Dienstag , 6. Dezember 2022
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Frida Helm (v.l.), Sheri Ozmanyan, Ingmar Probst, Lilly Müller und Lars Kolbe sind einige aus dem Team, die derzeit ein Tarnnetz für Ukrainer knüpfen. (Foto: be)
Frida Helm (v.l.), Sheri Ozmanyan, Ingmar Probst, Lilly Müller und Lars Kolbe sind einige aus dem Team, die derzeit ein Tarnnetz für Ukrainer knüpfen. (Foto: be)

Schüler knüpfen Tarnnetz für ukrainische Schulen

Spenden? Singen? Protestieren? Beten? Alles sinnvolle Maßnahmen, um auf den Eroberungskrieg Russlands in der Ukraine zu reagieren. Das reichte Schülern des Johanneums aber nicht. Sie knüpfen nun ein Tarnnetz.

Lüneburg/Lwiw. Friedenstauben an deutschen Schulfenstern werden die russische Invasionsarmee nicht aufhalten. Aber wie kann man den Ukrainern aktiv helfen? Dr. Ingmar Probst kam ein Gedanke, als er in den Fernsehnachrichten Bilder aus einer Schule im westukrainischen Lwiw sah. "Unterricht findet dort nicht mehr statt. Stattdessen knüpfen Schüler Tarnnetze, um Gebäude vor den Augen von Bomberpiloten zu verbergen. Das schien mir eine sinnvolle Tätigkeit zu sein." Probst ist Lehrer am Lüneburger Gymnasium Johanneum. Er fragte die Elft- und Zwölftklässler, die er gerade unterrichtet. "Nach einer Nacht darüber schlafen war der Rücklauf enorm."

Schüler knüpfen in ihrer Freizeit

Seit dem Montag flechten mehr als ein Dutzend Schülerinnen und Schüler mehrere Stunden am Tag Streifen zerschnittener Mülltüten in ein handelsübliches Teichabdecknetz. "Das machen wir in unserer Freizeit", betont Lilly Müller (17). Mitschüler Lars Kolbe (16) ergänzt: "Man kann aktiv etwas tun. Das ist ein besseres Gefühl als nur zu reden."

Nach sechs bis sieben Stunden Arbeit bedeckt das Tarnnetz bereits zwei Wände eines Zimmers der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Johanneums. Die dürfen Lehrer Probst und seine Schüler nutzen, obwohl ihre Initiative rein privater Natur und keinesfalls eine Aktion der Schule als Ganzes darstellt.

Zwei bis drei Tage Arbeit müssen Sheri Ozmanyan, Frida Helm, Lilly Müller, Lars Kolbe und die anderen beteiligten Schüler noch investieren. Dann soll das Tarnnetz "diejenigen schützen, die in diesem Krieg gerade ganz vorne stehen", sagt Probst. Gerade organisiert er, wie er das Netz mit einer der Hilfslieferungen, die derzeit in der Region Richtung Ukraine starten, zu den Menschen bringen lassen kann, die es brauchen.

Von Joachim Zießler

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