Freitag , 2. Dezember 2022
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(Symbolfoto: AdobeStock)

Krieg in der Ukraine: Geschäfte gekappt

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat Auswirkungen auch auf die heimische Wirtschaft. Dabei entwickelten sich die deutsch-ukrainischen Handelsbeziehungen gerade wieder positiv.

Lüneburg. 16 Unternehmen sind es in der Stadt Lüneburg, die mit Russland, beziehungsweise der Ukraine, wirtschaftliche Beziehungen pflegen: Eines davon ist die Firma Clage, ein mittelständisches Industrieunternehmen, das energiesparende Warmwassergeräte mit 300 Mitarbeitern entwickelt und produziert. Alexander Gerdes, bei Clage zuständig für den internationalen Vertrieb, ist „schockiert“ von den aktuellen Entwicklungen. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu unserem russischen Geschäftspartner“, macht er deutlich. Auch wenn – gemessen am Gesamtumsatz des Unternehmens – das Geschäft mit den russischen, aber auch den ukrainischen Partnern überschaubar sei, „ein Wegbrechen des Marktes ist trotzdem sehr, sehr ärgerlich“. Wie es jetzt weitergeht? Darauf hat auch Gerdes keine endgültige Antwort: „Das hängt auch von den Sanktionen der EU gegen Russland ab.“

Olaf Böttcher von der gleichnamigen Hydraulik und Consulting GmbH reagiert mit Staunen und Entsetzen auf die militärische Eskalation in der Ukraine: „Wir haben in der Nähe von Kiew Geschäftspartner, von denen wir Stahlbauteile und Ingenieurdienstleistungen beziehen“, erklärt der Lüneburger Unternehmer. Doch diese Lieferkette sei mit der Invasion der Russen in die Ukraine auf einen Schlag weggebrochen. Sein Unternehmen könne das wirtschaftlich zwar verkraften, sagt Böttcher der LZ. Sorgen mache er sich vielmehr um seine Geschäftsfreunde dort: „Man kennt sich schon lange. Da sind über die Jahre persönliche und freundschaftliche Beziehungen entstanden.“ Und so wie diesen beiden Lüneburger Unternehmen geht es vielen Betrieben: Immerhin sind im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg 142 Unternehmen mit Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und 102 zur Ukraine.

Deutsche Exporte in die Ukraine 2021 stark gewachsen

Dabei entwickelten sich die deutsch-ukrainischen Handelsbeziehungen gerade wieder positiv: 2021 verzeichneten die deutschen Exporte laut Industrie- und Handelskammer einen Zuwachs von 17,2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Die deutschen Importe stiegen im gleichen Zeitraum um 22,9 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Damit befindet sich die Ukraine aktuell auf Rang 41 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.

Und Russland? Russland ist weltgrößter Erdgasexporteur und die drittgrößte erdölexport-orientierte Nation weltweit (hinter USA und Saudi-Arabien). 2020 wurden Waren im Wert von rund 331,8 Milliarden US-Dollar aus Russland exportiert. Im Ranking der wichtigsten Handelspartner Deutschlands steht Russland auf Platz 13.

Die aktuelle Lage in Osteuropa steht im Mittelpunkt einer Online-Veranstaltung der IHK am Montag, 28. Februar, 15 bis 16.30 Uhr mit dem Geschäftsführer der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer, Alexander Markus, sowie der Vertreterin des Landes Niedersachsen in der Russischen Föderation, Anna Urumyan. Anmeldungen unter: https://ihklw.de/BrennpunktOsteuropa.

Von Klaus Reschke

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