Sonntag , 4. Dezember 2022
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So soll der Prototyp für EnBW einmal aussehen.
So soll der Prototyp für EnBW einmal aussehen. (Foto: Wallaby Boats GmbH)

Ein Schiff mit Federung

Auf der Hitzler-Werft in Lauenburg wird jetzt mit Volldampf am ersten kommerziell genutzten Schiff mit Federung gearbeitet.

Lauenburg. Im Januar war „Brennstart“ für den Zuschnitt der Bauteile bei Ostseestaal in Stralsund, nun ist das Chassis der „WB-18#001“ bereits deutlich zu erkennen. „Es läuft richtig gut“, freut sich Kai Klimenko, der die Hitzler-Werft zusammen mit seinem Vater erst im März 2021 übernommen hatte. Die traditionsreiche Werft am Elbufer ist Partner der Wallaby Boats GmbH, die das gefederte Boot an den Markt bringen wird. Vorteil: Offshoretechniker oder Lotsen können sicherer auf Windkraftanlagen oder große Schiffe übersteigen.

Entwickelt wurde das Konzept vom australischen Ingenieurbüro Nauti-Craft. Der aus zwei Katamaran-Rümpfen, die unabhängig voneinander die Wellenkräfte und die daraus resultierenden Bewegungen ausgleichen und kompensieren können, bestehende Neubau hat in der maritimen Wirtschaft breites Interesse geweckt. Das sogenannte Chassis bleibt dank der Federung im passiven Modus des Systems schon relativ ruhig, ist im aktiven Modus dann aber absolut unbewegt. Damit wird der Transit selbst bei geringerer Schiffsgröße wesentlich komfortabler als bei bisher genutzten Einheiten. Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft soll die Innovation zusammen mit dem Offshore-Windparkbetreiber und Energieversorger EnBW bei Einsätzen in Ostsee-Windparks erprobt werden. „Wir gehen davon aus, dass der Prototyp Ende des zweiten Quartals fertig sein wird“, erklärt Kai Klimenko. Im Januar wurde die Entwicklung des Wallaby-18 vom Magazin „Windpower“ zur „best innovation 2021“ gekürt. „Diese Auszeichnung erfüllt uns mit Stolz“, sagt Eike Kristian Höper, Geschäftsführer der Wallaby Boats GmbH. Und auch in Lauenburg ist die Freude groß. „Die Entwicklung eines so innovativen Schiffes ist immer eine große Herausforderung. Seit der Übernahme der Hitzler Werft haben wir uns eben solchen innovativen Projekten, welche die Schifffahrt umweltfreundlicher und den deutschen Schiffbaustandort attraktiver machen, verschrieben“, berichtet Marek Klimenko.

Zwei getrennte Rümpfe und Solarzellen

Zu den innovativsten Merkmalen des Schiffes gehören neben den zwei getrennten Rümpfen die Nutzung der von der Hydraulik erzeugten (Ab-)Wärmeenergie, etwa für die Decksenteisung, und die in die Decksaufbauten integrierten Fotovoltaikelemente, um den Strombedarf im Betrieb zu verringern. Das Schiff soll alle Anforderungen an höchste Umweltstandards erfüllen. Die Klassifikationsgesellschaft Lloyd‘s Register begleitet das Projekt, das auf der Messe in England präsentiert werden soll. „Auf die Probefahrt sind wir alle extrem gespannt“, sagt Kai Klimenko. Bis dahin werden noch unzählige Aluminiumplatten auf der Werft verschweißt und bei Partnern in Hagen gefertigte Bauteile eingefügt.

„Als junge Reederei sind wir sehr stolz, das erste Wallaby-18 betreiben zu dürfen“, versichert Harald Hübner, Geschäftsführer der Offcon GmbH in Kappeln an der Schlei. Hübner: „Wir planen bereits, auch das zweite WB-18 zu bestellen und sind sehr gespannt auf die Leistungsfähigkeit dieser neuen Technik, die es uns ermöglicht, unsere Umweltziele schneller zu erreichen und dabei gleichzeitig maximal leistungsfähig zu sein.“

In der Schiffbauhalle bei Hitzler wird parallel auch an einer Forschungsplattform für das Geesthachter Hereon-Zentrum gearbeitet und das Planierschiff „Chicago“ für die Hamburg Port Authority fertiggestellt.

Von Timo Jann

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