Sonntag , 4. Dezember 2022
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Identitätsdiebstahl kann einen teuer zu stehen kommen. (Foto: AdobeStock)
Identitätsdiebstahl kann einen teuer zu stehen kommen. (Foto: AdobeStock)

Identitätsklau: Einkaufen auf Kosten anderer

Nichts bestellt, aber Inkassoschreiben erhalten? Oder sogar einen gelben Brief mit gerichtlichem Mahnbescheid? Das ist keine Seltenheit. Denn immer wieder hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen mit Fällen von Identitätsklau zu tun. Sie schildert einen aktuellen Fall, der exemplarisch steht für die Masche.

Lüneburg. Eine Verbraucherin hat einen Mahnbescheid über 127 Euro der Paigo GmbH erhalten, die im Auftrag von Amazon handelt. Doch die Frau beteuerte, weder etwas bestellt, noch Rechnungen oder Mahnungen erhalten zu haben. Sabine Oppen-Schröder, Beraterin der Verbraucherzentrale in Lüneburg, kennt solche Fälle und schildert das Vorgehen: „Häufig melden sich Kriminelle in einem Onlineshop wie Amazon mit einem fremden Namen, aber mit neuer E-Mail-Adresse an. Als Rechnungsadresse dient die gestohlene Anschrift der Person.

Geliefert werden die bestellten Produkte aber an eine abweichende Adresse. Rechnungen und später auch Mahnungen des Onlineshops gehen an die eigens eingerichtete E-Mail-Adresse. Erst wenn der Händler die offene Forderung an ein Inkassounternehmen übergibt, erfahren Betroffene von dem Betrug. Denn die Inkassoschreiben oder sogar Mahnbescheide werden per Post an die hinterlegte, echte Rechnungsadresse gesendet.

Erst Anzeige erstatten, dann Einspruch einlegen

Die Expertin der Verbraucherzentrale rät in einem solchen Fall: „Zuerst sollten Betroffene bei der Polizei Anzeige erstatten, idealerweise bei einer Dienststelle mit dem Schwerpunkt Cybercrime. Anschließend müssen das Inkassounternehmen und der Onlineshop schriftlich über den Datenmissbrauch informiert werden.“ Hierbei sollte eine Bestätigung der Anzeige mitgesendet werden. Einem Mahnbescheid sollte zudem innerhalb der gesetzlichen Frist widersprochen werden. „Ist der erste Schreck überstanden, sollte eine kostenfreie Auskunft bei der Schufa, CRIF Bürgel und anderen Auskunfteien eingeholt werden, um zu prüfen, welche Eintragungen im Zusammenhang mit dem Identitätsmissbrauch gespeichert wurden“, rät Oppen-Schröder. Außerdem sollte der Identitätsmissbrauch auch bei den Auskunfteien gemeldet werden.

Doch wie kommen Betrüger eigentlich an fremde Daten? „Möglichkeiten gibt es viele“, weiß die Rechtsexpertin und sagt: „Gefälschte Angebote, Phishing-Mails und Online-Fallen – auch Hackerangriffe auf Online-Konten, etwa bei Online-Marktplätzen oder E-Mail-Anbietern – kommen immer wieder vor.“ Sie empfiehlt Verbrauchern daher unbedingt vorzusorgen. Die aktuell sicherste Methode zum Schutz von Online-Accounts sei zum Glück schnell und einfach eingerichtet: die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/2fa im Internet. lz

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