Montag , 5. Dezember 2022
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Der Chor "Harmonie" aus St. Petersburg bekommt wegen des Krieges in der Ukraine viele Konzert-Absagen
Der Chor "Harmonie" aus St. Petersburg bekommt wegen des Krieges in der Ukraine viele Konzert-Absagen. (Foto: Adobe Stock)

Russischer Chor nicht erwünscht – trotz Friedensmusik

Viele Jahre schon tritt das Ensemble „Harmonie“ aus St. Petersburg in der Region auf. Doch mit dem Krieg in der Ukraine kamen viele Konzert-Absagen. "Die Musik ist immer gegen Krieg", sagt hingegen Chorleiter Andrianov.

Lüneburg/Celle. Eigentlich wollten sie 20 Konzerte spielen, endlich wieder auf große Tournee gehen nach der Corona-Durststrecke. Doch dem Ensemble „Harmonie“ aus St. Petersburg wurde von knapp der Hälfte der Auftrittsorte wieder abgesagt, darunter Kirchenkonzerte in Celle. "Die Begründung war eigentlich immer, das gehe nicht gegen uns, aber es sei gerade nicht die Zeit für russische Musik. Oder auch, die Musik sei ein Schlag ins Gesicht aller Ukrainer", sagt Chorleiter Alexander Andrianov.

Andrianov selbst lebt in Deutschland, die übrigen Chormitglieder teils in Russland, teils in Deutschland. Im Norden spielt der Chor nun gar nicht mehr in diesem Frühjahr. Dabei ist "Harmonie" seit Jahren in der Region bekannt. Elke Knollmann aus Deutsch Evern, bei der die Chormitglieder früher oft untergekommen sind, hatte noch versucht, ein kurzfristiges Konzert in Lüneburg zu organisieren. Hier ist sie noch in der Absprache.

Alexander Andrianov sagt, er habe unterdessen den Initiatoren, die abgesagt haben, geantwortet, dass gerade in diesen Zeiten Musik besonders wichtig wäre. "Die Musik hat doch ihre eigene Sprache. Und Musik ist immer gegen Krieg."

Gesang auch in der Ukraine üblich

Andrianov erklärt zudem, dass der Chor zur einen Hälfte orthodoxe Kirchenmusik präsentiere und auf Kirchenslawisch singe. "Das ist in vielen Ländern so verbreitet wie Latein und wird auch in Kirchen in der Ukraine so gesungen." In vielen der Lieder würde es zudem um den Frieden gehen. "Das sind schwierige Zeiten gerade. Aber die Kultur kann eine Verbindung zwischen den Menschen sein."

Konzerte werden nun nur noch in Süddeutschland und in der Schweiz stattfinden. Ob sich die Tournee noch rechnet, weiß der Chorleiter nicht. Das hänge auch davon ab, ob denn das Publikum kommt. "Eine Pastorin in Süddeutschland hat für unser Konzert dort geflohene Ukrainer eingeladen. Ich bin gespannt, ob die kommen werden. Wir wollen dort einen Teil unserer Einnahmen spenden."

Im November und Dezember plant das St. Petersburger Ensemble erneut Konzerte. Alexander Andrianov hofft, dass der Chor dann auch wieder in der Heide und im Raum Celle zu hören sein wird.

Von Laura Treffenfeld

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