Montag , 5. Dezember 2022
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Dominika Fedek schneidet der Ukrainerin Mariana (11) die Haare, im Hintergrund verpasst Maria Seifert einem ukrainischen Jungen eine neue Frisur. (Foto: t&w)
Dominika Fedek schneidet der Ukrainerin Mariana (11) die Haare, im Hintergrund verpasst Maria Seifert einem ukrainischen Jungen eine neue Frisur. (Foto: t&w)

Neue Frisuren für Waisenkinder

Für 31 ukrainische Waisenkinder, die seit rund zwei Wochen in der Lüneburger Jugendherberge wohnen, gab es am Donnerstag einen neuen Haarschnitt: Die Auszubildenden der BBS II haben ihnen kostenlos ihre Wünsche erfüllt.

Lüneburg. Im Raum 118 der Berufsbildenden Schule (BBS) II war am Donnerstagvormittag einiges los: 31 Waisenkinder aus der Ukraine, die momentan in der Lüneburger Jugendherberge untergekommen sind, durften sich von den Auszubildenden des dritten Lehrjahres die Haare schneiden lassen.

Die Idee kam von der Stiftung Hof Schlüter, allen voran von André Novotny und seinem Team, die sich um die Waisenkinder kümmern. Sie traten mit der Bitte an die BBS heran, den Kindern kostenlos einen neuen Haarschnitt zu ermöglichen: "Wir mussten erstmal klären, ob wir das machen können", erklärt Sonja Rick, Sekretärin an der BBS II, die sodann alle Hebel in Bewegung setzte. Zunächst fragte sie bei den 13 Auszubildenden nach, ob diese bereit wären, ihre Theoriestunden am Donnerstag sausen zu lassen, um den Kindern einen Gefallen tun zu können. "Die haben sofort Ja gesagt."

Betriebe und Friseurinnung unterstützten Aktion

Auch für die Betriebe, in denen die Auszubildenden arbeiten, sei das überhaupt kein Problem gewesen. "Wir freuen uns sehr, dass diese Aktion gestartet wurde", sagt die Obermeisterin der Friseurinnung Lüneburg, Christiane Trilck. Selbstverständlich ist das nicht, schließlich fallen die Kinder den Betrieben nun als potentielle Kunden weg. "Wir als Innung stehen aber voll dahinter", betont Trilck. Einige Mitglieder spendeten zudem kleine Geschenke, Luftballons und Haarpflegeprodukte für die Aktion.

Damit die Auszubildenden den Kindern die Wünsche nicht von den Augen ablesen mussten, war eine Übersetzerin dabei. "Das wussten wir aber vorher nicht", erzählt Dominika Fedek (20), während sie der elfjährigen Mariana die Haare föhnt. "Deshalb habe ich mir vorher ein paar Fragen auf Ukrainisch aufgeschrieben, die ich den Kindern stellen kann: Wie heißt du? Was darf ich mit deinen Haaren machen? Kürzer?", erklärt sie. Als Übersetzerin konnte auch die Auszubildende Maria Seifert einspringen, die ursprünglich von der Krim kommt und deshalb russisch spricht und ukrainisch versteht.

Schwierige Situation für Kinder in der Fremde

Die Situation war für die beiden Auszubildenden ungewohnt. "Man kann sich einfach nicht vorstellen, was die durchgemacht haben. Trotzdem sind das einfach Kinder und ich versuche sie nicht anders zu behandeln als andere", sagt die 22-jährige Maria Seifert. Dominika Fedek gibt zu Bedenken: "Bestimmt ist das schön für die Kinder, aber ich stelle es mir auch komisch vor. Die kommen hier her, verstehen kein Wort und ihnen werden die Haare geschnitten. Keiner würde sich gerne in so einer Situation befinden." Für sie und ihre Mitschüler war jedoch, als die Anfrage kam, sofort klar: "In dieser Situation ist man froh, wenn man helfen kann." lvc

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