Sonntag , 4. Dezember 2022
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Auch Dauergrünland soll künftig in den Fokus nitratbelasteter Gebiete rücken. Das sorgt für Kritik. (Foto: t&w)
Auch Dauergrünland soll künftig in den Fokus nitratbelasteter Gebiete rücken. Das sorgt für Kritik. (Foto: t&w)

Wenn Grünland plötzlich rot wird

Die EU fordert eine Neufestlegung von nitratbelasteten Gebieten mit möglicherweise besonderen Härten für Grünlandbetriebe auch rund um Lüneburg.

Lüneburg. Auch Landwirte aus der Lüneburger Region verfolgen derzeit mit Argusaugen die Diskussion zwischen Hannover, Berlin und Brüssel um die Ausweisung „Roter Gebiete“, die besonders von Nitratbelastungen betroffen sind: Im Kampf für besseren Grundwasserschutz sollen offenbar pauschal mehr Flächen als bisher mit strengeren Dünge-Auflagen für die Landwirtschaft belegt werden. Auf Kritik stößt dabei vor allem, dass das Verursacherprinzip unter den Tisch fallen könnten. Das hätte auch im Landkreis Lüneburg Konsequenzen.

Kriterien sorgen bei Landwirten für Unruhe

Gegen Deutschland lief längst ein EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen der Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie. Um Strafzahlungen in Millionenhöhe abzuwenden, sollte der Bund an Brüssel eine neue Gebietskulisse der nitratbelasteten Flächen melden. In Abstimmung mit den Landesministerien hat das Berlin auch gemacht. Doch die neu festgelegten Kriterien sorgen jetzt in der Landwirtschaft für Unruhe.

Zwar sind die konkreten Gebietsausweisungen noch nicht in allen Ausprägungen bekannt, aber auch dem Bauernverband Nordost-Niedersachsen (BVNON) schwant Böses. In einer internen Sitzungen hat sich der Vorstand erste Gebietsmodellierungen näher angeschaut.

Landwirt Carsten Hövermann, Vorstandsmitglied aus Kirchgellersen, sagt auf LZ-Nachfrage: „Für den Landkreis Lüneburg könnte das eine erhebliche Zunahme der ,Roten Flächen' vor allem im Ostkreis um mehrere Tausend Hektar bedeuten.“ Dabei wäre Ackerland genauso betroffen wie Dauergrünland. Nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover sollen landesweit allein beim Grünland rund 170.000 Hektar neu in die „Roten Gebiete“ einbezogen werden, obwohl Nitratauswaschungen dort kaum eine Rolle spielen, heißt es von den Kritikern. Damit wäre auch das Verursacherprinzip weitgehend Geschichte.

Thema sorgt für Krach in der Koalition

Hövermann sagt: „Durch den Verzicht auf den emissionsbasierten Ansatz würde die Sache fachlich noch schwerer nachvollziehbar.“ Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, formuliert es so: „Aus Grünland ein ,Rotes Gebiet' zu machen, das ist fachlich ungefähr so, als wenn man einem Elektroauto die Einfahrt in eine Umweltzone verweigert.“

Das Thema sorgt auch für Krach in der Großen Koalition in Hannover. Die CDU-Fraktion kritisierte, dass Umweltminister Olaf Lies (SPD) die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bei den Verhandlungen über die Neuberechnungen der Roten Gebiete übergangen habe (LZ berichtete). Otte-Kinast wiederum sieht noch Handlungsmöglichkeiten bei der anstehenden Ausgestaltung der novellierten Düngeverordnung. Ziel sei es nach den Worten des Lüneburger Landtagsabgeordneten Uwe Dorendorf (CDU), „dass die Restriktionen in den ,Roten Gebieten' für Grünlandbetriebe nicht zum Tragen kommen“.

Von Dennis Thomas

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