztlichen Gesundheitszentrum Oerzen bestätigt: „In den vergangenen Jahren werden bei uns verstärkt Katzen eingeliefert, die die gleichen Symptome aufweisen wie ‚Oreo‘ Anfang Februar.“ Dabei sei auffällig, dass über das ganze Jahr verteilt die Einlieferungen immer kurz hintereinander stattfänden.

Vergiftungen hinterlassen ernsthafte Schäden

„Wir konnten ‚Oreo‘ jetzt ein paar Mal helfen. Das geht aber nicht unbegrenzt, denn für so einen kleinen Körper sind die Krämpfe eine große Anstrengung.“ Auf die Dauer werde „Oreo“ ernsthafte Gesundheitsschäden davontragen, wenn er sich immer wieder vergifte.

Betroffenen Katzen, so die Tierärztin, sollte man auf jeden Fall schnell Aktivkohle zuführen, sie in eine Decke hüllen und in einem abgedunkelten Behältnis direkt zu einer tierärztlichen Notaufnahme fahren.

Veterinäramt sieht keine Häufung der Fälle

Bisher tritt das „Köderproblem“ nicht geballt in Lüneburg auf. Sowohl Jennifer Bröker von der Tierklinik Lüneburg als auch Kathi Sydow von der mobilen Kleintierpraxis in Vögelsen haben in den vergangenen Monaten keine Kenntnis von akuten Fällen bekommen. Aber: „Uns ist das Problem mit den Ködern bekannt“, sagt Schinkel. „In ländlichen Gegenden sollen wohl manche Bauern Ratten- und Mäuseköder auslegen, um ihre Felder zu schützen, oder auch Pferdehofbesitzer, die Angst haben, dass die Nager Krankheiten auf die Pferde übertragen.“

Das Lüneburger Veterinäramt gibt Entwarnung: „Fälle von Giftködern durch Privatpersonen kommen leider immer wieder mal vor. Aktuell ist hier aber nichts bekannt“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. „Es gibt immer wieder Köderaktionen der Deichverbände und Wasserverbände zur Bekämpfung von Mäusen. Diese sind aber stets sehr gut ausgeschildert und die Köder sind, außer für Mäuse, für andere Tiere nicht zugänglich“, heißt es vom Veterinäramt weiter.

Aber: „Im Landkreis sind einige sachkundige Schädlingsbekämpfer mit entsprechender Erlaubnis vom Veterinäramt unterwegs.“ Da das Gift im Fall von „Oreo“ nicht bestimmungsgemäß benutzt wurde, sei jedoch auch nicht vom Einsatz durch einen Schädlingsbekämpfer auszugehen.

Von Kerstin Völling

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