Sonntag , 4. Dezember 2022
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(Symbolfoto: AdobeStock)

Krieg in der Ukraine: „Es ist wie ein Albtraum“

Vor 25 Jahren ist Ludmilla (*) aus der Ukraine nach Deutschland gekommen – der Liebe wegen. Alles war gut, bis gestern. Dem Tag, an dem Russlands Präsident den Angriff auf die Ukraine befohlen hat.

Barendorf. Ludmilla (51), die ihren echten Namen aus Angst vor Repressalien nicht nennen möchte, versucht verzweifelt, telefonisch ihre Familie und Freunde in Charkiw zu erreichen. Die Stadt liegt 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und damit so nah wie keine andere Millionenstadt an der Konfliktlinie.

Das, was die 51-Jährige in Erfahrung bringen konnte, ist beunruhigend: Die Stadt sei von russischen Truppen umstellt, die Flucht kaum möglich, die Wasserversorgung teilweise unterbrochen. „Es ist ein Albtraum!“ Russisch sei doch auch ihre Muttersprache, sagt die gebürtige Ukrainerin, die nun nicht verstehen kann, dass Russen auf Ukrainer und Ukrainer auf Russen schießen. Und der Konflikt habe längst auch Deutschland erreicht: „Ich habe hier auch viele russische Freunde“, sagt Ludmilla, und fügt bestürzt hinzu: „90 Prozent von denen halten das Vorgehen von Putin für legitim und richtig.“ Es sei beängstigend, sagt die 51-Jährige und blickt zum Handy, ihre zurzeit einzige Verbindung zu ihrer Familie.

Partnerschaft mit der weißrussischen Stadt Choiniki

Der Krieg wird auch im Barendorfer Rathaus mit großer Sorge verfolgt. Denn russische Truppen marschieren auch aus Weißrussland in die Ukraine ein. Die Samtgemeinde Ostheide pflegt eine Partnerschaft mit der weißrussischen Stadt Choiniki – und hat gerade auf der Sitzung des Partnerschaftsausschusses beschlossen, die Beziehungen zu Choiniki wieder mit Leben zu füllen. „Das kann jetzt schwierig werden“, sagt Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer. Unklar ist auch, ob die 30 weißrussischen Kinder im Sommer wieder zur Erholung in die Ostheide kommen dürfen. kre

(*Name geändert)

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